Haßfurt
Bauerntag

Landwirte prägen Bayerns Kulturlandschaft

Mit Vorträgen, Diskussionen aber auch vielen lustigen Aktionen begingen viele Landwirte den Bauerntag 2014. Walter Heidl, der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, unterstrich die existenzielle Bedeutung der Landwirtschaft.
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Der stellvertretende BBV-Kreisobmann Christian von Truchseß (links) fungierte als Moderator beim lustigen Schubkarren-Rennen. Fotos: Gudrun Klopf
Der stellvertretende BBV-Kreisobmann Christian von Truchseß (links) fungierte als Moderator beim lustigen Schubkarren-Rennen. Fotos: Gudrun Klopf
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Bauern schaffen Heimat mit allem, was dazugehört, sie prägen seit Jahrhunderten die bayerische Kulturlandschaft. Diese Gesamtleistung müsse man viel stärker herausstellen, unterstrich der Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Walter Heidl, beim "Bauerntag 2014" im Landkreis Haßberge.

Der BBV und der Ring Junger Landwirte verbanden die offizielle Tagung mit einer Landparty und Unterhaltung. Und am Ende gab es großes Hallo. Denn es spielte nicht nur tolle Unterhaltungsmusik mit "Spilk", bei der "Scheunenparty" gab es auch ein Schubkarrenrennen, bei dem BBV-Kreisobmann Klaus Merkel und Kreisbäuerin Cäcilie Werner als erstes Paar ins Rennen gingen. Denn Kreisobmann Klaus Merkel freute sich über viele Ehrengäste aus dem Bereich der Landwirtschaft und der Kommunalpolitik. Er bedankte sich bei dem scheidenden Landrat Rudolf Handwerker und erwähnte die große Unterstützung bei der Lösung der Wildgänseplage im Maintal. Kritisch sprach er den zögerlichen Ausbau des Internets auf dem Lande an, unter dem auch die Landwirte leiden: "Bis der Computer etwas herunterlädt, kann man ja zwischendrin einen Kaffee trinken."

Appell an die Konsumenten

Landrat Rudolf Handwerker (CSU) drückte den Landwirten Wertschätzung für die Leistungen aus, die sie für den ländlichen Raum erbringen. Er appellierte auch an die Bürger: "Ihr habt es in der Hand, dass unsere Landwirtschaft Zukunft hat. Kauft nicht immer die billigsten Produkte, sondern schaut auch darauf, wo sie hergestellt werden."

350 Bauern sind laut Handwerker Vertragspartner des Naturschutzes im Landkreis. In den letzten fünf Jahren flossen im Schnitt 299 000 Euro jährlich in die Landschaftspflege; die Maßnahmen wurden fast alle über den Maschinenring abgewickelt.

Der Landrat betonte, dass zu den Wald-, Milch- und Getreidebauern heute die Energie-Bauern gehörten. "Mit erneuerbaren Energien wie Hackschnitzelheizungen, großflächigen Photovoltaik- oder Biogasanlagen schaffen sie Mehrwert vor Ort und leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Wir haben im Landkreis das Ziel, bis zum Jahr 2020 so viel Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, wie im Landkreis derzeit verbraucht wird." Um dieses Ziel zu erreichen, könnte aus Biomasse etwa 17 Prozent des Stromes erzeugt werden, was eine installierte Leistung von 17 Megawatt bedeute. Zwischenzeitlich stünden im Landkreis 21 Biogasanlagen, die hochgerechnet etwa zehn Megawatt Strom erzeugen.

Bauernpräsident Heindl: Landwirte engagieren sich vor Ort

Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) stellte seine Stadt Hofheim als das "grüne Zentrum" des Landkreises vor. Helmut Liebenstein, Geschäftsführer der RW-Agrar GmbH Haßberge, ergänzte, im zehnten Jubiläumsjahr der RW-Agrar seien hier bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigt, der Umsatz wurde enorm vergrößert, Getreide und Dünger werden an zwei Häfen umgeschlagen.

