Ebelsbach
Kuba

In der Welt des Gegensatzes

Die Reisegruppe "Mit der Union durch Europa" erweiterte ihr geschichtliches und politisches Wissen durch den Sprung über den großen Teich.
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Für ihre Chilis und Tomaten aus ihrem Garten hofft die Bäuerin auf einige Pesos. Fotos: Günther geiling
Für ihre Chilis und Tomaten aus ihrem Garten hofft die Bäuerin auf einige Pesos. Fotos: Günther geiling
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Kuba boomt wie kaum ein anders Fernreiseziel. Auch die Reiseguppe "Mit der Union durch Europa" lockte der Sprung über den großen Teich zu einer nicht alltäglichen Bildungsreise, bei der auch die schönen und erholsamen Momente nicht fehlten. Reiseleiter Günther Geiling hatte die zwölftägige Rundreise akribisch geplant und stellte prächtige Kolonialstädte, Tabak- und Zuckerrohrgebiete, die kontrastreiche Natur des Escambray-Gebirges aber auch politische Aspekte in den Blickpunkt, Der Golf ist nicht nur ein karibischer Traum, stellten die Franken fest.


Mit gemischten Gefühlen

Die "Traumreise" in eine nahezu in der Zeit stehen gebliebene Welt löste gemischte Gefühle aus. Die Skepsis löste sich auf kubanischem Boden bald aus: Wunderbar ist die Altstadt von Havanna mit ihren wunderschön restaurierten Plätzen rund um die Kathedrale und die Festung "Fortaleza El Morro San Carlos". Die Fahrt in Oldtimer-Cabrios über die berühmte Uferpromenade des Malecon war unbeschreiblich: TÜV-Plakette in der Scheibe, aber funktionsloser Tacho, klemmende Türen - und bei Kopfstützen oder Sicherheitsgurten Fehlanzeige

Die Kubaner kokettieren mit ihrer Familie Castro: In einem renovierten Luxuspalast aus den 30er Jahren mit Blick aufs Meer und den Malecon begrüßte ein Herr Raul die Franken, die erstmals infiziert wurden vom kubanischen Musikfieber. Musik ist nämlich allgegenwärtig, Musikgruppen begleiten jedes noch so kleine Essen und natürlich erhofften sich die Musiker davon auch ihren Lohn.

In dieser Musik liegt die Lebensfreunde der Menschen, die sich oft in bewundernswerter Weise mit ihren schwierigen Lebensbedingungen arrangieren, wie die Besucher sahen. Sie trafen neben herrlicher Natur und malerischen Straßenzügen auf Menschen, die acht Euro Rente oder einen Monatslohn von 20 Euro erhalten und ihren Lebensunterhalt mit Lebensmittelmarken betreiten mussen, mit denen die meisten nicht auskommen. An Straßenecken stehen Menschen für Lebensmittel an, Frauen bettelten die Franken um Hygiene-Artikel an. Das normale Fortbewegungsmittel ist der Pferdekarren, den man sogar auf der Autobahn antrifft.

Am Sonntag geht es damit mit der ganzen Familie zum Friedhof. Autos sind für den normalen Kubaner unerschwinglich. Reiseführerin Yara meinte: "Wenn ich mir ein solches kaufen wollte, müsste ich ja vier Leben haben."

Mit eigenen Augen sahen die Besucher, warum die Kubaner als "Überlebenskünstler" gelten. Im sozialistischen System hieß es bei den Bauern: "Wenn ich schon 90 Prozent an den Staat abgeben muss, dann behalte ich für mich wenigstens 30 Prozent. Schließlich bin ich auch Mathematiker." Die Kubaner sind clever: Ein Obstbauer an der Straße, bei dem die Reisegruppe so viele Mango, Kokosnüsse und Ananas verzehren durfte, wie sie wollte, verlangte keinen einzigen CUC (Touristenwährung). Er wünschte sich nur eine Spende. Wahrscheinlich fuhr er damit viel besser.


