Haßfurt
Gesundheit

Kleine Kliniken stehen auf der Kippe

50 Mitarbeiter des Haßfurter Krankenhauses protestierten am Mittwoch gegen die geplante Krankenhausreform. Sie befürchten, dass die Haßberg-Kliniken damit noch weiter in die roten Zahlen rutschen. 2016 werden Weichen neu gestellt.
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Mit dem Plakat "Schluss mit dem Kaputt-Sparen", roten Karten und Luftballons (als Zeichen, dass den Krankenhäusern die Luft ausgeht) demonstrierten Mitarbeiter der Haßfurter Klinik gegen die geplante Krankenhausreform. Mit im Bild, von links: Haßfurts Bürgermeister Günther Werner, Landrat Wilhelm Schneider und der Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck.  Fotos: Klaus Schmitt
Mit dem Plakat "Schluss mit dem Kaputt-Sparen", roten Karten und Luftballons (als Zeichen, dass den Krankenhäusern die Luft ausgeht) demonstrierten Mitarbeiter der Haßfurter Klinik gegen die geplante Krankenhausreform. Mit im Bild, von links: Haßfurts Bürgermeister Günther Werner, Landrat Wilhelm Schneider und der Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck. Fotos: Klaus Schmitt
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Es ist ein Beispiel und macht das Dilemma der Haßberg-Kliniken deutlich: Seit einigen Jahren unterhalten die beiden Krankenhäuser Haßfurt und Ebern eine Notfall-Ambulanz, die vor allem am Wochenende rege genutzt wird. Für jeden Fall, der dort behandelt wird, laufen bei den Haßberg-Kliniken, die die drei Häuser Haßfurt, Ebern und Hofheim betreiben, Kosten von 120 Euro auf. Erstattet von den Krankenkassen bekommen die Haßberg-Kliniken aber nur 30 Euro. Das sind 90 Euro Defizit.

Und so geht es den Kliniken wie anderen, vor allem den kleineren Krankenhäusern in vielen Bereichen. Sie schreiben rote Zahlen und machen Schulden.

Der Landkreis als Träger und das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken setzten daher auf die angekündigte Krankenhausreform. Deren erster Entwurf liegt jetzt vor, aber er ist nicht der große Wurf.
Im Gegenteil: Die angekündigte Reform dürfte die Situation vor allem für die kleinen Häuser eher verschärfen als verbessern.

Es ist kein Trost, aber viele Kliniken sitzen in der gleichen Falle. Deshalb protestierten die Mitarbeiter am Mittwoch bundesweit gegen die geplante Reform. Unter dem Motto "So nicht" zeigten Ärzte, Pflegekräfte und Politiker der Reform die Rote Karte. In Haßfurt nahmen am Mittwoch rund 50 Mitarbeiter teil.

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und der Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck, nahmen kein Blatt vor den Mund. Mit teilweise harschen Worten rügten sie den Reformentwurf. Er setze die wohnortnahe Krankenhausversorgung aufs Spiel, warnte Schneider. "Wir brauchen eine Krankenhausreform", sagte der Landrat. "Aber so eine nicht." Er fordert Nachbesserungen.

Kolck machte deutlich, dass die "Stimmung in deutschen Krankenhäusern schlecht ist". Die Mitarbeiter in den Kliniken helfen den Patienten, "aber die Politik lässt uns im Stich." Statt die Kliniken zu unterstützen, werde weiteres Geld entzogen.

Die Haßberg-Kliniken hatten bis 2012 schwarze Zahlen. Dann rutschten sie ins Minus. Und die roten Zahlen werden immer alarmierender. Für 2015 dürfte ein Verlust von knapp drei Millionen Euro auflaufen.

Die Einnahmenseite bezeichnet Schneider als positiv, aber auf der Ausgabenseite laufen die Kosten davon. Neben den Defiziten bei den Notfall-Ambulanzen gleichen die Kostenträger die Kostensteigerungen bei den tariflichen Löhnen der Mitarbeiter nicht aus. Aber "wir müssen und wollen Tarif bezahlen", versicherte Kolck, der auch keinen Zweifel daran ließ, dass die Haßberg-Kliniken die Notfall-Ambulanzen weiter betreiben.

Was tun? Der Kreis und das Kommunalunternehmen kündigten an, dass Maßnahmen ergriffen werden, um das Problem in den Griff zu bekommen. Welche das sein werden, wurde am Mittwoch nicht bekannt. "Ich kann noch nicht sagen, wann und wie die Gegenmaßnahmen eingeleitet werden und wie sie aussehen", sagte der Landrat. Jedenfalls sollen 2016 die Entscheidungen fallen, und 2016/Anfang 2017 "werden wir spätestens Maßnahmen ergreifen."

Könnte darunter auch die Schließung eines der drei Häuser im Landkreis sein? Wohl eher nicht. Schneider erklärte: "Wir denken nicht an die Schließung eines Hauses."

Oder muss Personal abgebaut werden? Wohl auch nicht. Kolck betonte: "Wir sind interessiert an einem guten Mix aus Mitarbeitern - qualifiziert, jung, alt."


Bereitschaftspraxis kommt

Die zentrale Bereitschaftspraxis für den gesamten Landkreis Haßberge kommt. Sie soll im Februar des kommenden Jahres am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken eröffnet werden, kündigte Landrat Wilhelm Schneider bei der Protestaktion gegen die geplante Krankenhausreform in Haßfurt an. Er erhofft sich dadurch eine Win-Win-Situation: Sowohl die Patienten als auch die Ärzte (niedergelassene Mediziner und Krankenhaus-Ärzte) und die Haßberg-Kliniken profitieren.

Sicher ist, wie der Landrat betonte, dass die Bereitschaftspraxis nach Haßfurt kommt. Der Wunsch von Bürgern aus dem östlichen Landkreis, eine zweite Bereitschaftspraxis in Ebern einzurichten, ist nicht erfüllbar. Die Kassenärztliche Vereinigung ist laut Landrat gegen zwei Standorte.

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