Haßfurt
Urteil

Komplizen kommen mit Auflage davon

Zu je 450 Euro wurden vom Amtsgericht Haßfurt zwei Männer verdonnert, die einen Trupp betrunkener Männer für eine Schlägerei bis zu deren Opfer fuhren.
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Symbolfoto: Christopher Schulz
Symbolfoto: Christopher Schulz
Die beiden Angeklagten (42 und 55) waren an der eigentlichen Straftat, bei der ein 38-jähriger Autohändler massiv verprügelt wurde, in keiner Weise beteiligt. Aber weil sie mit ihren beiden Fahrzeugen die aus fünf Tätern bestehende Gruppe befördert hatten, waren sie wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Vor dem Amtsgericht in Haßfurt konnten die nicht vorbestraften Männer jedoch glaubhaft erläutern, dass sie in diese Aktion nicht komplizenhaft verstrickt waren. Von daher wurde das Verfahren mit einer geringen Geldauflage von jeweils 450 Euro eingestellt.

Was war passiert? Es war der 25. September 2015, als sich in den Abendstunden in einer Autowerkstatt eher zufällig eine Gruppe von miteinander bekannten Männern zu einer gemütlichen Runde zusammenfand. Nacheinigen Flaschen Bier wurde die Stimmung immer lockerer. Irgendwann kam das Gespräch auf einen windigen "Autohök", der bei allen in der Kreide stand.


Stinksauer

Auf diesen Menschen, der sein Geld bevorzugt in Spielcasinos verjubelt und wegen ständiger Betrügereien schon x-mal verurteilt wurde, waren alle stinksauer. Und da kam einer aus der Gruppe auf die Idee, gemeinsam zum Haus des Schuldners in einem Dorf in den Haßbergen zu fahren, da dort ja vielleicht was zu holen wäre.
Man rief einen Taxifahrer und dessen Freund - die beiden Angeklagten - an, die dem Spielsüchtigen ebenfalls Geld geliehen hatten. Diese chauffierten die fünf Freunde zum Anwesen des 38-Jährigen.

Dort angekommen, stiegen die fünf aus und drangen in die Wohnung des Opfers ein. Die beiden Fahrer hingegen fuhren um die Ecke, blieben im Wagen sitzen und warteten auf ihre Fahrgäste. Dass es im Haus gehörig zur Sache ging und der säumige Zahler wiederholt mit Fäusten traktiert und am Boden liegend getreten und krankenhausreif verletzt wurde, davon bekamen die beiden Fahrer nichts mit.


In Fußfesseln vorgeführt

Interessant war die Zeugenaussage des damaligen Opfers. Er sitzt derzeit im Gefängnis und wurde in Fußfesseln von zwei Beamten vorgeführt. Er kommentierte die Abreibung, die er damals kassiert hatte, mit den Worten: "Na ja, ich hab nicht ganz zu Unrecht eins auf die Fresse bekommen."

In der Verhandlung ging es vor allem darum, was genau die beiden Beschuldigten von dem Vorhaben ihrer Fahrgäste - die in einem anderen Prozess zu Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren verurteilt wurden - wussten. Hierzu nahmen Strafrichterin Ilona Conver und Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft den Angeklagten ab, dass diese in die Tatpläne nicht einbezogen waren.

Die 450-Euro-Geldauflage muss jeder der beiden innerhalb des nächsten Vierteljahres bezahlen. Über die Einstellung des Verfahrens ohne Verurteilung freute sich vor allem der Jüngere der beiden, der ein Taxiunternehmen leitet. Er hätte ansonsten Ärger mit der Führerscheinstelle bekommen. mw
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