Haßfurt
Strafprozess

In den Drogensumpf gerutscht

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 21-Jährigen wegen eines Rauschgiftdelikts zu Arbeitsstunden.
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Drogen fanden die Polizeibeamten bei dem Angeklagte im Auto. Foto: Symbolbild/Christopher Schulz
Drogen fanden die Polizeibeamten bei dem Angeklagte im Auto. Foto: Symbolbild/Christopher Schulz
"Alles verlief nach Plan" - dieser lockere Spruch stand auf dem T-Shirt des Angeklagten (21). Auf sein bisheriges Leben trifft der Slogan nicht zu, denn seit seinem erfolgreichen Schulabschluss vor vier Jahren ging so ziemlich alles schief. Mehrere Ausbildungen brach er ab, rutschte tief ins Drogenmilieu, wurde im letzten Jahr wegen Diebstahls verurteilt, lebt seit geraumer Zeit von Hartz IV und stand nun erneut vor dem Jugendrichter am Amtsgericht in Haßfurt, weil die Polizei 0,35 Gramm Amphetamin gefunden hatte. Das rechtskräftige Urteil: Bis 15. August muss er 40 gemeinnützige Arbeitsstunden auf Weisung des Jugendamtes Haßberge ableisten.
Laut Anklageschrift, verlesen von der Staatsanwältin Kathrin Thal, fand die Polizei das Rauschgift am 12. Dezember letzten Jahres. Die Polizei kontrollierte damals das Auto eines mit dem Angeschuldigten befreundeten Mannes. Das Amphetamin, auch unter dem Begriff Speed oder Pep bekannt, befand sich im Wageninneren.
Vor Gericht erläuterte der geständige Mann, wie es dazu gekommen war. Er habe die Drogen einen Tag vor der Polizeikontrolle geschenkt bekommen, erinnerte er sich. Und zwar von einem Kumpel, der nach den Worten des Beschuldigten "die Schnauze voll hatte von dem Zeug". Er selber habe sich seinerzeit über das Geschenk sehr gefreut, denn: "Ich bin halt ä weng abhängig", meinte er im fränkischen Dialekt.


Bei der Drogenberatung

Dass diese Umschreibung seinen derzeitigen Zustand eher verharmlost, weiß der arbeitslose Drogenkonsument selber. Seit geraumer Zeit besucht er die Drogenberatung der Caritas, und in zwei bis drei Monaten will er eine Langzeittherapie antreten, um seine Drogensucht in den Griff zu kriegen. Er weiß, dass der ohne die Behandlung in einer stationären Einrichtung nicht aus dem Teufelskreis der Drogen rauskommt.
Die Ausführungen des Jugendgerichtshelfers Franz Heinrich beleuchteten vor allem die Kindheit des 21-Jährigen. Die Wurzeln dessen Drogenkarriere sieht er in einer heillos zerrütteten Familienstruktur. Allerdings sei das keine lebenslängliche Rechtfertigung für strafbares Fehlverhalten, sondern irgendwann, so der Pädagoge, "ist man halt selber verantwortlich für das, was man anstellt".
Immerhin lief die Schule noch ganz gut und 2013 schaffte der Heranwachsende sogar den Mittleren Schulabschluss. Zu dieser Zeit gab es bereits massive Probleme mit der Mutter, zu der er heute überhaupt keinen Kontakt mehr hat und nicht einmal weiß, wo sie momentan wohnt. Eine Ausbildung brach er nach kurzer Zeit ab und 2015 landete er wegen einer drogeninduzierten Psychose in der Psychiatrie in Werneck. Er lebt heute von Hartz IV und hat fünf- bis sechstausend Euro Schulden auf dem Buckel.


Arbeitsstunden

Die Jugendgerichtshilfe empfahl dem Gericht, das Jugendstrafrecht anzuwenden und gemeinnützige Arbeitsstunden aufzuerlegen. Die Staatsanwältin schloss sich in ihrem Plädoyer diesem Vorschlag an und forderte 70 Arbeitsstunden. Der Jugendrichter Martin Kober reduzierte das Strafmaß auf 40 Stunden und legte dem Verurteilten ans Herz, in Sachen Therapie "unbedingt am Ball zu bleiben".
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