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Sicherheit

Kreis Haßberge: Mehr Kontrollen bei den Festen

Große Menschenmengen locken mitunter Attentäter oder andere gewaltbereite Menschen an. Beim Zeiler Weinfest etwa ist man auf diverse Szenarien vorbereitet.
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Personenkontrollen durch Polizei- und Sicherheitskräfte (hier ein Symbolbild) beim Zeiler Weinfest sind heuer verstärkt möglich, aber nicht flächendeckend geplant. Vor allem geht es um Einblicke in Rucksäcke und Handtaschen, die man nach Möglichkeit auf Wunsch der Veranstalter am besten daheim lässt. Foto: Paul Zinken/dpa
Personenkontrollen durch Polizei- und Sicherheitskräfte (hier ein Symbolbild) beim Zeiler Weinfest sind heuer verstärkt möglich, aber nicht flächendeckend geplant. Vor allem geht es um Einblicke in Rucksäcke und Handtaschen, die man nach Möglichkeit auf Wunsch der Veranstalter am besten daheim lässt. Foto: Paul Zinken/dpa
Drei schreckliche Anschläge in Bayern, bei denen Menschen starben und schwer verletzt wurden. Alles innerhalb von einer Woche, zwei Mal lag der Tatort in Franken: Die Dichte der Ereignisse verstört die Menschen, die Nähe der Tatorte kommt noch dazu.

Was außerdem verunsichert: Die Unberechenbarkeit der Taten. Sie lässt bei vielen Menschen das Gefühl zurück, man sei nirgends mehr sicher. Derzeit stehen im Landkreis Haßberge viele große Feste an, tausende Menschen wollen friedlich zusammen feiern. Die Organisatoren solcher Veranstaltungen machen sich zusätzliche Gedanken zum Thema Sicherheit.


Mit Polizeichef getroffen

Das Zeiler Weinfest beginnt am kommenden Wochenende und die Veranstalter haben prompt auf die jüngsten Vorfälle reagiert, wie Thomas Fensel, Leiter der Hauptverwaltung und Cheforganisator des Festes, erklärt. Nach dem Bombenattentat in Ansbach am Sonntag, bei dem ein Festival Ziel des Anschlags war, habe er am Montagmorgen mit dem Haßfurter Polizeichef Norbert Mohr telefoniert und ein Treffen vereinbart. Keine Krisensitzung, versteht sich, es sei aber darum gegangen, die aktuellen Ereignisse und deren Abläufe sowie mögliche Gegenmaßnahmen zu evaluieren.

Dass ein potenzieller Attentäter möglicherweise einen Rucksack oder eine Tasche bei sich trägt, um darin etwa eine Bombe oder Waffen zu transportieren, veranlasst die Sicherheitskräfte zum Beispiel dazu, vermehrt auf solche Dinge zu achten und Besucher in Hinblick auf Tascheninhalte zu kontrollieren.

Laut Fensel will Zeil dabei keineswegs das Festgelände abriegeln und massenhaft Leute durchsuchen, das würde wohl auch auf wenig Akzeptanz stoßen. Aber wenn ein Besucher einen Rucksack trägt und ein Sicherheitsmitarbeiter fragt, ob er diesen kurz öffnen könnte, dürfte das kein Problem sein, denn im Normalfall dauere das Prozedere nicht lange. Ohnehin habe man das Problem, dass Taten wie Ansbach, München oder Würzburg nur schwer im Vorfeld erkennbar seien. Ob Attentat, Terror oder Amoklauf, besonders wenn es sich um Einzeltäter handelt: Das zu verhindern ist schwierig. Und: "Es kann überall passieren. Wir wissen das", sagt Fensel.


Fahrzeuge als Blockade

"Wir modifizieren die Sicherheitskonzepte, um so das Risiko ein bisschen zu minimieren", erklärt Norbert Mohr von der Polizeiinspektion in Haßfurt. An den drei Zufahrten zum Festbereich in Zeil sollen Fahrzeuge statt Absperrzäune stehen, um einen Anschlag wie in Nizza, bei dem ein Lastwagen in die Menge raste und 84 Menschen tötete, zu verhindern. Die Gäste müssten sich zudem darauf einstellen, dass die Sicherheitskräfte genauer in mitgebrachte Taschen schauen. Die Bevölkerung solle wissen, dass die Polizei die jüngsten Vorfälle "auf dem Schirm hat", erklärt Mohr. Außerdem appelliert er an Security, Standbetreiber und Gäste, sensibler für verdächtige Vorgänge zu sein. "Seien Sie aufmerksam, aber nicht misstrauisch!", rät der Haßfurter Polizeichef.

Wegen der schwierigen Sicherheitslage aber eine Veranstaltung ausfallen zu lassen, kommt laut Thomas Fensel nicht in Frage: "Es wäre ein völlig falsches Zeichen, Feste abzusagen wegen Einzeltätern. Aber vorsichtig sind wir." Auch in Hinblick auf andere große Feste im Landkreis, etwa das Eberner Altstadtfest am vergangenen Wochenende, oder das Steinbacher Backofenfest diesen Samstag, tauschten sich Behörden und Organisatoren aus, erklärt Fensel. So habe man sich hinsichtlich der geplanten Taschenkontrollen zu dem Appell entschlossen, "dass die Veranstalter die Besucher bitten, keine Rucksäcke mitzubringen".

Beim Altstadtfest in Ebern, das gestern zu Ende ging, waren die Kontrollen bereits Usus: Sicherheitsmitarbeiter haben Taschen und Rucksäcke von Festbesuchern geprüft. Zu beobachten war, dass die kontrollierten Personen Verständnis für diese Sicherheitsmaßnahmen zeigten und sich nicht "quer stellten".

Aber auch Besonnenheit ist gefragt: "Wir werden jetzt nichts Besonderes unternehmen", sagt der Leiter der Polizeiinspektion in Ebern, Jürgen Watzlawek, im Hinblick auf die derzeitige Lage. Gleichwohl seien Polizeibeamte "noch mehr sensibilisiert". Am Mittwoch beginnt das Open-Air am Schloss Eyrichshof, die Band "Pur" tritt auf. Die üblichen Sicherheitsmaßnahmen würden so weiterlaufen, wie sie geplant worden sind. "Die Bevölkerung braucht nicht verunsichert sein. Die Lage ist unter Kontrolle."

Die Veranstalter überarbeiteten ihr Sicherheitskonzept für den Schlosshof und haben es mit der Polizei abgestimmt. "Wachleute kontrollieren jedermann und jede Handtasche. Sperrige Sachen, Flaschen oder Regenschirme dürfen nicht aufs Gelände gebracht werden. Je weniger Mann und Frau bei sich haben, desto schneller klappt der Einlass", sagt Veranstalter Herrmann Freiherr von Rotenhan, der um Verständnis bittet.

Auch das Landratsamt befasst sich mit der Sicherheitslage. Die Vorgänge "werden bei uns thematisiert", erklärt Landrat Wilhelm Schneider (CSU).

Mitarbeit an Text und bei der Rechereche: Ronald Heck, Ralf Kestel und Klaus Schmitt.
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