BBV-Präsident Walter Heindl sprach zum Thema "Landwirt schaf(f)t Heimat" und setzte an den Anfang die Frage, was das Land ohne seine Bauern wäre. Dabei gehe es immer um ein Miteinander - auf dem Hof genauso wie in der Dorfgemeinschaft. "Wir Landwirte engagieren uns vor Ort, wir halten Traditionen, Bräuche und regionale Kreisläufe am Leben und sind ein wichtiger Aktivposten im ländlichen Raum." Dabei wäre es ganz gleich, ob man dies im Haupterwerb oder Nebenerwerb, als Schweinemäster, Rinderhalter oder Ackerbauer ausübe.

Damit die Landwirte diese vielfältigen, gesellschaftlichen Aufgaben auch in Zukunft erfüllen könnten, bräuchten sie vernünftige Rahmenbedingungen. "Es war wichtig, dass die Bauernfamilien mit dem Beschluss der Agrarminister von Bund und Ländern am 4. November 2013 Klarheit bekommen haben, wie es mit der EU-Agrarpolitik bis 2020 in Deutschland weitergeht", stellte Heidl fest. Sehr positiv bewertete der Bayerische Bauernpräsident das klare Signal an die Familienbetriebe, für die eine besondere Unterstützung vorgesehen sei. Die Betriebe erhielten bis 30 Hektar zusätzlich 50 Euro je Hektar und dann bis 46 Hektar 30 Euro. "Im Landkreis Haßberge ist dieses Instrument für rund 99 Prozent der über 1 300 Bauernfamilien von Nutzen", betonte Walter Heidl.

Noch nicht ausdiskutiert wären allerdings die Details zum Greening: "Hier gilt für uns weiterhin: Wir haben null Komma null Hektar zum Quasi-Stilllegen übrig und brauchen praxisnahe Regelungen auch beim Dauergrünland."

Die Mehrheit der Landwirtschaften im Landkreis werden als Nebenerwerb betrieben


Gerade im Landkreis Haßberge, wo rund 75 Prozent der Betriebe im Nebenerwerb wirtschafteten, sei es wichtig, dass die EU über die Regelungen zum "aktiven Landwirt" nicht gerade diesen Betrieben schade. "Wir brauchen eine Klarstellung, dass Nebenerwerbsbetriebe, Direktvermarkter, Urlaubsbauernhöfe und andere keine zusätzliche Bürokratie in Form von Nachweispflichten bekommen und erst recht, dass diese Betriebe nicht von den Direktzahlungen ausgeschlossen werden."

Walter Heidl erklärte, es sei notwendig, die Interessen der Bauern noch viel stärker in der Öffentlichkeit zu vertreten und die Gesamtleistung der Landwirte für Nahrungsmittel, Kulturlandschaft, aber auch für den Energiesektor herauszustellen. Die Landwirtschaft sei auch ein Wirtschaftsfaktor, denn jeder siebte Arbeitsplatz in Bayern sei mit ihr verbunden. "Auch die Regionalität wird immer wichtiger. Jeder vierte Euro kommt mittlerweile aus dem Export. Diesen brauchen wir und wir sollten dabei auch die Chancen der regionalen Produkte nutzen." Heidl zeigte dies am Beispiel der Milch auf: "Wir sind ein Milchland, aber nicht beim Milchexport. Vielmehr stellen wir drei Mal so viel Käse her, wie wir brauchen und exportieren." Chancen des internationalen Markts sollte man nutzen.

Heftige Kritik am geplanten Freihandelsabkommen mit den USA

Im Zusammenhang mit Diskussionen wie Naturpark oder Nationalpark unterstrich er das Motto "Schützen durch Nützen" und die Notwendigkeit von landeseigenen Regelungen, die es nur in Bayern gebe. Kritisch setzte er sich auch mit der Energiepolitik auseinander, wo die hohe Politik endlich sagen sollte, welche Wende sie wolle. "Wir haben die Bioenergie als einen wichtigen Zweig, der noch dazu da ist, wenn kein Wind weht oder die Sonne scheint". Hinsichtlich der Leitungstrassen sollte man erst entscheiden, ob man sie brauche, wenn man auf Dezentralität setze. "Dafür aber angeblich 40 ha als landwirtschaftlichen Ausgleich zu fordern, das geht gar nicht."
Heftig kritisierte er das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und USA, "Denn in den USA zählt nur das Produkt, in Europa dagegen auch der Erzeugungsprozess. Hormone im Fleisch sind hier verboten, in Amerika kommt es nur drauf an, sie rechtzeitig abzusetzen."
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