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Zeil
Humor

Haßfurt lacht mit Zeil: "Mir ham mehr Kreisel als ihr"

Der Mundartautor Wilhelm Wolpert feuerte bei seiner Fastenpredigt in Zeil eine Breitseite nach der anderen auf die Lachmuskeln ab. Natürlich fehlte das angespannt-herzliche Verhältnis zwischen Haßfurt und Zeil nicht.
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Mit seiner unvergleichlichen Art begeisterte Wilhelm Wolpert über 400 Zuhörer bei der Fastepredigt in Zeil. Die passende Musik machte die Gruppe "Scharfes Blech" aus Sand.  Foto: Sabine Weinbeer
Mit seiner unvergleichlichen Art begeisterte Wilhelm Wolpert über 400 Zuhörer bei der Fastepredigt in Zeil. Die passende Musik machte die Gruppe "Scharfes Blech" aus Sand. Foto: Sabine Weinbeer
"Voller Saal, auch ohne Wahl" Augenzwinkernd betrat Wilhelm Wolpert zur Fastenpredigt der Zeiler Brauerei Göller die Bühne im Göllersaal. Über 400 Gäste hatten sich eingefunden, um sich von dem Haßfurter Mundartautor die Leviten lesen zu lassen. Unter ihnen war erstmals der neue Landrat Wilhelm Schneider (CSU), begleitet von seinem Vorgänger Rudolf Handwerker, vielen Bürgermeistern, Kreis-, Stadt- und Gemeinderäten aus der Region. Sie bewiesen, dass für sie die Veranstaltung keine Wahlkampfplattform ist, sondern dass sie das Ambiente schätzen, Wilhelm Wolperts Vorträge sowieso, und dass sie den Göller-Hilfsfonds unterstützen wollen.

"Was wären wir Haßfurter ohne Zeiler Bier?", fragte Wilhelm Wolpert, um gleich nachzuschieben: "Aber mir ham mehr Kreisel als ihr". Für den mittlerweile zweiten Zeiler Kreisel hatte er noch Dekorationsvorschläge: "Zwä vo unnera rosticha Hasenrippli
könnt mehr euch abgäb", grinste der Haßfurter in gut nachbarschaftlicher Verbundenheit.

Aktuelle Themen

Allerhand Aktuelles hatte Wilhelm Wolpert im Gepäck: die Winter-WM in Katar beispielsweise oder die Wahl der ersten Weinprinzessin im Abt-Degen-Weintal. Ihm sei aufgefallen, dass fast alle Bewerberinnen im Februar geboren waren. "Hamm die Winzer im Frühsommer nix annersch zu tun?", überlegte er.

Auch die Entwicklung an den Schulen behält Wilhelm Wolpert immer im Blick, wenn auch mit mancher Überraschung: "Was die heut in Biologie lerna, hamm mir früher beicht gemüsst". Er sprach sich für Mundart-Unterricht aus, denn so herrliche Begriffe wie "strecksderlängs" seien vom Aussterben bedroht. "Habt ihr den griechischen Finanzminister gsähn? Auf Fränkisch is des a Hemmerläuter, der sei Hemd net nei die Hosn steckt."

Auch mit moderner Technik setzt sich Wilhelm Wolpert auseinander, doch "Machered" oder "Küngsberch" habe das Navi seines Nachbarn nicht verstanden. Dann habe er "Königsberg" eingegeben, sei zwei Tage gefahren und in Kaliningrad angekommen. Er selbst lerne seit einiger Zeit Russisch: "Mer wäß ja net, was der Putin nuch so mecht."

Rettungsschirm?

Viele der letztjährigen Kandidaten fand Wilhelm Wolpert im Publikum. Dem neuen Landrat ("mir sin übrigens verwandt, mir sin Namens-Vettern") riet er im Kampf mit den roten Zahlen bei den Haßberg-Kliniken, vielleicht auch einen Rettungsschirm zu beantragen. Die Bürger dürften aber nicht nur kritisieren, sondern sich auch selbst an die Nase fassen: "Dann müsster halt ins Haßfurter Krankenhaus und net immer nach Bamberg oder Schweinfurt".

Mit gemischten Gefühlen beobachtet er die bevorstehende Fertigstellung der Laser-Tek-Halle in Haßfurt. "Ob die von der von der Leyen gesponsert is?", fragte er sich. In Sachen Steigerwald plädierte er für "Friedwald statt Nationalpark" und auch zum Thema Maut hatte er seine Meinung: "Des hätt mer einfach besser verkäff gemüsst", so der ehemalige Kaufmann, denn: "Die Wahrheit derf mer wiss, aber die derf mer doch net sach" in der Politik.

Wiedersehen in Katar

Mit vielen Gedichten und Geschichten aus seinen Büchern garnierte Wilhelm Wolpert seine lokalen Ausflüge, erzeugte eine Lachsalve nach der anderen und lud ein "zum nächstjährigen Bockbieranstich in Katar".

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