Gemeinfeld
Frohe Botschaft

Krebskrankes Mädchen aus Gemeinfeld ist wieder wohlauf

Vor einem Jahre schockte die Nachricht über ihre Leukämie-Erkrankung Familie und Freunde in Gemeinfeld. Danach setzte eine einzigartige Welle der Unterstützung ein.
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Merle-Alina (Zweite von links) kartet mit ihren Geschwistern Nicole, Susann, Lucca und Freunden. Fotos: Ralf Kestel
Merle-Alina (Zweite von links) kartet mit ihren Geschwistern Nicole, Susann, Lucca und Freunden. Fotos: Ralf Kestel
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In zwei Wochen wurde ein Altbau so hergerichtet, dass er keimfrei war und die Patientin heimkehren konnte.

Die Prinzessinen-Tapete über dem Bett, ein steriles Kinderzimmer. Das waren die Weihnachtswünsche der Familie der damals vierjährigen Merle-Alina, die an Leukämie erkrankt in der Kinder-Krebsklinik in Erlangen mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen musste.

Das war genau vor einem Jahr. Um der Kleinen eine Heimkehr über Weihnachten zu ermöglichen, gelang es in einer einzigartigen Hau-Ruck-Aktion vieler Helfer und Spender, den eben gekauften Altbau der Familie in ein keimfreies Heim umzugestalten. Wände wurden tapeziert, Böden verlegt, Holzdecken eingezogen.


Zweiwöchiger Kraftakt

Ein Kraftakt, wie - ein Jahr später - beim Helferfest im Sportheim des SV Gemeinfeld deutlich wurde. "Wir sind acht Wochen lange von Arzt zu Arzt gerannt. Und keiner hat's erkannt, und als ich in Erlangen die Diagnose bekam, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen", blickt Mutter Katrin (34) auf eine turbulente Zeit zurück. "Drei Tage später, und sie hätte keine Chance mehr gehabt", hat die Mutter von den Spezialisten erfahren.

Viele Sorgen wurden der Familie genommen. Von den Medizinern und von tatkräftigen Helfern, die zwei Wochen lang im Einsatz waren: 32 Handwerker, zwölf Firmen, 16 Unterstützer im Nachschub und Putzdienst sowie rund 250 Spender, wie Reinhold Klein, der Vorsitzende des SV Gemeinfeld, der die Organisation der Gesamtaktion übernommen hatte, aufzählte. Ihm zur Seite stand Dieter Suckfüll als Bauleiter. "Aus einer Notlage heraus wurde dies zum vollen Erfolg und einer supertollen Hilfsaktion", resümierte Klein, der als einstiger Berufssoldat das Organisieren und Delegieren verinnerlicht hat.

Durch viele Spenden und eine Firmenbürgschaft konnten er und seine Mitsteiter von Anfang aus dem Vollen schöpfen. "Erst haben wir eine Bauruine hergestellt und danach ganz schön gewütet."

Und er war an jedem Morgen selbst überrascht, wie viele Helfer sich auf der Baustelle einfanden. "Die Frauen sind gekommen und haben gezählt und am Mittag gab's ein warmes Essen und jeden Abend konnten wir Ergebnisse vorweisen."

Besonders erinnert sich Klein an einen Samstagmorgen, da "drei junge Kerle aus Kirchlauter auftauchten, die am Abend zuvor beim Stammtisch rumgefragt hatten, was machst Du morgen? Und um 8 Uhr standen sie auf der Matte und waren eine echte Hilfe." Auch aus Ebern und Hofheim kamen Handwerker ohne jegliche Anmeldung und packten tatkräftig mit an."


Jeden Tag in Erlangen

Die Mutter und die Patientin bekamen sie an diesen Tagen nicht zu sehen. "Ich war mit ihr nonstop in Erlangen, während sie unsere Hütte auf den Kopf stellten. Wir hatten nie daran geglaubt, dass die rechtzeitig fertig werden. Aber es kamen wildfremde Menschen als Helfer und Spenden von Leuten, von denen man noch nie etwas gehört hatte", so Katrin Popp im Rückblick.

Die Anstrengungen haben sich gelohnt. "Merle geht es gut und ist frei von Krebszellen." Zwar muss die Mutter einmal die Woche zur Nachsorge nach Erlangen fahren, um die Blutwerte zu kontrollieren und die Medikamente entsprechend einzustellen. Aber diese Last nimmt sie gerne auf sich.

"Weihnachten feiern wir heuer im Kreis der Familie, so mit acht Leuten und der Oma dabei", freut sich die Mutter, nachdem das Weihnachtsfest im Vorjahr für Stiefvater Thomas und die drei Geschwister zur Hängepartie geraten war.

Dabei war das für Dieter Suckfüll nie ein Thema gewesen. "Es hatte geheißen, am 20. Dezember muss Bauende sein, weil dann die Putzkolonne anrollt. Und daran haben wir uns gehalten."

Dabei war es zunächst nur um ein Kinderzimmer gegangen, wie Reinhold Klein bei seinem Dia-Rückblick aufzeigte. "Aber daraus ist schnell weit mehr geworden, weil Merle sollte sich ja in der ganzen Wohnung aufhalten sollte. Der Thomas (Popp) hatte damals auch nicht davon geträumt, was da auf ihn zukommt."

Parallel zu den Helfern rollte eine Welle der Hilfsbereitschaft an. Vereine und Parteien starteten Spendenaktionen, Firmen stellten Material und Sachverstand zur Verfügung und die Eltern aus dem Kindergarten, wo der schriftliche Hilferuf der Mutter die Lawine ins Rollen gebracht hatte, standen hinter der Familie, wie es laut Reinhold Klein in einer Großstadt nicht vorstellbar wäre. "Das ist halt typisch für unsere Region."

Während die Männer schufteten, kümmerte sich Sonja Suckfüll um die Finanzen. An die 60.000 Euro sind dabei zusammengekommen. Die größte Einzelspende kam mit über 5700 Euro von "Franken helfen Franken", dem Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken, der Holding unserer Zeitung.

Weil von der Spendensumme noch Geld übrig blieb, hat die Helfergemeinschaft davon einen Sparbrief für Merle angelegt. "Dann kann sie mit 18 Jahren selbst darüber entscheiden, was sie damit macht", so Sprecher Reinhold Klein.

Gute Aussichten also, auch wenn Mutter Katrin zu bedenken gibt, dass es laut den Ärzten "keine 100-prozentige Garantie gibt". Unter Tränen bedankte sich die Mutter bei den rund 60 Gästen und Angehörigen im Sportheim. Jeder bekam von der kleinen Merle-Alina persönlich ein kleines Geschenkpaket überreicht.


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