Kurz vor den Sommerferien, die Schüler sind kaum zu bremsen. Lehrer, die jetzt noch normalen Unterricht machen wollen, müssen mit Widerstand ihrer Schützlinge rechnen. Die wollen lieber toben und spielen, alle Prüfungen sind vorbei. Die Pädagogen kommen sich vor wie Animateure. Was also tun? An der Realschule in Haßfurt funktioniert das so: Gestern war Verkehrstag, heute ist Sporttag, morgen gibt es ein Fußballturnier. Gute Idee? Ja. Weil die Schüler voll mitziehen.
Beim Verkehrstag am Dienstag waren rund 120 Jungen und Mädchen der fünften Klassen schwer begeistert von schwerem Gerät. Da kam die Feuerwehr und erklärte, wie man eingeklemmte Personen aus einem Fahrzeug retten kann. Da kam die Wasserwacht und brachte gleich ein Boot mit. Das Rote Kreuz öffnete die Türen zu einem Krankenwagen und die Polizei veranschaulichte gefährliche Situationen im Straßenverkehr. Und siehe da: Die Schüler waren gebannt von den Ausführungen der Experten. Sie wollten alles wissen und durften alles anfassen.

Fahren ohne Wasser


"Das Boot kann schon ab 20 Zentimeter Wassertiefe fahren", sagt Hendrik (11) begeistert. Heute kann es sogar ganz ohne Wasser fahren, es steht auf einem Hänger vor dem Busparkplatz am Schulzentrum in Haßfurt. "Und es hat 135 PS", ergänzt der elfjährige Luca. Die beiden waren gerade mit einer Schülergruppe an der Station der Wasserwacht. Dort steht Günther Schleelein und erklärt den Schülerinnen und Schülern, wie das so läuft bei seinem Verein. Der 42-jährige Wasserretter ist seit 28 Jahren dabei, hat unter anderem eine Ausbildung zum Rettungstaucher und Bootsführer absolviert. Seine Zuhörer hängen ihm an den Lippen, wenn er von seinen Aufgaben erzählt. Dann schickt er die Gruppe ins Boot. "Wer die Schiffsschraube findet, darf sie behalten", sagt er und grinst. Keiner findet sie, denn das Rettungsboot wird durch eine Wasserstrahlturbine angetrieben: Wasser aus dem Fluss oder dem See wird mit hohem Druck durch eine Düse gepresst - das Boot beschleunigt.

Lernen als Erlebnis


Karin Schneyer, Verkehrserzieherin, ist begeistert von den Experten, die aus ihrer Erfahrung berichten. Weil es nicht nur Unterricht im Klassenzimmer ist, sondern echte Einsatzfahrzeug und -werkzeuge da sind, wird alles "sehr plastisch und gut nachvollziehbar für die Schüler. Durch das Erleben wird es greifbar", sagt sie. Sie fragt ihren Schüler Philip, was er an der Station der Polizei gelernt habe. "Wir haben über den toten Winkel geredet", sagt Philip. Und weiter: Es gebe Bereiche, die kann zum Beispiel ein Lkw-Fahrer in seinem Rückspiegel nicht überblicken. Das sei der tote Winkel. Eine Gefahr besonders für Fahrradfahrer und Fußgänger. Was tun? "Auf sich aufmerksam machen, Blickkontakt zum Fahrer aufnehmen", erklärt Philip. Und: "Lieber dem großen Fahrzeug Vorfahrt lassen." Apropos großes Fahrzeug: Auch das Einsteigen in den Schulbus wurde beim Verkehrstag geübt. Nicht drängeln und ruhig anstellen. Ohne Geschubse geht alles viel schneller. Auch das stellten die Schüler gestern fest.