Haßfurt
Protest

Hebammen bekommen viel Rückhalt bei Kundgebung in Haßfurt

Weil die Geburtshilfe in Haßfurt geschlossen werden soll, versammelten sich am Mittwoch (25. Mai) etwa 200 Frauen, Männer und Kinder auf dem Marktplatz.
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Etwa 200 Frauen und Männer mit ihren Kindern protestierten auf dem Haßfurter Marktplatz gegen die Schließung der Geburtsstation der Haßberg-Kliniken. Fotos: Andreas Lösch
Etwa 200 Frauen und Männer mit ihren Kindern protestierten auf dem Haßfurter Marktplatz gegen die Schließung der Geburtsstation der Haßberg-Kliniken. Fotos: Andreas Lösch
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Bislang hatte man viel von der Protestbewegung gegen die Schließung der Geburtshilfe über die sozialen Netzwerke, die Zeitung, das Radio oder Fernsehen erfahren, gestern Abend nun wurde das alles ganz konkret greifbar: In Haßfurt hatten sich am Mittwochabend rund 200 Frauen und Männer und zahlreiche Kinder auf dem Marktplatz versammelt, um ihren Unmut kundzutun.

Unmut über das Vorhaben, die Geburtsstation der Haßberg-Kliniken am Haus Haßfurt zu schließen. Sie hielten Schilder hoch mit ironisch-provokanten Sprüchen wie "Wir müssen draußen bleiben" und darunter ein Verbotszeichen mit der Silhouette einer schwangeren Frau darin. "In HAS geborn, in HAS Vater worn, solln mei Kinner nach SW fohrn?" stand auf einem anderen Plakat. Die zehn Hebammen, die die Protestaktion organisiert hatten, freuten sich über soviel Unterstützung. "Es bestätigt uns in unserer Arbeit", sagte Birgitta Wohner-Finger, die Leiterin der Hebammenstation, sichtlich gerührt.


"Voll ins Zeug legen"

Diakon Manfred Griebel, der in seiner Funktion als Krankenhausseelsorger einen engen Draht zu den Hebammen und der Geburtsstation pflegt, forderte in seiner Rede: "Wir kämpfen und wir werden uns für unsere Kinder und Familien voll ins Zeug legen." Er lobte die erfolgreiche Internetprotestwelle mit über 6000 Mitgliedern in einer Facebookgruppe sowie die von über 4700 Menschen unterzeichnete Onlinepetition sowie fast 5000 bislang real gesammelte Unterschriften über ausliegende Listen. Wenn nur 20 Prozent dieser Unterstützer "für die Geburtenstation Werbung betreiben, sieht die Anzahl der Geburten schon anders aus".


Entwicklung: 17,9 Millionen Euro Defizit bis 2020

Momentan liegt die Zahl bei 350 bis 400 pro Jahr, schon bei 550 sähe die Situation tatsächlich anders aus, bestätigte Landrat Wilhelm Schneider (CSU), der das Geschehen am Rande mitverfolgte. Auch Klinik-Verwaltungschef Stephan Kolck war vor Ort. Zudem einige Kreisräte sowie Stadträte aus Haßfurt. Schneider bestätigte die Forderung des ehemaligen Kreisrats Emil Däschner, der in seiner Rede gefordert hatte, die gesamten Kosten der Haßberg-Kliniken zu überprüfen (nicht nur die Hebammenstation ) und dann nach Lösungen zu suchen, um das defizitäre Kommunalunternehmen wieder in eine stabile Finanzlage zu bringen. Diese Stabilität sei von großer Bedeutung, sagte Landrat Schneider: Der Landkreis sei Gewährträger für die Haßberg-Kliniken, müsse für deren Defizit über den Kreishaushalt aufkommen. Bei der derzeitigen Entwicklung handele es sich um minus 17,9 Millionen Euro, die in fünf Jahren bis 2020 auflaufen werden, erklärte der Landrat. Würde das wahr, "wird's sehr eng".
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