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"GoPro": Die Welt aus anderen Blickwinkeln

Die "GoPro" ist die erfolgreichste Actionkamera der Welt. Ihre Nutzer jagen nach den besten Aufnahmen - ob in der Natur oder auf öffentlichen Straßen. Das ist aber nicht ganz ohne. (Mit Kommentar)
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Die Dirtbike-Strecke in Weisbrunn, wie sie auch der Mountainbiker sieht. Durch die "GoPro" sind solche Bilder leicht möglich. Sie ist wasser- und schmutzabweisend und liefert klare und scharfe Bilder. Foto: Lisa Kieslinger
Die Dirtbike-Strecke in Weisbrunn, wie sie auch der Mountainbiker sieht. Durch die "GoPro" sind solche Bilder leicht möglich. Sie ist wasser- und schmutzabweisend und liefert klare und scharfe Bilder. Foto: Lisa Kieslinger
"Mit der ,Go-Pro' kann ich Dinge sehen, die sonst unmöglich wären", erklärt Franz Schmitt aus Limbach. Der 14-Jährige ist stolzer Besitzer einer "GoPro Hero 4" und will durch seine Actionkamera die Welt aus neuen Blickwinkeln betrachten. Mithilfe eines selbst gebauten Magneten befestigt er sie beispielsweise auf und in dem Mähwerk am Traktor seines Vaters und bringt beeindruckende Bilder zum Vorschein. Das laufende Mähwerk wäre ohne "GoPro" nur mit aufwändigem technischen Equipment und viel Know-How zu filmen.

Beim Mountainbiken schnallt der 14-Jährige die kleine Kamera auf seinen Lenker, um gute Bilder der holprigen Strecke zu bekommen. Auch auf der Dirtbike-Strecke in Weisbrunn oder auf verschiedenen Mountainbike-Strecken durch die Wälder des Landkreises sind die kleinen Kameras nicht mehr von den Helmen wegzudenken.
Doch auch im Straßenverkehr werden die kleinen Kameras genutzt: Nichts ahnend fährt man mit dem Auto nach Eltmann. Zwei Jungs stehen kurz nach dem Ortsschild in der Galgenleite mit ihren Rollern nebeneinander. Das Auto ist gefühlt noch nicht einmal ganz an ihnen vorbei, starten die beiden Teenager sofort los. Nebeneinander auf einer Fahrbahnhälfte. Sie drehen ihre Köpfe hin und her, fahren dem Auto dicht auf, bremsen wieder ab, reden miteinander. Bei einem längeren Blick in den Rückspiegel ist auf dem Helm der beiden Jungs eine "GoPro" zu erkennen.

Doch sind solche Kameras im Straßenverkehr überhaupt zulässig? "Es gibt keine Vorschriften, die es verbieten", erklärt Kurt Förg, Dienstellenleiter der Polizei in Haßfurt. Eine Kamera gefährde schließlich den Straßenverkehr nicht.

Schutz am eigenen Bild

Zu Problemen kommt es erst dann, wenn die Bilder veröffentlicht werden: Wenn sie ins Internet gestellt werden und darauf andere Personen zu erkennen sind, verstößt der Produzent gegen das Persönlichkeitsrecht. "Das ist wie wenn man beim Gespräch mit dem Chef heimlich ein Diktiergerät mitlaufen lässt. Das fällt in den Schutzbereich Telefon. Bei der Kamera ist das ähnlich, es betrifft dann den Schutz am eigenen Bild", sagt Förg. Und dabei kann derjenige, der die Filme veröffentlicht hat, ziemlich Ärger bekommen.

Franz Schmitt schneidet seine Aufnahmen zwar zu einem Film zusammen und legt eine passende Musik darüber. Sie im Internet veröffentlichen will er jedoch nicht. Er kennt die Risiken, die mit der Veröffentlichung einhergehen. "Die Aufnahmen mache ich eigentlich nur für mich persönlich." Vielleicht werde es einmal einen professionellen Videokanal geben, aber das habe noch Zeit.

Neben dem Persönlichkeitsrecht tauchen in "GoPro"-Diskussionsforen im Internet zwei weitere Aspekte immer wieder auf: Wird die Schutzfunktion eines Helmes durch die Anbringung einer "GoPro" eingeschränkt? Und wie steht es um die Videoaufnahmen als Beweismittel vor Gericht beispielsweise bei einem Verkehrsunfall?
Zur Sicherheit kann Kurt Förg nicht allzu viel sagen. "Wenn es die Kamera beim Unfall runterreißt und man die in das Auge bekommt, ist das natürlich gefährlich." Ansonsten ist Kurt Förg kein weiteres Sicherheitsrisiko bekannt, das mit der "GoPro" am Helm einhergeht. Die Frage, ob die Videoaufnahmen als Beweismittel vor Gericht zählen, kann der Dienststellenleiter nicht pauschal beantworten. "Das kommt ganz auf den Richter an."


Kommentar: "GoPro" - Die wohl gefährlichste Kamera der Welt

Jeder kann ein Held sein. Das ist zumindest der Werbeslogan für die Actionkamera namens "GoPro". Go Professional, werde ein Profi. Doch über die Professionalität entscheidet nicht die Kamera, sondern das Talent. Und das kann schnell zu einem Riesenproblem werden. Schneller, weiter, höher: Egal ob Mountainbiker, Snowboarder, Skifahrer, Wakeboarder oder Motorradfahrer. Auf einmal wird ein normales Hobby zum Wettbewerb: Wer hat am Ende des Tages die spannendsten, spektakulärsten und verrücktesten Aufnahmen? Die Frage ist nur, wie lange das gut gehen kann. Bei der Jagd nach den perfekten Aufnahmen verlieren viele die Vernunft aus den Augen. Für perfekte Bilder gehen sie an ihre Grenzen und manche sogar darüber hinaus. Motorradfahrer fahren extra schnell in Kurven mit Blick auf die Tachonadel, Snowboarder springen mit gewagten Drehungen über Rampen, Skifahrer preschen mit unbeschreiblichem Tempo die Piste herab. Wo bleibt die Rücksicht? Und das alles nur für ein Video, in dem sie sich selbst beweisen wollen. Für Youtube. Für Klicks. Für die Aufmerksamkeit von außen. Und manchmal endet die Jagd nach den spektakulärsten Bildern tödlich. lk

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