Brünn
Bier

Hausbrauerbier in Brünn: Vom Keller direkt in die Kehle

Brünn steht Hausgemachtes hoch im Kurs. Die Dorfbewohner brauen ihr eigenes Bier nach altem Rezept. Kostproben gibt es beim Hausbrauerfest am kommenden Wochenende.
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Sie freuen sich über ein gekühltes Bier aus dem familieneigenen Felsenkeller, der direkt an das Grundstück grenzt (von links): Thomas Henig, Mayk Wolf und Sebastian Höhn.  Foto: Johanna Eckert
Sie freuen sich über ein gekühltes Bier aus dem familieneigenen Felsenkeller, der direkt an das Grundstück grenzt (von links): Thomas Henig, Mayk Wolf und Sebastian Höhn. Foto: Johanna Eckert
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Ein Dorf wie jedes andere auch? Das trifft vielleicht auf so manche kleine Einsiedelei zu, aber sicherlich nicht auf den Eberner Stadtteil Brünn. Dort wird zwischen den Nachbarn geplaudert, an der Dorfgemeinschaft gearbeitet, ganz historisch Brot gebacken und mit der Hand der Most gepresst. Sogar beim Verzehr von Fleisch machen manche Brünner ihr ganz eigenes Ding: "Hausschlachtungen werden bei uns auch noch durchgeführt", erzählt der 45-jährige Thomas Henig, der schon sein Leben lang in dem 100-Seelen-Dorf lebt.

In einer weiteren Sache haben sich die Brünner schon vor vielen Jahren Autarkheit verschafft: Sie haben sich eine fünfte Jahreszeit, nämlich die "Brauzeit", in den Kalender geschrieben und versorgen sich mit selbstgebrautem Bier aus dem 1750 erstmals erwähnten Dorfbrauhaus.

Es ist ein untergäriges Hausbrauerbier, naturtrüb und mit sämtlichen Mineralstoffen, das jährlich im Brünner Brauhaus gebraut wird. An die 7500 Liter pro Jahr füllen die Dorfbewohner in Fässer. "Wir haben eine gute Quote", sagt der in Brünn lebende Berliner Mayk Wolf mit einem Augenzwinkern.

Spannende Augenblicke
Wenn sie nachts zwischen Maische- und Gärbottich stehen und schauen, wie der Dampf aus den Kesseln steigt, ist das für Sebastian Höhn "wie ein Feiertag. Da kommt fast das ganze Dorf zusammen." Der 29-jährige Brünner hat bereits als Kind beim Bierbrauen zugeschaut. Nun bezeichnet er sich als "Jungbrauer" und macht seit zwei Jahren seinen eigenen Sud. 700 Liter, abgefüllt in 36 Fässer, war seine Ausbeute für dieses Jahr. "Das macht einfach Spaß", sagt er über sein Hobby. Mayk Wolf ergänzt: "Und es ist eine schöne Tradition."
Es war das Jahr 1788, als die Wohnhäuser und Gehöfte in Brünn Hausnummern bekamen. Dem Brünner Brauhaus am Dorfbach wurde die Nummer eins verliehen. Ob es der Bedeutung oder seines Alters wegen war, lässt sich aus der Dorfchronik heute nicht mehr herauslesen. Wenige Jahre später wurde das Brauhaus grundlegend renoviert und ein Brauofen eingebaut, der heute noch seinen Dienst tut. "Nachts um zwei Uhr wird der mit Holz angeschürt. Dann werden 2200 Liter Wasser erstmal gekocht", erklärt Thomas Henig den Start eines Brautages in Brünn.

Malz aus Bamberg
Das Malz bekommt die Dorfgemeinschaft aus Bamberg, geschrotet wird es direkt vor Ort. Das Gemisch aus Malz und Wasser muss ruhen und dann immer wieder aufgebrüht werden. "Je nach Philosophie", meint Mayk Wolf, "wird dabei vorgegangen. Denn es hat jeder so sein eigenes Braurezept in Brünn." Einheitsbier läuft also nicht aus dem Fass, was auch Alleinstellungsmerkmal der Brünner Hausbrauerei ist. "Wir haben hier keinen Braumeister, der für jeden das Bier braut. Die Leute kommen, sie kennen das Grundrezept und machen dann ihr eigenes Ding", erklärt Mayk Wolf.

Fünf bis sechs Wochen lang im Frühjahr, wenn es draußen noch kalt ist, gehen die Brauer in ihrem Brauhaus ein und aus. Zwar wird der Sud immer am Wochenende angesetzt, doch bis das Bier auch Alkohol hat, muss es sich einige Tage im Gärbottich vergnügen. Beim Abfassen des Bieres ist ein genaues Auge wichtig, denn da geht es auch ums Geld. "Jeder in Deutschland kann jährlich zwei Hektoliter im Jahr brauen, ohne es zu versteuern", informiert Mayk Wolf, "wer mehr hat, muss die Steuer dann auch binnen drei Tagen überwiesen haben."

Der eigene Bierkeller
Thomas Henig, Sebastian Höhn und Mayk Wolf genießen unter den Brünner Brauern ein wunderbares Privileg. Die drei sind in Besitz von Felsenkellern, die sich direkt auf oder angrenzend zu ihrem Grundstück befinden. Der Weg zu einem frisch gezapften kühlen Bier ist da nie weit. "Früher hatte fast jeder Haushalt einen Keller. Heute sind noch etwa zehn Keller aktiv und manche leer", stellen die drei Hobbybrauer fest.

Das Brauen allein gefällt den drei Männern zwar schon sehr, aber das Verkosten ihrer Eigenkreation noch viel mehr. Bis zum Jahr 1997 hat man dabei keinen großen Aufwand gemacht, sich einfach vor den Kellern getroffen, gegrillt und gemeinsam Bier getrunken.

Als Brünn in den Jahren 1995 und 1996 einen Kanalanschluss bekommen hat, war die Freude so groß, dass ein Fest ausgerichtet wurde. Daraus hat sich das "Brünner Hausbrauerfest" entwickelt, das am kommenden Wochenende stattfinden wird. Allerlei kulinarisches Selbstgemachtes wir geboten sein. Natürlich wird auch manches Fass angezapft: "In der Regel schenken wir zwölf Hektoliter Bier am Hausbrauerfest aus", verrät Mayk Wolf abschließend.
 


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