Ebelsbach
Bildung

Jasmin will nach China

Die 15-Jährige aus Ebelsbach hat sich etwas in den Kopf gesetzt. Bei einem Wettbewerb winkt als Preis ein Flug in das "Reich der Mitte". Und nun lernt die Gymnasiastin eine Sprache, die es in sich hat. Ihre Hausarbeit gehört schon zu den besten.
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"Ich will nach Peking", hat Jasmin Schmitt auf ihr Blatt geschrieben. Die Chancen für die 15-jährige Ebelsbacherin, die bereits einmal mehrere Wochen in Chinas Hauptstadt weilte, sind jedenfalls gestiegen. Jasmin hat erfolgreich die erste Runde beim "Bundeswettbewerb Fremdsprachen" (BWFS), dem "Ostasienwettbewerb/Chinesisch", gemeistert. Mitte September findet in Wolfsburg die zweite Runde statt. Foto: Ralf Naumann
"Ich will nach Peking", hat Jasmin Schmitt auf ihr Blatt geschrieben. Die Chancen für die 15-jährige Ebelsbacherin, die bereits einmal mehrere Wochen in Chinas Hauptstadt weilte, sind jedenfalls gestiegen. Jasmin hat erfolgreich die erste Runde beim "Bundeswettbewerb Fremdsprachen" (BWFS), dem "Ostasienwettbewerb/Chinesisch", gemeistert. Mitte September findet in Wolfsburg die zweite Runde statt. Foto: Ralf Naumann
Wer ist oder war Li Hongzhang? Li Hongzhang war laut Wikipedia "ein chinesischer General, der mehrere größere Rebellionen beendete. Als ‚Vizekönig von Zhili' war er einer der mächtigsten Staatsmänner im China der späten Qing-Zeit und betreute zahlreiche Reformen zur Modernisierung des Landes." Dass eine 15-jährige Schülerin über den 1901 verstorbenen Militärführer eine Hausarbeit verfasst, ist eher ungewöhnlich. Jasmin Schmitt aus Ebelsbach hat trotzdem fleißig und vor allem freiwillig geschrieben.

Ihr Einsatz hat sich gelohnt. Sie punktete beim "Bundeswettbewerb Fremdsprachen" (BWFS), konkret beim "Ostasienwettbewerb/Chinesisch". Der richtet sich an Schüler, die Kenntnisse der Sprache, und seien es nur geringe, in maximal eineinhalb Jahren erworben haben. "Es spielt keine Rolle, chinesisch perfekt zu beherrschen, wie es in sonstigen Sprachwettbewerben üblich ist", erklärt Jasmin, die am E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium in Bamberg neben Englisch und Latein auch Chinesisch lernt. Es gehe vielmehr darum, sich für die Sprache zu interessieren und sich mit dem Land auseinanderzusetzen. Vor einem Jahr war das Mädchen bereits einmal im "Reich der Mitte". Nun will sie nach ihren unglaublichen Eindrücken "unbedingt wieder hin." Und jetzt kommt's: Der Hauptpreis des BWFS ist eine fünfwöchige Reise nach Peking, in Kooperation mit der chinesischen Botschaft.

"Für diesen Preis würde ich alles tun", lacht die Ebelsbacherin und erklärt die Besonderheit: "Man lernt dabei China aus den Augen eines Studenten näher kennen. Man ist auf dem Campus der Universität untergebracht und nimmt an Seminaren und Kursen teil, in denen man die Sprachkenntnisse in Chinesisch verbessern kann und lernt Peking durch Ausflüge an typische Orte näher kennen."
Es wäre für sie "wirklich sehr interessant, China im alltäglichen Leben aus der Perspektive fast gleichaltriger Jugendlicher kennenzulernen."

Auf Chinesisch beschreiben

Die Chancen stehen nicht schlecht, denn Jasmin Schmitt hat mit ihrer Hausarbeit über Li Hongzhang sowie bei weiteren Prüfungsthemen die Jury überzeugt. Da musste sie beispielsweise auch einige gesprochene Sätze aus dem Lehrbuch auf Chinesisch aufnehmen sowie einen handgeschriebenen Text von zehn bis 15 Sätzen in Schriftzeichen fertigen, in dem sie sich selbst beschreibt.

Das Fazit: Jasmin ist unter den besten zehn Prozent der Teilnehmer. Sie wurde zur zweiten Runde vom 14. bis zum 16. September nach Wolfsburg eingeladen. Die Prüfung dort dauert 30 Minuten und besteht aus zwei Teilen: Jasmin Schmitt muss zum einen Fragen zu ihrer Hausarbeit beantworten. Dann geht es um ihre Sprachkenntnisse. "In einem Gespräch auf Chinesisch werde ich zum alltäglichen Leben, zu meiner Familie, der Schule, meinen Hobbys befragt. In diesem Teil muss ich sprechen, Texte lesen, übersetzen und die Schriftzeichen schreiben können", sagt sie und fügt hinzu: "Wichtig ist, dass keine perfekten Sprachkenntnisse erwartet werden, denn es geht darum, sich für Chinesisch zu interessieren, und sich zu trauen, eine solch ‚exotische' Sprache zu lernen."

Was ist so faszinierend?

Eine Frage bleibt aber noch: Warum interessiert sich die 15-Jährige so sehr für das Land und die Sprache? "Chinesisch ist einfach anders. Das ist Fakt", betont sie. Dies sei "wahrscheinlich auch der Grund, weshalb viele Menschen sich etwas abgeneigt fühlen, wenn sie die ersten Kontakte mit Chinesisch haben." Ganz anderes bei Jasmin.

Sie hat aufgrund ihrer intensiven Auseinandersetzung "viele Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen Sprachen und chinesisch" entdeckt. Es gebe beispielsweise grammatikalische Konstruktionen, die es entsprechend im Lateinischen gibt. "Chinesisch zieht einen in einen Bann, der einen nicht mehr loslässt. Mich fasziniert ganz besonders die Einfachheit in der Sprache." Viele Satzkonstruktionen seien viel einfacher als im Deutschen ausdrückbar.

"Außerdem finde ich den Klang von ‚Hanyu‘, das ist die gesprochene chinesische Sprache, sehr schön und harmonisch." Eine Besonderheit, die sie vor allem von ihrer musikalischen Seite als Klarinettistin her begeistert ist, dass es vier Töne in der chinesischen Aussprache gibt, die notwendig sind, um die Sprache zu verstehen. Bei der Verwechslung von Tönen könne somit aus der ‚Mutter‘ das ‚Pferd‘ werden oder aus ‚Schnaps‘ ‚100 Bier‘.

Singsang macht Spaß

"Es ist also immer wieder eine Herausforderung, tonale und somit musikalische Phänomene zu berücksichtigen, die aber absolut Spaß macht." Trotz allem glaubt Jasmin Schmitt nicht daran, ihre Leidenschaft später einmal beruflich zu nutzen. "Chinesisch ist ein sehr großes Hobby von mir, und dieses Hobby ist durch die Lockerheit geprägt", macht sie deutlich. Berufsbilder, die mit chinesisch zusammenhängen, wären ihrer Meinung hauptsächlich mit Schreibtischarbeit verbunden. "Das möchte ich später auf keinen Fall machen. Ich möchte einen Beruf mit Action, Herausforderung, Abwechslung und ein klein wenig Risiko." In der chinesischen Sprache dagegen möchte sie sich "nur" weiterentwickeln und das Außergewöhnliche genießen.

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