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Untermerzbach
Rundgang

Gemeinderat denkt an Weihnachten

Der Untermerzbacher Rat nahm beim Waldgang landwirtschaftlich genutzte Flächen ins Visier, die für Christbaumkulturen umgewidmet werden könnten.
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Teilnehmer am Waldgang in Untermerzbach in der Flur, wo überlegt wurde, ob die Gemeinde Grundstücke aufforsten möchte oder darf. Auf dem Foto von rechts: Edgar Maier, Geschäftsleiter Gemeinde Untermerzbach, Bürgermeister Helmut Dietz, Forstoberrat Jürgen Hahn, Waldreferent Gemeinderat Gerald Karl und 6. von rechts, FAR Wolfgang Gnannt. Foto: Helmut Will
Teilnehmer am Waldgang in Untermerzbach in der Flur, wo überlegt wurde, ob die Gemeinde Grundstücke aufforsten möchte oder darf. Auf dem Foto von rechts: Edgar Maier, Geschäftsleiter Gemeinde Untermerzbach, Bürgermeister Helmut Dietz, Forstoberrat Jürgen Hahn, Waldreferent Gemeinderat Gerald Karl und 6. von rechts, FAR Wolfgang Gnannt. Foto: Helmut Will
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In unwegsamem und buschigem, teils steilem Gelände waren Mitglieder des Gemeinderates Untermerzbach unterwegs, quasi als "Grenzgänger" zwischen Stadtwald von Ebern und Gemeindewald Untermerzbach. Zusammen mit Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) führten Forstoberrat (FOR) Jürgen Hahn und Forstamtsrat (FAR) Wolfgang Gnannt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt die Gruppe am späten Mittwochnachmittag durch Teile des 1,5 Hektar großen Gereuther Walds und angrenzende Felder.


Vorsorge für die Winterszeit

Im Fokus des Interesses stand diesmal nicht ausschließlich die Waldbewirtschaftung und Holznutzung im herkömmlichen Sinn, vielmehr hielt man Ausschau nach bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen der Gemeinde, auf denen man eventuell Aufforstungen vornehmen möchte.
"Es wäre schön, wenn wir von der Gemeinde vielleicht irgendwo eine Christbaumkultur hochziehen könnten", hatte Bürgermeister Dietz bei der Begrüßung gesagt. Es sei immer wieder problematisch zur Winterszeit Christbäume oder Zweige zu finden.

Entlang der Grenze des Gemeindewaldes zum Stadtwald von Ebern führten die Forstbeamten die "Waldläufer" und man entdeckte "diesseits und jenseits der Grenze" beachtliche Eichen- und Buchenstämme. "Da ist etwas für die Submission dabei", sagte Wolfgang Gnannt. Er und Jürgen Hahn erläuterten der Gruppe, wie solche Stämme auf der Gesamtlänge gesehen wirtschaftlich sinnvoll verwertet werden können. Gnannt: "Es geht eher um das Waldbauliche, nicht in erster Linie um Preise die man erzielen kann." Damit verdeutlichte er, dass bei der Entnahme des Holzes nicht unbedingt der Profit im Vordergrund stehe, sondern eine Abwägung vorgenommen werden müsse, die waldbaulich Sinn mache.


Naturverjüngung

Gnannt sagte, dass in dem Bereich, aus dem möglicherweise einige Stämme entnommen werden, eine gute Naturverjüngung möglich wäre. Die betreffenden Flächen könne man nach einem Hieb vermessen und für Naturverjüngung aus einem Förderprogramm etwa 1000 Euro pro Hektar erhalten. Bedingung sei, dass die Naturverjüngung noch nach fünf Jahren vorhanden sein müsse.

Entdeckt wurde ein Grenzstein mit einer Inschrift, deren Bedeutung man nicht entschlüsseln konnte. . "Da müssen wir uns mal schlau machen", meinte Bürgermeister Dietz.


Förderprogramm mit Abstrichen

Die Frage nach dem Waldnaturschutz wurde von Gemeinderat Heinrich Döhler gestellt und wie es mit Fördergeldern dazu aussehe. Hier mussten die Förster eingestehen, dass das Geld nicht so fließt, wie man es vermutet hatte. Der Bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, hatte im Jahr 2015 das "Aktionsjahr Waldnaturschutz 2015" ausgerufen und als wichtiges Thema für Bayern bezeichnet. Umso unverständlicher fanden es die Teilnehmer des Waldgangs in diesem Zusammenhang, dass nun Fördergelder für verschiedene Programme nicht wie ursprünglich angedacht auf einmal, sondern "scheibchenweise und deutlich abgespeckter" gezahlt werden. Der Naturschutz, "der mit im Boot war", so vermuteten Insider aus der Gruppe, habe hier etwas "verpasst" ohne näher darauf einzugehen. FOR Hahn: "Das Programm ist nicht tot, nur im Moment sind keine Auszahlungen möglich."


Beratung am Weizenfeld

Man gelangte schließlich an den Waldrand, wo sich ein 0,79 Hektar großes Weizenfeld anschließt, welches von der Gemeinde verpachtet ist. Es wurden Überlegungen angestellt, ob man für diese Fläche und weiter in der Nähe befindliche Flächen der Gemeinde, Anträge auf Aufforstung stellen sollte. FOR Jürgen Hahn machte deutlich, dass das nur im Einvernehmen mit der Landwirtschaft und dem Naturschutz geschehen könne. "Sagt einer nein, kippt das Ganze und wir können es vergessen." In Randbereichen sei das ein schwieriges Unterfangen, weil sich hier der Naturschutz häufig querstelle. Mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis arbeite man gut zusammen. "Aber die können auch nicht wie sie wollen, sie sind an das Naturschutzgesetz gebunden", so Hahn.
Landwirt und Dritter Bürgermeister Dieter Reisenweber (CSU) erklärte, dass der Grünlandverlust bei mehr als fünf Prozent liege und da sei es fast nicht möglich, solche Flächen aufzuforsten und in Wald umzuwandeln. Man kam überein, dass die Gemeinde ihre Vorstellungen konkretisieren soll und vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Kosten für Aufforstungen grob dargelegt werden. Dann müsse man sehen, was geht.
Als "Fluch der guten Taten", bezeichnete Jürgen Hahn den Umstand, dass hinsichtlich des Naturschutzes oft freiwillige Vorleistungen erbracht wurden, die sich dann ins Gegenteil verkehrten, wolle man später an Flächen, die für den Naturschutz eingebracht wurden, etwas ändern. Er legte Wert auf die Feststellung, dass dieses Zitat nicht von ihm stamme.

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