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Arbeitsplätze

Landratsamt in Haßfurt holt Rentner zurück

Das Landratsamt Haßfurt entdeckt eine neue Möglichkeit, unbesetzte Stellen zu besetzen: Es spannt ehemalige Beschäftigte ein, die Aufgaben übernehmen. Heinz Müller und Werner Schmitt sind an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt.
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Im Ruhestand und doch im Einsatz: Der 76-jährige Werner Schmitt schafft Platz im Archiv und sortiert die Bauakten der 70er Jahre aus.
Im Ruhestand und doch im Einsatz: Der 76-jährige Werner Schmitt schafft Platz im Archiv und sortiert die Bauakten der 70er Jahre aus.
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Mehr und mehr rückt auf dem Arbeitsmarkt ein Thema in den Vordergrund: In der Zukunft wird es weniger Berufstätige und vor allem viel weniger Berufsanfänger geben. Glaubt man den Prognosen, so wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter im Kreis Haßberge um 30 Prozent bis 2031 zurück gehen. Zeit also, sich für die Zukunft zu wappnen.


Junge Kräfte werden schon gebraucht

Das tut auch das Landratsamt Haßberge in Haßfurt, wie aus einer Mitteilung der Behörde hervorgeht. Prinzipiell - das hat der Landrat Rudolf Handwerker (CSU) bei der Neueinstellung von Auszubildenden Anfang September betont - hat der Landkreis Haßberge kein Problem, Nachwuchs zu finden. Der Kreis benötigt junge Kräfte, denn in den letzten Jahren sind viele Mitarbeiter in die Altersfreistellungsphase oder in den Ruhestand gegangen.

Daher hat das Landratsamt eigenen Angaben zufolge aktuell eine dünne Personaldecke. Und so rasch geht es nicht, Mitarbeiter zu qualifizieren. Ohnehin sieht es in weiterer Zukunft nicht mehr so rosig aus: Das Amt muss mit weniger Bewerbern rechnen.

Diese Gründe führten laut Behörde dazu, den Einsatz von ehemaligen Mitarbeitern zu prüfen. "Kollegen, die noch vor kurzem im Dienst standen, kennen sich in der Regel wirklich gut aus. Was man über Jahrzehnte getan hat, das verlernt man nicht von heute auf morgen", weiß Horst Hofmann, der Geschäftsleiter des Amtes.


Der älteste Mitarbeiter ist 76 Jahre

Sein ältester Mitarbeiter, Werner Schmitt aus Sand, ist 76 Jahre alt. Lange Jahre war Werner Schmitt der Leiter der Registratur. Das zeichnet ihn aus. Das Landratsamt hat Platzprobleme in seinem Archiv. Deswegen sortiert Schmitt die Bauakten der 70er Jahre aus und gibt die wichtigen Bestandteile an das Staatsarchiv in Würzburg ab. Wesentliche Daten wie die Flurnummern müssen erfasst oder korrigiert werden. Schmitt kann noch die alten Schriftbilder entziffern und arbeitet die Pläne detektivisch auf. Er denkt eher analog als digital. Aber das kann er gut und er kommt mit seiner Arbeit rascher voran als die Nacherfassung in der Software.

Noch einer ist seit einigen Monaten außer Dienst und ist es doch nicht: Heinz Müller. Als Gartenbaufachberater war er einer der bekanntesten Mitarbeiter des Landratsamtes. Seine Ruhephase war nur von kurzer Dauer: Nach der Kulinea-Verbrauchermesse organisierte er jetzt die große Familien-Fahrradtour im Main-Rad-Paradies.


Kennt jeden Grashalm...

"Ich habe sehr gute Kontakte zu vielen Menschen und kenne fast jeden Grashalm im Landkreis. Davon profitiere ich auch bei meiner jetzigen Aufgabe, die großen Spaß macht", sagt Müller. In der Landespflege ist er nicht mehr tätig, das wäre ihm zu viel. Seine Nachfolger haben die früheren Maßnahmen fortgesetzt und neue Initiativen dazu gefunden. Aber von Fall zu Fall dem geschätzten Dienstherrn unter die Arme zu greifen, das tut Heinz Müller gern und mit Herzblut.

Für die Verantwortlichen im Landratsamt ist die Entwicklung spannend. Wahrscheinlich wird es in Zukunft andere Übergänge vom Berufsleben in den Ruhestand geben, weil der Ersatz durch den Nachwuchs nicht mehr so einfach zu stellen ist. Zudem haben langjährige Mitarbeiter viel an Wissen gesammelt. "Es gibt mehr als einen Grund, warum es künftig wohl mehr ältere Mitarbeiter an Arbeitsstellen geben kann und geben sollte", ist Geschäftsführer Horst Hofmann überzeugt.

Neben dem Einsatz am Amt versucht das Landratsamt auch, ehemalige Mitarbeiter in ehrenamtlichen Feldern einzubinden. Und das mit Erfolg. "In einigen Bereichen, in der Kultur- oder Sozialarbeit, sind frühere Mitarbeiter intensiv eingespannt", berichtet der Geschäftsleiter. Er kann sich gut vorstellen, dass es zum Regelfall wird, dass bewährte Verwaltungskräfte Aufgaben in Ehrenamtsbüros oder Bürgerservicestellen mit übernehmen.

"Die Herausforderung der demographischen Wende wird neue Arbeitsformen verlangen. Man kann dabei nicht allein auf klassische Modelle setzen. Es wird wichtig sein, dass Menschen sich je nach Lage der Dinge selbst organisieren. Und das haben die Verwaltungsfachleute nun einmal gelernt."

Noch sind die Wiedereinsteiger oder Ehrenamt-Leistenden in Diensten des Landkreises weitgehend Männer. Das hat vor allem damit zu tun, dass früher mehr Männer in der Verwaltung arbeiteten. Ein weiterer Punkt liegt darin, dass Frauen nicht selten Familienangehörige pflegen oder die Enkelkinder hüten; damit lässt sich nicht jeder Einsatz vereinbaren. Aber das dürfte sich im Laufe der Zeit ändern, denn in den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl der Frauen in der Verwaltung spürbar erhöht.

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