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Oberschwappach
Ausstellungen

Kunst geht fremd und macht schön

Zwölf unterfränkische Museen tauschen einzelne Exponate untereinander aus und wollen so neue Perspektiven bieten.
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Im Rahmen des Perspektivenwechsels ziert das Kostüm eines Faschingsprinzen die Räume im Museum Schloss Oberschwappach. Im Bild (von links): Daniela Sandner vom Fastnachtmuseum Kitzingen, Archivar Dieter Kewersun und Egon Stumpf von Museum Schloss Oberschwappach. Foto: Christiane Reuther
Im Rahmen des Perspektivenwechsels ziert das Kostüm eines Faschingsprinzen die Räume im Museum Schloss Oberschwappach. Im Bild (von links): Daniela Sandner vom Fastnachtmuseum Kitzingen, Archivar Dieter Kewersun und Egon Stumpf von Museum Schloss Oberschwappach. Foto: Christiane Reuther
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Ist denn schon Faschingszeit? Ein Faschingsprinz im Schloss Oberschwappach? Nein, das historische Kostüm ist eine Leihgabe des Deutschen Fastnachtmuseum in Kitzingen. Unter dem Motto: "Kunst geht fremd und macht schön" steht das Prinzenkostüm samt Modell als Leihgabe bis Anfang November in den Räumen des Schlosses und dafür wandert eine keltische Fibel von Oberschwappach nach Kitzingen.

Auch in diesem Sommer gibt es in der unterfränkischen Kulturlandschaft wieder einen erfrischenden Perspektivenwechsel: Zum sechsten Mal tauschen diesmal zwölf Museen untereinander ihre Kunst. Jeweils ein ausgewähltes Kunstwerkt wird vom 26. Juli bis 6. November in ein anderes Haus ausgeliehen. Die Objekte präsentieren sich in fremdem und regionalem Umfeld, sie fügen sich in eine andere Ausstellungskomposition mit ein.
Oder sie irritieren auch ganz bewusst, wie ein Faschingsprinz zur Sommerzeit im barocken Schloss von Oberschwappach.

Das Kostüm mutet jedenfalls sehr barock an. Es wurde als historisches Kostüm nach Vorlage für die Session 2005 von Hand angefertigt, erklärte Dieter Kewersun, der sich für das Archiv im deutschen Fastnachtmuseum in Kitzingen verantwortlich zeigt. Er selbst hatte das "Ornat", wie sich das Kostüm nennt, als offizielle Uniform für die damals kürzeste Session getragen. Und wie er schmunzelnd meinte: "Ein paar Pfunde hatte ich damals weniger".

Als Prinz Hildanus Dieter I mit Prinzgemahlin Hildania Astrid I kam das Prinzenpaar in der damals kurzen Karnevalszeit auf dennoch 203 Auftritte, wie die Rheinische Frohnatur berichtete, die es vor einigen Jahren nach Franken verschlagen hatte. Dieter Kewersun hatte "ordentlich" in sein "Ornat" investiert, wie er bei der Übergabe erzählte. Von der Mütze mit echten Federn bis zu handgefertigten Schuhen passt an dem historischen Kostüm alles stilecht bis ins Detail.


Auf der Such nach Schönem

"Der Tausch der Objekte verläuft nicht starr bilateral, sondern er spinnt seine musischen Fäden quer durch den Bezirk Unterfranken", erklärte Daniela Sandner, Museumsleiterin vom Fastnachtmuseum. "Das schafft natürlich nicht nur einen ganz neuen Blick auf Ausstellung und Kunst, sondern kreiert auch ein heterogenes, lebendiges Netzwerk, von dem Besucher und Kulturschaffende vor Ort profitieren", freut sich Galerist Egon Stumpf von Museum Schloss Oberschwappach.

Wenn Kunst fremd geht, hat sie seit jeher auch ein Begleitprogramm im Gepäck. Darin vermitteln Experten in Führungen, Sonderveranstaltungen oder Vorträgen ihr Wissen über das "fremde Objekt". Und: Das Projekt macht schön. In der diesjährigen Aktion "Kunst geht fremd" gehen die zwölf unterfränkischen Museen gezielt nach Schönem auf die Suche. So wechselt das Bildnis einer Dame im Ankleidezimmer seinen Standort ebenso wie die Keramik einer Frisierstube, findet sich eine Buchillustration mit zwei Frauen, die ihre Schönheit zu käuflichen Zwecken zur Schau stellen, wie die Replik einer ägyptischen Schminkpalette, eine Grabbeigabe mit einer Fibel aus einer Wehranlage. Das Kostüm des feschen Faschingsprinzen ist ebenso dabei wie die Darstellung eines schönen mittelalterlichen Minnesängers.


Ermäßigter Eintritt

Die Museumsbesucher erhalten im Rahmen von "Kunst geht fremd" eine einmalige Vergünstigung: In jedem Museum sind Aktionspostkarten erhältlich. Wer im ersten Museum den vollen Eintritt zahlt und auf der Aktionspostkarte abstempeln lässt, erhält in allen weiteren Museen einmalig ermäßigten Eintritt. Ausdauer wird belohnt: Der Besuch des zwölften Museums im Rahmen ist frei.

Beteiligt an dem Projekt sind neben dem Museum Schloss Oberschwappach und dem Deutschen Fastnachtsmuseum Kitzenen auch: Museen Schloss Aschach, Stiftsmuseum Aschaffenburg, Museum Obere Saline Bad Kissingen, Knauf-Museum Iphofen, Museum Stadt Miltenberg, Kunsthalle Schweinfurt, Museum Barockscheune Volkach, Kloster Wechterswinkel, Museum im Kulturspeicher Würzburg, Mainfränkisches Museum Würzburg.

Offiziell eröffnet wird die Aktion am Dienstag, 26. Juli, 11 Uhr, im Knauf-Museum Iphofen.