Haßfurt
Prozess

Haft für den Opferstock-Räuber aus den Haßbergen

Um seine Drogensucht zu finanzieren, hat ein Mann aus Haßfurt Opferstöcke in vielen Kirchen im Kreis Haßberge aufgebrochen. Jetzt wurde das Urteil gefällt.
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Der Angeklagte hält sich vor dem Amtsgericht Bamberg eine Mappe vor das Gesicht; links sein Anwalt Alexander Wessel.  Foto: Peter Groscurth
Der Angeklagte hält sich vor dem Amtsgericht Bamberg eine Mappe vor das Gesicht; links sein Anwalt Alexander Wessel. Foto: Peter Groscurth
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Eine richtige Perspektive hatte er anscheinend nie: Thomas B. (19, Name geändert) aus Haßfurt. Als Junge litt er unter der Aufmerksamkeitsstörung ADHS, besuchte eine Förderschule, ging nach der achten Klasse ab - ohne Abschluss. Ziellos lebte er bei der Mutter vor sich hin. Und kam frühzeitig mit Drogen in Kontakt. "Mit 13 Jahren ging es los. Zuerst nahm ich Cannabis", schildert der junge Mann. Mit 16 Jahren probierte er Speed, später folgte Crystal Meth, wie er gesteht.

Die Sucht nach Drogen kostete viel Geld. Zu viel für einen Jugendlichen ohne Einkommen. Über 400 Euro musste B. wohl für den Kauf der Substanzen in der Woche ausgeben. Und geriet immer mehr in Konflikt mit dem Gesetz.

Der schnelle Weg zum Geld - allzu oft endete diese Strategie des Haßfurters mit dem Gang in eine der Kirchen in der Region. Allein zwischen Februar und April 2016 soll er in Gotteshäuser in Haßfurt, Eltmann, Zeil, Ebelsbach, Augsfeld oder Knetzgau eingedrungen sein, um dort Geld aus den Opferstöcken zu entwenden. In seiner Anklage listet Staatsanwalt Stephan Schäl zehn Fälle des Diebstahls auf - sieben davon in Tateinheit mit Sachbeschädigung. 563,50 Euro habe die Beute aus diesen Straftaten betragen. Nicht mal genug Geld, um die Sucht für zwei Wochen zu finanzieren. Der Schaden für die Kirchengemeinden war dagegen ungleich größer, soll sich auf über 9700 Euro belaufen.

Im Prozess gegen Thomas B. vor dem Amtsgericht Bamberg zeichnet sich schon früh eine Verständigung zwischen Staatsanwalt, dem Angeklagten, dessen Verteidiger Alexander Wessel und Gericht ab.

Richterin Marion Aman stellt B. eine Strafe zwischen zwei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise zwei Jahren und neun Monaten in Aussicht. Und zwar dann, wenn der junge Mann einen Großteil seiner Straftaten einräumt. Was B. nach einer kurzen Verhandlungspause auch tut.

Er schildert im Prozess, warum es zu den Taten kam, die die Richterin als "unanständig" bezeichnet. "Ich habe das Geld gebraucht für die Sucht. Es war schnelles Geld, obwohl es nicht allzu viel war", so B. weiter. Sein Denken kreiste damals um die Droge Crystal , die rasch abhängig macht. "Der Konsum machte mich leistungsfähiger, während mich Cannabis immer runter brachte. Crystal pusht einen, das ist unbeschreiblich", fügt der Angeklagte an.

Vor der Richterin zeigt er sich reumütig, betont, dass er eine Therapie machen wolle, um von seiner Sucht loszukommen. Wegen einer früheren Gerichtssache sei er als Maßnahme nach Finnland geschickt worden. Dort habe er mit anderen schwer erziehbaren Jugendlichen auf einem Hof gelebt - weit weg in der Wildnis. "Dort hat es mir gefallen. Mein Leben hatte zum ersten Mal eine Struktur und verlief geordnet. Zum Einkaufen mussten wir einmal pro Woche zwölf Kilometer laufen", schwärmt er. Wieder zurück in Deutschland sei er viel zu schnell im alten Trott gelandet - die falschen Freunde und fehlende Aufgaben ließen ihn erneut ins Drogenmilieu abgleiten.


Langes Vorstrafenregister

Diverse Vorstrafen waren die Folge. Acht Einträge hat er im Bundeszentralregister stehen - viele davon wegen Diebstahl-Delikten, aber auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung, eines Drogenvergehens oder Fahrens ohne Führerschein.

Gerade sitzt B. eine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Ebrach ab, aus der ihn zwei Polizeibeamte ins Amtsgericht Bamberg begleiteten. In seinem Plädoyer fordert Staatsanwalt Schäl zwei Jahre und neun Monate Haft sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Verteidiger des Opferstock-Räubers dagegen plädiert um eine drei Monate kürzere Gefängnisstrafe. Richterin Aman verkündet als Urteil eine Haft von zwei Jahren und sieben Monaten. Außerdem ordnet sie eine Entziehungstherapie an. Mit ernsten Worten erklärt sie in Richtung des Angeklagten: "Sie bekommen von uns heute eine letzte Chance. Das Wichtigste für Sie ist, Ihre Sucht mit einer Therapie anzugehen. Ich kann Ihnen nur dringend raten, das zu tun. Wenn nicht, werden Sie nie den rechten Weg finden."

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