Ebern
Künstler-Porträt

Großer Maler des 20. Jahrhunderts stammt aus Ebern

Wer auf der Wikipediaseite von Ebern ganz nach unten scrollt, findet das Kapitel "Söhne und Töchter der Stadt". Stefan Plenkers, geboren 1945, Maler und Grafiker, ist einer von ihnen. Seine Mutter kam durch die Kriegswirren in den Baunachgrund und er auf die Welt. Getauft wurde er in Eyrichshof.
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Stefan Plenkers zusammen mit seiner Frau Gabriele im Jahr 2009.
Stefan Plenkers zusammen mit seiner Frau Gabriele im Jahr 2009.
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Heute lebt der Künstler Stefan Plenkers aber nicht mehr im Frankenland, sondern in Dresden. Ausstellungen mit seinen Bildern waren schon in zahlreichen Großstädten, darunter Berlin, Frankfurt, Dresden und im Ausland in Cortina d'Ampezzo und Bordeaux zu bestaunen.

Einzelne Bilder von ihm kann man unter anderem sogar in London, dem Vatikan, Sofia und Sankt Petersburg sehen. Geboren ist der 67-Jährige, der zu den wesentlichen Malerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Dresden zählt, aber tatsächlich in Ebern. "Du bist auf der Flucht geboren, hat meine Mutter mir gesagt", erzählt er.

Aus Görlitz geflohen


Vor den Russen ist seine Mutter mit seiner damals drei Jahre alten Schwester von Görlitz nach Ebern geflohen, da dort Verwandte seiner Familie gelebt haben. Etwa ein Jahr ist er als Baby in Ebern geblieben. Getauft wurde Stefan Plenkers in der Schlosskapelle in Eyrichshof, denn zu dieser Zeit gab es in Ebern keine evangelische Kirche. Der Taufanzug sei außergewöhnlich gewesen, wusste sein Mutter noch, ein sehr altes Taufkleid und ein kostbares Perlenhäubchen habe er leihweise getragen. Die Einheimischen seien sehr erstaunt gewesen über diese "Flüchtlingstaufe", und sogar der damalige Schlossherr sei dazugekommen, hat Stefan Plenkers Mutter ihm erzählt. Irgendwann im Jahr 1946 ist seine Familie schließlich nach Görlitz gezogen, wo Stefan Plenkers Großmutter eine unzerstörte Wohnung hatte.

In Görlitz, und somit ab 1949 in der DDR, ist Plenkers aufgewachsen. Nach seinem Abitur hat er von 1963 bis 1965 eine Lehre zum Schriftsetzer absolviert. Ab 1967 studierte er nach seinem Wehrdienst Grafik an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden. Seit 1973 ist er als freischaffender Maler und Grafiker tätig und lebt, nach einem Abstecher 1974 nach Cottbus, seit 1975 in Dresden. Einige Jahre später war er von 1980 bis 1982 beim Grafiker Gerhard Kettner als Meisterschüler aktiv.

Stets den Drang verspürt


"Ich wollte als Halbwüchsiger schon Künstler werden", erinnert sich Plenkers. "Das ist der wunderbarste Beruf, den es gibt. Meine Lieblingsbeschäftigung ist sozusagen zu meinem Hobby geworden." Und der geht er auch heute noch nach. "Ich bin immer noch sehr aktiv", sagt er. "Wenn's Künstler ernst meinen, machen sie es bis zum letzten Atemzug."

Wie viele Bilder er insgesamt gemalt hat, kann er nicht sagen, aber "ich hab schon ein ganz schönes Werk". Auch die politisch gesteuerte Zensur, die viele Künstler, Musiker und Autoren in der DDR zu spüren bekamen, hinderte ihn nicht am Malen. "Ich musste mich nicht ändern in DDR-Zeiten, ich konnte machen, was ich wollte", erzählt er. "In meiner Stasi-Akte stand: Der Kneipen- und Zirkusmaler hat kein Interesse an gesellschaftlichen Verhältnissen."

"Kneipen- und Zirkusmaler" wurde Plenkers genannt, weil er bekannt dafür war, einfach die Orte zu malen, an denen er sich bewegte. Dabei übte er sich anfangs viel in grafischen Techniken, wobei er Acryl auf Leinwand malte. 1969 kam die Ölmalerei hinzu.

Mit Bundeskanzler unterwegs


Leben könne er gut von seiner Malerei, erzählt er, und "ich komm viel rum und es ist spannend." Eines seiner spannendsten Erlebnisse sei gewesen, als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ihn als Sondergast mit auf eine Reise nach China genommen hat, erinnert er sich. "Er hat auch einen mit mir zusammen getrunken."
Gereist ist Stefan Plenkers schon immer viel. "Ich reise gerne, weil ich neugierig bin", erklärt er. "In der DDR-Zeit durfte ich natürlich nur in die östlichen Länder reisen."

Polen, Ungarn, Bulgarien und Mittelasien waren Ziele seiner damaligen Studienreisen. Nach der Wende kamen auch westliche Länder, unter anderen die USA, hinzu. Auf diesen Reisen holte er sich immer wieder Inspirationen für seine Bilder. Und auch sein Geburtsland Franken hat er nach dem Mauerfall einmal besucht. Wann, weiß er nicht mehr, aber "in Bamberg hab' ich das wunderbare Rauchbier getrunken", erinnert er sich.

Bekannte, Freunde oder Verwandte hat er heute aber keine mehr in Ebern. Erinnerungen auch nicht, da er ja schon als Baby nach Sachsen gezogen ist. "Aber", schmunzelt er, "ich sag immer voller Stolz: Ich bin kein Sachse, sondern Franke!".
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