Vieles ist nur Fassade

Vieles ist in Kuba übertüncht, nur Fassade. Havannas kleiner Altstadtkern hat ein Viertel im Zuckerbäckerstil zum Vorzeigen, dahinter liegen Mietshäuser, bei denen es sich die Franken kaum vorstellen konnten, dass darin jemand wohnt. Reiseleiterin Yara meinte etwas traurig "Ich liebe mein Havanna, aber vieles ist nicht mehr zu reparieren." Die Besucher erfuhren von der Hoffnung, dass es einmal anders wird.

Inzwischen dürfen die Kubaner Zimmer vermieten und kleine Restaurants führen, eines besuchte man zum Mittagessen, und Familie mit Sohn zerriss sich förmlich vor Gastfreundschaft. Ihren O-Ton übersetzte Vara; "Kubaner kommt zu uns kein einziger, denn er kann sich das ja gar nicht leisten. Wir sind deswegen auf Touristen angewiesen." Hingerissen waren die Franken von einem Stadtviertel, das Jose Fuster gestaltete, der "kubanische Gaudi".

Viele weitere tolle Eindrücke nahmen die Franekn mit, etwa draußen im "Valle de Vinales" und in Pinar del Rio, der Tabakhauptstadt. Bei einer Bootsfahrt durch die Indianerhöhle "Cordillera de Guaniguanico" begeisterte den früheren Lehrer Günther Geiling eine Schulklasse. Dem Frankenlied der "Haßbergler" kam das Echo der Schülern mit "Que sera" entgegen.

Die Rundfahrt führte weiter nach Cienfuegos mit dem historischen Stadtzentrum, das die UNESCO zum Weltkulturerbe erhob. Auch von der Fußgängerzone und ihren Einkaufsmöglichkeiten war man ganz überrascht. Der Höhepunkt war die Bootsfahrt durch die Bucht, die mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang endete.
Weiter ging es nach Trinidad mit der Kirche "Plaza Mayor", in welcher Michael Bauer die Orgel anschmiss und die Reisegruppe mit ihren Liedern bald Kubaner anlockte. Der Bummel durch die Altstadt mit vielen Ständen und Marktbuden gefiel allen sehr.

Eine Fahrt durch Kuba erfordert Flexibilität. An einem Tag, warteten die Franken vergeblich auf ihr Transportmittel, Militär-Lkw für die Fahrt ins Escambray-Gebirge. Aber Busfahrer Roel schaffte es, durch "schweres Gelände" zu kommen.

Ganz anders die Fahrt durch das "Valle de los ingenios" (Zuckermühlental) mit dem Sklaventurm, von wo aus man früher die Sklaven bei ihrer Arbeit beobachtete. Die Sklavenarbeit "schmeckten" einige, als sie mit der Hand eine Zuckermühle drehten und dabei sichtlich außer Puste kamen.

Die Rundreise wäre unvollständig gewesen, wenn man nicht auch in Sancti Spiritus Halt gemacht hätte. Hier machte man sich nämlich auf die Spuren von "Che" mit dem Monument und Mausoleum des Revolutionärs Ernesto Che Guevara ("Immer bis zum Sieg"). Hier erfuhren alle viel von der kubanischen Geschichte und über die neuere Zeit mit Fidel Castro und seinem Bruder Raul.


"Ich habe Hoffnung"

Der Gruppe fiel es außerordentlich schwer, ihre Reiseleiterin Yara zu verabschieden. Die Frau hatte sich mit ihrem Temperament, ihrer Musikalität und ihrem tänzerischen Können so eingebracht, dass sogar die Tränen flossen. Dazu passte ihr Satz "natürlich ist die Welt nicht Kuba, aber auch wir möchten an dieser Welt teilnehmen. Ich habe die Hoffnung, aber nicht allein wegen der USA."

Dass auch die Deutschen willkommen sind, spürte man im Hotel "Mercure Playa del Oro" auf dem Traumstrand mit weißem Sand und smaragdgrünem Meer in Badewannentemperatur. Die Reisegruppe durfte nun etwas "chillen" und bekam am Ende ein "Lobster-Essen". Auf dem Rückflug wurden schon die nächsten Reisepläne geschmiedet, unter denen Südafrika oder New York an der Spitze lagen, aber in Europa auch Amsterdam ins Auge gefasst werden soll.



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