Fernsehen bildet nicht immer. Manchmal ist es aber gerade gut, die Seele auf überschaubarem Niveau baumeln zu lassen. Denn nur, weil ein Mitarbeiter des Jobcenters Haßberge Ende 2010 zufällig die RTL-II-Serie "Frauentausch" gesehen hatte, kam es überhaupt zu der Anklage eines Ehepaares wegen Betrugs.

Extra-Einkunft angegeben?


Der Jobcenter-Mitarbeiter hatte nämlich in der Folge eine heimische Hartz-IV-Klientin erkannt, und im Amt darüber berichtet. Eine Kollegin durchforstete daraufhin die Unterlagen nach einer Extra-Einkunft und stellte fest, dass die Frau "Stütze" kassiert hatte, obwohl offensichtlich gleichzeitig eine TV-Gage geflossen war. Am Mittwoch wurde dieser Betrugsfall am Haßfurter Amtsgericht verhandelt.

Was war passiert? Von 1. August 2010 bis 31. Januar 2011 bezog Sonja K. (die Namen der Angeklagten wurden von der Redaktion geändert) Arbeitslosengeld II in Höhe von 1079 Euro im Monat. Viel Geld. Aber zur Familie gehörten Ehemann Andreas K. sowie drei Kinder. Das Geld war knapp.

Da war das Angebot von RTL II gerade recht gekommen: Zehn Tage lang tauschte Sonja K. ihre Familie mit der einer jungen Frau im Saarland und ließ sich dabei filmen. Als Aufwandsentschädigung bekam sie dafür 1500 Euro Gage von dem TV-Sender bezahlt - Geld, das sie beim Jobcenter hätte angeben müssen.

Genauso wie ihr Ehemann, der zu der Zeit mit ihr in einer Bedarfsgemeinschaft lebte und sich deshalb ebenfalls wegen Betrugs verantworten musste. Weil beide schwiegen, betrogen sie das Jobcenter um 1470 Euro.

Umstände haben sich geändert


Anders als seine Ex-Frau saß der 31-Jährige ohne Rechtsbeistand auf der Anklagebank. Daraus ergaben sich für Richter Roland Wiltschka zwei Fragen: "Warum Ex-Frau? Und wo haben Sie Ihren Anwalt gelassen?" Die erste Ungereimtheit war schnell geklärt: Das Paar hatte sich wenige Monate nach den Fernsehaufnahmen getrennt und wurde im Frühjahr diesen Jahres geschieden. Wo sein Rechtsanwalt geblieben war, konnte Andreas K. allerdings nicht sagen. "Ich weiß ned. Der is nicht da", erklärte er dem Richter mit einem breiten Lächeln.

Roland Wiltschka wurde in seinen Akten fündig: Der Anwalt hatte das Mandat niedergelegt. Andreas K. quittierte das mit einem überraschten Auflachen und schwieg - von einigen Kommentaren abgesehen - während der Verhandlung. Nachfragen beantwortete er meist lächelnd mit einem "passt scho".

Mancher Zuhörer war von der Gelassenheit des Angeklagten - vor allem in Hinblick auf seine neun Einträge im Bundeszentralregister - sichtlich beeindruckt. Zuletzt war Andreas K. 2008 wegen Diebstahls vor Gericht gestanden. Davor war er mehrfach wegen Drogen, aber auch gefährlicher Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis angeklagt.

Doch zurück zur Hauptfigur des "Frauentauschs": Sonja K. erklärte vor Gericht, dass ihr Ex-Mann zur Tatzeit großen Druck auf sie ausgeübt habe. "Er war in unser Ehe gewalttätig und wollte sich unbedingt von dem Geld einen Motorroller kaufen", sagte sie. "Aber Sie wussten doch, dass Sie die Einnahme hätten angeben müssen", bohrte Richter Wiltschka nach.

Ein Missverständnis?


Das gab die junge Mutter zwar zu, sprach aber gleichzeitig von einem Missverständnis. "Eine Freundin von mir hat auch bei einer Fernsehproduktion mitgemacht und musste ihre Aufwandsentschädigung nicht angeben", versuchte Sonja K. den Amtsrichter zu überzeugen. Einnahme oder Entschädigung - der Zweifel an der richtigen Definition blieb nur kurz. Denn die als Zeugin geladene Sachbearbeiterin des Jobcenters wusste: Nur Beträge unter 175 Euro könnten als Aufwandsentschädigung gelten. "1500 Euro sind als Einkommen anzugeben", erklärte sie.

Bereits Ende 2011 war dem Ehepaar ein Rückforderungsbescheid des Jobcenters in Höhe von 1470 Euro zugestellt worden. Bezahlt hat bis dato keiner der beiden.

"Ich sehe nicht ein, dass ich mehr zahlen soll als er", sagte Sonja K. ärgerlich. Sie verfolgte die Verhandlung mit hochrotem Kopf und würdigte ihren Ex-Ehemann keines Blickes. Bei den meisten Daten gab sie sich unsicher. Da der Rückforderungsbescheid aber rechtskräftig ist, hat sie wohl kaum eine Chance, ihn zu umgehen.

Geldstrafen tun weh


Denn der Betrag wurde anteilig auf die frühere Bedarfsgemeinschaft umgelegt. Da die drei Kinder bei Sonja K. wohnen, ist ihr Anteil höher. "Sie nehmen die finanziellen Vorteile wie Kindergeld und Unterhaltsvorschuss in Anspruch, dann müssen Sie auch die Nachteile auf sich nehmen", beschied Richter Wiltschka. Er verurteilte die Angeklagte wegen Betrugs zu einer Zahlung von 50 Tagessätzen zu je 35 Euro, den Ex-Mann zu 90 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Wie ihr denn die Dreharbeiten zu "Frauentausch" gefallen hätten, wollte Richter Wiltschka schon noch wissen. "Das ist alles nur Fake", beschied die Laiendarstellerin grimmig. Wiltschka lachte: "Was haben Sie denn gedacht?"