Haßfurt
Amtsgericht

Justizia schaut bei diesem Fall in Haßfurt genau hin

Das Verfahren um einen 40-Jährigen zieht sich hin. Lässt sich die bei ihm gefundene Minimenge Heroin überhaupt noch konsumieren? Auch stellte sich am Rande die Frage, warum der Mann überhaupt zehn Monate in Haft musste.
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Foto: Arne Dedert dpa/lhe
Foto: Arne Dedert dpa/lhe
Ein 40-jähriger Forstwirt aus dem Steigerwald saß wegen eines Vergehens nach dem Betäubungsmittelgesetz auf der Anklagebank des Amtsgerichts Haßfurt. Er war den Ermittlern kein Unbekannter, hatte schon mehrmals mit Betäubungsmitteln zu tun.


Wie viel war es denn nun genau?

Das Problem was sich dem Gericht im Laufe der Verhandlung bot, war, dass die Menge Betäubungsmittel, die zu diesem Verfahren geführt hatte, unverständlicher Weise nicht konkret benannt werden konnte. Das Verfahren wurde deshalb von Richterin Ilona Conver ausgesetzt, Nachermittlungen wurden angeordnet.

Die Krux: Der Angeklagte saß zehn Monate in Haft, was für seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Stefan Wagner, abstrus war. Auch die Richterin schien angesichts der geringen Menge, die bei einer Durchsuchung beim Angeklagten gefunden wurde, etwas genervt.


Sie hätte im Vorfeld das Verfahren gerne eingestellt, aber die Staatsanwaltschaft habe da nicht mitgezogen. "Ohne die Zustimmung der Staatsanwaltschaft kann ich im Vorfeld das Verfahren nicht einstellen, und ich halte es für einen Zinnober. Manchmal begreife ich das nicht. Es ist auch nicht sachgerecht, dass der Angeklagte bereits zehn Monate einsitzen musste", sagte die Strafrichterin.

Der 40-Jährige hatte bereits zwei Mal mit einer Justizvollzugsanstalt Bekanntschaft gemacht. Die Anklagevertreterin der Staatsanwaltschaft, Referendarin Julia Rebhan, hatte ihm vorgeworfen, eine verbotene Waffe (Wurfstern) gehabt zu haben. Stefan Wagner meinte, dass es sich bei dem Heroin, das bei seinem Mandanten bei einer Personenkontrolle sichergestellt worden sei, um eine "nicht mehr konsumierbare Menge" handle und auch das Gewicht variiere. 0,22 Gramm sollen es laut Anklage gewesen sein. Die Polizisten sagten hingegen als Zeugen aus, 0,1 Gramm gewogen zu haben - mit oder ohne Verpackung könne nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden. Mit einer "ökonomischen Verfahrenseinstellung" wäre er einverstanden, erklärte der Verteidiger. Da Rebhan nicht zustimmte, setzte die Richterin das Verfahren aus. Ein Gutachten über die Konsumtauglichkeit der Heroinmenge soll eingeholt, das genaue Gewicht festgestellt werden.
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