Laden...
Knetzgau
Verkehr

Knetzgau will "Autos teilen"

Die Gemeinde möchte ein Carsharing-Projekt einführen und denkt an eine Zusammenarbeit mit dem Verein Ökobil aus Bamberg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Stefan Paulus (links) möchte zusammen mit Georg Pelzer (rechts) vom Bamberger Verein Ökobil auch in Knetzgau Carsharing anbieten.  Foto: ps
Stefan Paulus (links) möchte zusammen mit Georg Pelzer (rechts) vom Bamberger Verein Ökobil auch in Knetzgau Carsharing anbieten. Foto: ps
Vor einiger Zeit hatte die Gemeinde Knetzgau eine Umfrage zum Thema "Carsharing" gestartet. Nachdem einige Knetzgauer Bürger Interesse an dieser Möglichkeit gezeigt hatten, sich bei Bedarf ein Auto zu leihen, lud Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD) am Donnerstag zu einem Informationsabend im Ratssaal ein. Die Besucherzahlen blieben jedoch hinter seinen Erwartungen zurück; nur acht Personen kamen.

Auf Einladung der Gemeinde informierte Georg Pelzer vom Verein Ökobil in Bamberg über das Thema. Carsharing, was auf Deutsch so viel heißt wie "Auto teilen" ist definiert als "die organisierte gemeinschaftliche Nutzung eines oder mehrerer Automobile". "Also betreibt eigentlich auch eine Familie Carsharing, wenn es weniger Autos gibt als Leute mit einem Führerschein", erklärte Pelzer.


Anbieter in vielen Städten

Mittlerweile gibt es in vielen Städten Anbieter, die ihren Kunden Autos zur Verfügung stellen. Einer davon ist der Verein Ökobil, der in Bamberg, Bayreuth und Stegaurach insgesamt 24 Fahrzeuge an 18 verschiedenen Standorten bereitstellt. Früher mussten die Kunden dafür an einer zentralen Stelle den Autoschlüssel abholen, wenn sie sich eines der Fahrzeuge leihen wollten. Außerdem mussten sie ein Fahrtenbuch führen, um später abrechnen zu können. Mittlerweile funktioniert das Projekt komfortabler: Mit der Mitgliedskarte lässt sich das Auto von außen öffnen, die Schlüssel finden sich dann im Handschuhfach des Fahrzeugs. Die Abrechnung der gefahrenen Kilometer läuft über einen Bordcomputer. Die Kosten der Nutzer setzen sich zusammen aus dem Vereinsmitgliedsbeitrag, einer Leihgebühr pro Stunde und einer Kilometerpauschale.

"Ich denke, das Modell hat Zukunft", sagte Bürgermeister Stefan Paulus und berichtete: "Meine Frau ist auch Mitglied. Wir haben deswegen unseren Zweitwagen abgeschafft."


Idee wieder verworfen

Bei der Gemeinde Knetzgau bestand eine Zeitlang die Idee, ein Auto, das die Gemeinde für Dienstfahrten der Rathausmitarbeiter gekauft hatte, außerhalb der Dienstzeiten den Bürgern zum Carsharing zur Verfügung zu stellen. Allerdings ergaben sich dabei Probleme, durch die das Projekt wieder verworfen werden musste. So hätte die Gemeinde für die Verwaltung dieses Angebots einen weiteren Mitarbeiter einstellen müssen, was zusätzliche Kosten bedeutet hätte. Außerdem ist die Nachfrage nach einem Leihfahrzeug eher tagsüber gegeben, also gerade dann, wenn das Auto von der Gemeinde selbst benötigt wird. Dazu kommt, dass es sich bei dem gemeindeeigenen Fahrzeug um ein Elektroauto handelt. Die langen Ladezeiten der Akkus hätten also die Zeit, in der das Auto den Bürgern zur Verfügung steht, weiter reduziert.


Frage des Interesses

Um den Knetzgauern dennoch eine Möglichkeit zum Carsharing zu bieten, trat Paulus mit Ökobil in Kontakt. Der Verein signalisierte, wenn sich vor Ort genug Interessenten finden, könne er in Knetzgau einen neuen Standort für ein Fahrzeug einrichten. Georg Pelzer, der im Ratssaal über das Thema informierte, ist selbst Carsharing-Nutzer und im Nebenberuf bei Ökobil angestellt. Im Hauptberuf ist er Lehrer.

Pelzer zeigte nicht nur die Vorteile auf, sondern berichtete auch, für wen Carsharing eher wenig sinnvoll sei. So könne es vorkommen, dass das Auto zu dem Zeitpunkt, zu dem es ein Kunde benötigt, bereits von einem anderen gebucht ist. Carsharing rentiere sich also vor allem dann, wenn der Nutzer lange im Voraus planen und damit auch das Auto buchen kann, oder wenn es ihm nicht darauf ankommt, ob er eine spontane Fahrt ein paar Stunden früher oder später unternimmt. Ein weiterer Nachteil sei, dass ein Nutzer das Fahrzeug immer am Stellplatz abholen und dort wieder abstellen muss, das Fahrzeug steht also im Gegensatz zum eigenen Auto nicht vor der Haustür. Als Vorteil nannte Pelzer hingegen, dass sich ein Nutzer die Suche nach einem Parkplatz sparen könne. Je mehr gefahren werde, desto rentabler werde die Anschaffung eines eigenen Autos. "Carsharing lohnt sich für alle, die weniger als 12 500 Kilometer im Jahr fahren", erklärte Pelzer. Ein beliebtes Modell bei Familien sei es, ein eigenes Fahrzeug zu haben und statt sich einen Zweitwagen anzuschaffen bei Gelegenheit auf Carsharing zurückzugreifen.
Beim Carsharing "muss ein Fahrzeug rund 1500 bis 2000 Kilometer im Monat fahren, damit es sich rechnet", berichtete Pelzer. In Bamberg rechnet der Verein mit rund 20 bis 25 Nutzern für ein Fahrzeug. Das entspricht auch etwa der Zahl an Menschen, die in der Umfrage Interesse an einem Standort in Knetzgau bekundet hatten.


Und auf den Dörfern

Kritik kam von Bürgern, die bemängelten, dieses Konzept helfe nur den Einwohnern des Hauptortes, während die Einwohner der kleineren Dörfer, die zur Gemeinde gehören, nichts davon hätten. Vielmehr sollte an einem Konzept gearbeitet werden, öfter öffentliche Verkehrsmittel zwischen den Ortsteilen verkehren zu lassen, hieß es.
Wer am Carsharing teilnehmen möchte, kann sich persönlich, telefonisch oder per E-Mail ans Rathaus wenden. Paulus kündigte an: "Wenn wir genug Leute zusammenhaben, werde ich mich wieder mit Ökobil in Verbindung setzen."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren