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Natur

In den Wiesen lauert der Kitz-Tod

Landwirt Manfred Schmitt aus Limbach setzt auf die Zusammenarbeit mit seinem Jagdpächter, um junge Rehe vor dem Mähwerk zu schützen. Der Vorsitzende der Jägervereinigung Hofheim, Elmar Brückner, sieht das als beste Möglichkeit.
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Dieses kleine Kitz hatte Glück: Franz Schmitt entdeckte es, als er mit seinem Vater Manfred Schmitt die Wiese mähte.  Foto: Franz Schmitt
Dieses kleine Kitz hatte Glück: Franz Schmitt entdeckte es, als er mit seinem Vater Manfred Schmitt die Wiese mähte. Foto: Franz Schmitt
"Du kannst machen, was du willst, du siehst sie einfach nicht", beklagt Manfred Schmitt, Bio-Landwirt aus Limbach. Schon seit Jahren sucht der 60-Jährige nach Lösungen, wie er die kleinen Rehkitze auf seinen Wiesen schützen kann. Oft fallen sie dem Mähwerk zum Opfer. "Die Alten bringen die Kitze immer genau da rein, wo das Gras am höchsten ist. Damit sie am besten geschützt sind", sagt Schmitt.

Wie der Landwirt unserer Zeitung berichtet, sucht die Rehgeiß in den Tagen nach der Geburt ihr Kitz nur zum Säugen auf. In den ersten Lebenstagen schützt die Natur die Kitze vor Fressfeinden mit einem fehlenden Eigengeruch und vor allem dadurch, dass die Tiere bewegungslos im Gras liegen.

Was vor einem Beutegreifer schützt, bringt den Jungtieren bei einem Mähwerk den Tod. "Bei Gefahr drücken sie sich noch weiter nach unten in das Gras hinein. Sie können am Anfang keine Fluchtreaktionen zeigen", erklärt der Vorsitzende der Kreisgruppe Hofheim des Bayerischen Jagdverbandes, Elmar Brückner. Erst im Alter von zwei bis vier Wochen sind die Kitze fähig, vor ihren Feinden zu flüchten.

Aus der Praxis erzählt Landwirt Manfred Schmitt, dass er sich vor dem Mähen mit dem Jagdpächter kurzschließt: "Der sucht dann die Wiesen ab, wo er meint, dass Kitze drin liegen könnten." Doch bei 20 Hektar, die Manfred Schmitt zu mähen hat, kann der Jagdpächter nur punktuell absuchen. "Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie", bedauert Schmitt.

Absuchen erfordert viel Zeit

Auch Elmar Brückner macht dies in seinem Revier so. "Doch für das Absuchen der Wiese benötige ich zehn Mal mehr Zeit als der Landwirt zum Mähen." Manchmal stellt er auch am Abend vor dem Mähen Scheuchen in die Wiesen. "Die Alten merken dadurch, dass etwas nicht in Ordnung ist, und holen ihre Kitze aus dem Versteck", sagt Brückner. Doch das schrecke immer nur eine Nacht ab. In der zweiten Nacht hätten sich die Rehgeiße daran gewöhnt.

Aus Sicht des Landwirts ist diese Taktik jedoch weniger praktikabel: Alle 20 Meter musste Manfred Schmitt von seinem Bulldog absteigen und die Stecken entfernen. Dabei ging einiges an Zeit drauf.
Teilweise wird bei der Suche nach Rehkitzen auf die neueste Technik gesetzt, um "Mäh-Opfer" zu vermeiden: Drohnen überfliegen dabei die Wiesen und zeichnen mit Wärmebildkameras auf. Überall ist das jedoch noch nicht angekommen.

Schuld gibt der Vorsitzende der Jäger-Kreisgruppe Hofheim den Landwirten nicht. Diese seien gezwungen zu mähen. Teilweise stünden Bauern ziemlich unter Zugzwang, alles ins Trockene zu bringen, bevor das Wetter umschlägt, meint Manfred Schmitt. "Meist hält das Wetter fürs Mähen gerade einmal drei Tage. Da hat man für sein Mammutprogramm nicht viel Zeit", sagt er.

Zwar sind Landwirte laut Elmar Brückner besonders gefordert, die Kitze zu schützen. Dennoch sei es wichtig, weitere Aspekte zu betrachten. "Die ganze Sache ist sehr vielschichtig. Da geht es nicht nur um den einzelnen Landwirt oder den einzelnen Jäger. Jeder muss schauen, dass er das Bestmögliche macht", sagt Brückner.

"Das wird alles zerstört."

Zudem sind Rehkitze nicht die einzigen Opfer der großen Mähwerke: Sie sind zwar die größten Tiere in den Wiesen, doch es gibt weitere, die in der Diskussion meist vergessen werden: "Hasen sowie Vögel, die auf dem Boden brüten, oder Ameisenhaufen: Das wird alles zerstört", meint Brückner. Das wichtigste - das sehen sowohl Landwirt Manfred Schmitt als auch Jäger Elmar Brückner so - ist, dass man miteinander redet. Leben retten, das geht nur in Zusammenarbeit der Jägerschaft und der Landwirte, sind sich die beiden einig.
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