Zeil am Main
Integration

Knasttüren in der Kirche

Ebracher Häftlinge hatten in die Zeiler Pfarrkirche gestaltete Türen zu Zellen g mitgebracht. Den Gottesdienst hielt der Gefängnisseelsorger.
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Der Ebracher Gefängnisseelsorger und der Zeiler Stadtpfarrer beim Gottesdienst
Der Ebracher Gefängnisseelsorger und der Zeiler Stadtpfarrer beim Gottesdienst
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Einen außergewöhnlichen, beeindruckenden Gottesdienst erlebten die Gläubigen des am Sonntag in der Zeiler Pfarrkirche erleben. Zu Gast war der Gefängnisseelsorger Pfarrer Hans Lyer aus Ebrach, der zwei Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt (JVA) dabei hatte.

In der Veranstaltungsreihe des Pfarrgemeinderats zum "Jahr der Barmherzigkeit" stand diesmal das Werk "Gefangene besuchen" im Mittelpunkt. Pfarrer Michael Erhart machte deutlich, dass der Blick Jesu stets Menschen am Rand der Gesellschaft galt. Jesu Wort "Ich bin die Tür" zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst.



Echte und symbolische Türen

Pfarrer Hans Lyer spannte in seiner Predigt den Bogen von Jesu Aussage "Ich bin die Tür" zu den Türen der Haftanstalt, die bemalt und gestaltet in der Kirche zu sehen sind.
Er spannte den Bogen aber auch hin zu den rund 300 jungen Männern, die in der JVA Ebrach leben.

Der Gefängnisseelsorger versuchte, den Gottesdienstbesuchern einen Einblick in das Leben und den Alltag der Häftlinge zu geben. Die Arbeit mit Strafgefangenen sei eine besondere Herausforderung in der Pastoral. Im Wort Pastoral steckt das Wort Pastor, also Hirte, so der Seelsorger.

Doch nicht nur Hauptamtliche in der Seelsorge tätige Frauen und Männer könnten Hirte und Tür sein: "Wenn wir an Jesu Maß nehmen und das Evangelium leben, ist das wirklich eine frohe Botschaft. Wenn wir das Evangelium Jesu Christi nicht leben, dann werden unsere Sonntagsgottesdienste hohl. Jesus setzte sich zeitlebens für die schwachen und Ausgegrenzten ein. Er hatte keine Berührungsängste mit Menschen im Rande der Gesellschaft. Er setzte sich nicht mit den Schriftgelehrten, den Hohen und Großen der Gesellschaft zu Tisch, sondern mit Menschen, die alles andere als angesehen waren."

Pfarrer Hans Lyer lud ein, nach dem Gottesdienst mit den Häftlingen ins Gespräch zu kommen. Er gab bekannt, dass ein Teil der Kollekte den Häftlingen der JVA zur Resozialisierung zugute kommt. Der Gefangenenseelsorger nutzte den Gottesdienst auch, um einen Ausbildungsplatz für einen seiner Schützlinge zu finden.

Ein junger Mann, der sich im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Schreiner befindet, wird in Kürze aus der Haft entlassen. Jetzt bräuchte er einen Schreiner, der es ihm ermöglicht, seine Lehre abzuschließen und damit weg von der Kriminalität und zurück auf einen guten Weg zu kommen.

Ein Zeichen der Verbundenheit war die Verwendung von Brot, das Strafgefangene in Ebrach gebacken hatten. Nach dem Gottesdienst nahmen die Gläubigen zahlreich das Angebot zum Gespräch wahr und gingen auf die Häftlinge zu.

Die Ausstellung der bemalten und gestalteten Zellentüren wird noch bis Mitte November in der Zeiler Pfarrkirche zu sehen sein. Weitere Angebote des Zeiler Pfarrgemeinderats zum "Jahr der Barmherzigkeit" wird das Kirchenkino zum Thema "Barmherzig sein - Nackte kleiden" am kommenden Sonntag sein sowie der Gottesdienst am 20. November um 8.30 Uhr in der Ziegelangerer Pfarrkirche zum Thema "Hungrige speisen - Durstige tränken".



Gemischtes Echo

Pfarrer Michael Erhart berichtete beim Abendgottesdienst am Käppele von zahlreichen Rückmeldungen, die ihn nach dem Gottesdienst mit den Häftlingen und dem Gefängnisseelsorger erreichten. Noch nie zuvor sei nach einem Gottesdienst so viel Feedback gekommen. Dabei war die Bandbreite von Lob und absoluter Zustimmung bis zum "Seid ihr verrückt, solche Leute in die Kirche zu holen, gerade wenn Kinder da sind" sehr breit gefächert.
Pfarrer Erhart war betroffen von mancher Reaktion. Sicher habe jeder von den Männern, die in der JVA Ebrach einsitzen, einiges auf dem Kerbholz, aber jeder von ihnen habe auch eine zweite Chance verdient. Der Seelsorger erinnerte daran, wie Jesus mit Menschen umging und sprach die Hoffnung aus, dass immer mehr Menschen ein Leben nach Jesu Vorbild gelingt.

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