Ebelsbach
Leidenschaft

Klettern ist immer eine Gratwanderung

Der Altenpfleger und Hobby-Filmer Dennis Fuchs aus Ebelsbach hat nun nach mehreren Kurzdokumentationen einen 80-minütigen Film gedreht.
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Dennis Fuchs beim Filmen des Sonnenaufgangs am Kehlsteinhaus. Auf der Kamera ein selbstgebauter Windschutz. Foto: Nach Oben Film
Dennis Fuchs beim Filmen des Sonnenaufgangs am Kehlsteinhaus. Auf der Kamera ein selbstgebauter Windschutz. Foto: Nach Oben Film
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Es war der 5. Juli. Nachts um drei Uhr brechen die Freunde Enrique John, Dennis Fuchs und Kevin König von ihrem Hotel in Berchtesgaden auf. Das Ziel der Hohe Göll - mit 2522 Metern der höchste Gipfel im Göllmassiv am Ostrand der Berchtesgadener Alpen. Doch es ist nicht nur eine Klettertour unter Freunden, sondern gleichzeitig der Stoff für einen neuen Film von Dennis Fuchs - und das in Spielfilmlänge.



Im Juli 2015 kamen die drei, die sich über ihre Arbeit im Altenheim in Eltmann kennengelernt haben, auf die Idee, gemeinsam den Hohen Göll zu besteigen. Also warum, keinen Film daraus machen? Gesagt, Getan. Im Oktober letzten Jahres begann die Vorbereitung für das Projekt, im sportlichen als auch im Film-Bereich.


Der Film thematisiert schließlich alles - von der Vorbereitung bis hin zur Tour. "Die Idee war, das Hauptaugenmerk auf die Charaktere zu richten und den Berg als Bühne zu nutzen", meint Dennis Fuchs.


Individuelle Vorbereitung

Bereits die Vorbereitung hielten die Kletterer fest - und das jeder auf seine Weise. "Ich habe am Staffelberg trainiert, da ich dort öfters mit meiner Freundin bin. Das passt zu mir", so Fuchs. Kevin König, der eher der Sportkletterer ist, hat in der Kletterhalle in Forchheim trainiert. Und Enrique John, der aus Kirchlauter kommt, beim Veitenstein. Alles sollte authentisch sein. Genau so wie die Aufnahmen von der Tour. "Es ist keine feste Story dahinter, das ist alles so passiert", erklärt der 32-jährige Altenpfleger.

Der Aufstieg zum Hohen Göll zählt bei Kletterern zu den leichteren Touren. Und das haben sich die Kletterer bewusst ausgesucht. "Tourvideos gibt es en masse. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, eine einfache Tour ästhetisch darzustellen."

Zwei Wochen vor Abfahrt nach Berchtesgaden stand die komplette Tour auf der Kippe. "Enrique hatte seine Arbeitsstelle gewechselt und musste lange kämpfen, bis er wenigstens drei Tage frei bekommen hat", sagt Fuchs. Geplant war eine Woche. Der Zeitplan wurde kritisch. "Du kannst so lange planen, wie du willst, wenn an den drei Tagen, wo wir die Tour machen konnten, das Wetter schlecht ist, fällt alles ins Wasser", so Fuchs.

Doch sie hatten Glück. Sie suchten sich für ihre Tour den Dienstag aus, und alles hat gepasst. "Es kamen Sachen dazu, die wir vorher nicht im Kopf hatten. Für den Film perfekt", sagt Fuchs. Beim Aufstieg ging es Kevin plötzlich nicht mehr so gut, er hat lange überlegt, ob er die Tour weiter macht. "In dem Moment sind hinter uns dunkle Wolken aufgezogen. Als wir nach einer Pause doch alle weitergegangen sind, kam am Gipfel die Sonne raus", erzählt der 32-Jährige.


In einem Monat zum fertigen Film

Mit dem Ergebnis sind die Jungs zufrieden, auch wenn der Ton ein gewisses Grundrauschen hat, da er nur mit dem Mikrofon der Kamera aufgenommen wurde. "Aber das wäre anders gar nicht gegangen", meint Fuchs.
Nach der Tour im Juli setzte sich Dennis Fuchs gleich an den Computer in seiner neuen Wohnung in Ebelsbach und hat den Film zusammengeschnitten. Die Vorbereitung, Interviews, Bilder von der Tour und natürlich der Soundtrack, den Dennis Fuchs extra für den Film gemacht hat: Daraus machte er einen 80-minütigen Kletterfilm. Am 5. August erschien der Film "Gratwanderung" dann auch auf dem Videokanal Youtube.

Doch warum "Gratwanderung"? "Das Projekt und die Tour war alles eine Gratwanderung", meint Fuchs. Besonders nah ging den Kletterern ein Vorfall, der zwei Tage nach ihrer Tour passierte.

Sie entspannten gerade an einem See, als ein Rettungshubschrauber über sie hinweg flog in Richtung Hoher Göll. Genau dort, wo die Jungs zwei Tage vorher unterwegs waren, ist eine Frau abgestürzt. "In dem Moment ist uns bewusst geworden, wie schnell man auf die andere Seite des Grats rutschen kann", meint Fuchs. Trotz mehrfacher Absicherung bleibe ein Restrisiko, welches das Klettern immer zu einer Gratwanderung macht.
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