Haßfurt
Kabarett

Kabarettist Matthias Egersdörfer kommt vom Banalen in die Welt der Fantasie

Der Kabarettist Matthias Egersdörfer eroberte mit seinem schrägen Stil bei seinem Auftritt in Haßfurt rasch die Herzen der Zuhörer. Dazu passte genial das Tubaspiel seines Begleiters Heinrich Filsner.
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Der Kabarettist Matthias Egersdörfer und der Tubaspieler Heinrich Filsner waren beim Kulturamt Haßfurt in der Rathaushalle zu Gast.
Der Kabarettist Matthias Egersdörfer und der Tubaspieler Heinrich Filsner waren beim Kulturamt Haßfurt in der Rathaushalle zu Gast.
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"Er ist der Hammer aus Mittelfranken, er ist einfach genial." In diesen Worten von Carsten Melcher aus Haßfurt schwingt Begeisterung mit. Begeisterung für den Kabarettisten Matthias Egersdörfer, der zusammen mit dem Tubisten Heinrich Filsner beim Kulturamt Haßfurt in der Rathaushalle in Haßfurt auftrat und sein Publikum mit einem ganz besonderen, trockenen Humor überzeugte.

"Ich finde es toll, wie emotional und damit anspruchsvoll Matthias Egersdörfer auftritt", erklärt Carsten Melcher seine Freude über das Programm "Mündlich" des Kabarettisten. "Was er erzählt, meint er auch so." Besonders gefallen hat dem Besucher des Kabarettabends, dass die Themen aus dem Leben gegriffen sind. "Die Musik von Heinrich Filsner wiederum passt gut dazu, weil sie einzigartig ist", sagt Carsten Melcher. "Ich werde auf jeden Fall wieder kommen, wenn die beiden auftreten."

Banale Geschichten

Ja, der 2010 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis prämierte Kabarettist aus Lauf an der Pegnitz hat seinen eigenen Stil und Humor. Er kommt auf die Bühne, zieht sein grantigstes Gesicht und beginnt, in seinem heimatlichen Dialekt zu erzählen. Ganz banale Geschichten von seiner Geburt, aus seiner Kindheit, in der Langeweile, eine Rutsche in einem Modehaus, Karamalz und Dany mit Sahne eine Rolle spielten. Geschichten über die langsamste Rolltreppe der Welt, auf der man einen kompletten Beischlaf samt Vorspiel und Diskussion darüber, wo das eben vielleicht gezeugte Kind einmal zur Schule gehen soll, ausüben kann. Über Magenwinde, die man beim ersten Treffen besser unterdrückt, die aber später, in Anwesenheit des Partners entlassen, vom großen gegenseitigen Vertrauen zeugen. Oder darüber, dass man seinen Kindern zumindest beibringen sollte, ordentlich zu grüßen.

In Fantasiewelten

Dabei wechselt er immer wieder vom lockeren Erzählen ins aufgeregte, cholerische Gebaren, für das er so bekannt ist. Daneben aber sind seine lebendigen Schilderungen seine große Stärke. Mit geradezu poetischen Worten entführt er sein Publikum in Fantasiewelten, erregt Emotionen und erzeugt Spannung, um dann ganz banal in der Realität zu landen.

Gespannt hingen die Zuschauer in Haßfurt an seinen Lippen, während er mit ihnen Katz' und Maus spielte und bei ihnen Erinnerungen an selbst Erlebtes weckte. Dabei ließ er seinen Tuba spielenden Partner Heinrich Filsner (fast) links liegen. Der wiederum verzog keine Miene und starrte mit einem treuen Hundeblick ins Publikum, bis er an der Reihe war. Dann hob er das große Instrument an die Lippen und spielte, kombiniert mit Drum-Computer oder unter Verwendung von selbst eingespielten, endlos wiederholten Tonsequenzen oder einem elektronisch erstellten Hall Eigenkompositionen skurriler Art oder Variationen von bekannten Stücken wie dem "Blue Monk" von Thelonius Monk oder "Smoke on the water" von Deep Purple.

Reaktionen der Zuhörer

"Derb und schräg" lautete das Urteil von Wolfgang Voit aus Wonfurt, der sich ganz ahnungslos auf das "Abenteuer" eingelassen hatte. "Matthias Egersdörfer hat einen ganz eigenen Humor, der einen gewissen Charme aufweist. Er ist nicht witzig im üblichen Sinn, aber interessant und nie langweilig. Vor allem liegt er mit seinen Geschichten immer neben den eigenen Erwartungen", sagt der Wonfurter, "und die Musik, die ebenso schräg ist, passt gut dazu."

Gunter Düring aus Haßfurt hat besonders das Minenspiel der beiden Künstler gefallen. Außerdem gibt er an: "Mich faszinieren die typisch fränkische, etwas plumpe, aber dennoch hintersinnige Art von Egersdörfer und seine Stimmungswechsel von der angenehmen Unterhaltung bis zum Aufbrausen."

Auch er war der Meinung, dass der extravagante Musikstil von Heinrich Filsner wunderbar mit der Ausdrucksform des Kabarettisten harmoniert. So bedachte er wie die anderen Zuhörer die Akteure mit viel Beifall.
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