Haßfurt
Strafprozess

Handwerker entgeht dem Knast

Das Betrugsverfahren gegen einen 30-jährigen Kleinunternehmer hat das Amtsgericht in Haßfurt eingestellt.
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Verschont hat die Justiz einen Selbstständigen, der wegen Betrugs vor dem Amtsgericht stand. Richterin und Staatsanwaltschaft hamen ihm ab, dass eine nicht bezahlte Rechnung ein Ausrutscher war. Foto: Archiv
Verschont hat die Justiz einen Selbstständigen, der wegen Betrugs vor dem Amtsgericht stand. Richterin und Staatsanwaltschaft hamen ihm ab, dass eine nicht bezahlte Rechnung ein Ausrutscher war. Foto: Archiv
Dass eine Rechnung einmal nicht rechtzeitig bezahlt wird, ist normalerweise kein Beinbruch. Im Falle eines mehrfach einschlägig vorbestraften und unter laufender Bewährung stehenden Handwerkers, der bereits einmal eingesessen hat, führt ein solcher Fehltritt fast zwangsläufig wieder hinter Gitter. Insofern hatte der 30-Jährige großes Glück, dass Staatsanwalt Ralf Hofmann ihm den guten Willen abnahm und der Betrugsprozess gegen ihn am Amtsgericht Haßfurt ohne weitere Auflagen eingestellt wurde.

In dem Verfahren ging es um einen Vorfall vom 6. Mai 2015. Damals bestellte der Angeklagte bei einer Reifenfirma im Kreis Haßberge einen Satz Sommerreifen mitsamt Felgen für seinen Lieferwagen. Die Ware wurde pünktlich geliefert und der Mann wollte auch bezahlen, beteuerte er vor Gericht. Aber ausgerechnet wenige Tage nach der Lieferung sei sein Firmenwagen kaputtgegangen, erklärte er.
Damit er jedoch seine Aufträge weiter abarbeiten konnte, schilderte der Mann weiter, habe er natürlich sein Auto schnellstmöglich reparieren lassen und dafür das - eigentlich für die Bezahlung der Reifen gedachte - Geld gebraucht.

Bereits 2007 machte sich der Handwerker selbstständig und versuchte in einer kleineren Ortschaft in den Haßbergen, mit kleineren Arbeiten eine eigene Existenz aufzubauen. Ein Versuch mit tragischem Ausgang, denn letztendlich wurde der Unternehmer 2012 und nochmals 2013 wegen Betrugs verurteilt und saß dann rund neun Monate lang sogar im Knast.

Mitte 2014 kam er wieder frei und versucht seitdem, einen Schuldenberg von 70 000 oder 80 000 Euro - wie viel es genau ist, konnte der Kleinunternehmer nicht sagen - abzutragen. Durch seine ehemalige Freundin sei er in diese Lage gekommen: "Sie hat mich reingeritten und ausgenommen", behauptete er. Lange Zeit habe sie die Buchführung für ihn erledigt und dabei einen großen Teil der bezahlten Kundengelder für sich selber abgezweigt. Erst spät sei ihm ein Licht aufgegangen, denn: "Liebe macht halt blind." Die Trennung von der Frau folgte im Frühjahr 2014.


Rechnung ist jetzt bezahlt

Der als Zeuge geladene Inhaber der Reifenfirma bestätigte, dass zwischenzeitlich alle Forderungen beglichen wurden. Insofern nahmen die Juristen dem Beschuldigten ab, dass er sich nach Kräften bemühe, die angehäuften Schulden abzutragen. "Ich arbeite praktisch sieben Tage die Woche, um möglichst schnell wieder auf einen grünen Zweig zu kommen", versicherte der Handwerker.

Nachdem die Gerichtsvorsitzende Ilona Conver ihn ebenfalls mit den Worten "Sie dürfen sich nicht mehr das Geringste zuschulden kommen lassen!" ins Gebet genommen hatte, wurde das Strafverfahren ohne weitere Auflagen eingestellt. Die Kosten trägt die Staatskasse.

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