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Sand am Main
Schieflage

Gemeinde hilft dem FC Sand

Sand zahlt dem wegen Steuer-Unregelmäßigkeiten in finanzielle Nöte geratenen Verein einen einmaligen Baukostenzuschuss in Höhe von 100 000 Euro.
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Das Argument, dass sonst alles den Bach runtergehen würde, überzeugte das Gremium: Der Gemeinderat Sand hat beschlossen, dem FC Sand einmalig 100 000 Euro zuzuschießen. Foto: Alfons Beuerlein.
Das Argument, dass sonst alles den Bach runtergehen würde, überzeugte das Gremium: Der Gemeinderat Sand hat beschlossen, dem FC Sand einmalig 100 000 Euro zuzuschießen. Foto: Alfons Beuerlein.
Rund 30 interessierte Zuhörer verfolgten am Dienstag in der Sander Gemeinderatssitzung die Debatte über den einzigen Tagesordnungspunkt: Es ging um den Antrag des FC Sand auf einen nachträglichen Baukostenzuschuss für die Errichtung der Sportanlagen auf gemeindlichem Grund. In der Abstimmung entschieden sich einschließlich Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) zwölf Ratsmitglieder dafür, dem Antrag des FC stattzugeben. Ihr Hauptgrund war: "Um größeren Schaden für die Gemeinde abzuwenden, müssen wir schweren Herzens dem Antrag zustimmen." Es gab zwei Gegenstimmen.

Eingangs der Sitzung stellte Ruß heraus, dass der Gemeinderat bezüglich des FC-Antrages auf einen nachträglichen Baukostenzuschuss eine schwierige Entscheidung zu treffen habe, da neben sachlichen und rechtlichen auch moralische Aspekte eine Rolle spielten. Unstrittig sei, dass der 1. FC Sand durch das Fehlverhalten einiger Vorstandsmitglieder in eine finanzielle Schieflage geraten ist, die sowohl die Existenz des Vereins als auch die Existenz einiger Vorstandsmitglieder bedrohe.


FC hat Werte geschaffen

Auf der anderen Seite habe der FC mit eigenen finanziellen Mitteln und Zuschüssen des Sportverbands auf den Grundstücken der Gemeinde Werte geschaffen und unterhalten. Dazu zählte er das Hauptspielfeld ebenso wie den Trainingsplatz mit Flutlichtanlage, Bewässerungsanlagen für beide Rasenplätze, Sanierung und Erweiterung des Sportheims mit zwei Duschen, vier Umkleideräume, Räume für Schiedsrichter, Toiletten und andere Räumlichkeiten. Ohne den Zuschuss des Sportverbandes hat der FC laut Ruß dafür nachweisbare 768 500 Euro investiert. Den Kunstrasenplatz hat unter Einbeziehung von Eigenleistung von FC-Mitgliedern die Gemeinde Sand errichtet.

Bei der Entscheidung über den vorliegenden Antrag des FC Sand, so der Bürgermeister weiter, müsse man beachten, dass es sich bei der Ablösung des Rechtstitels am "alten FC-Sportheim" um keinen Zuschuss durch die Gemeinde gehandelt habe. Vielmehr sei es ein Rechtsgeschäft gewesen, in dem der FC auf seine Ansprüche verzichtet habe, die sich aus der Bereitstellung des ehemaligen Fußballplatzes und des damaligen Sportheims im Wörth durch die Ansiedlung des ehemaligen SF-Betonwerkes ergeben haben.


Gemeinde im Dilemma

"Würde der FC Sand insolvent, würden die Grundstücke und der FC-Anteil am ,neuen Sportheim' aufgrund des Erbpachtvertrages an die Gemeinde zurückfallen. Die Gemeinde müsste die von den FC-Mitgliedern geschaffenen Werte übernehmen, könnte sie aber nur bedingt nutzen, da die Sportplätze keiner oder nur sehr schwer einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden können. De facto würde eine Insolvenz des FC bedeuten, dass die Gemeinde die jetzigen FC-Sportanlagen auf eigene Kosten unterhalten muss. Bei einer wirtschaftlichen Verwertung von Sportplätzen und Sportheim durch die Gemeinde wäre ein Fußballsportbetrieb in Sand nicht mehr möglich", stellte Ruß heraus.

Er führte weiter an, dass die Sachlage auch einen ideellen Aspekt habe. Der FC Sand habe 500 Mitglieder, darunter 180 Jugendliche. Vier Seniorenmannschaften befänden sich im aktiven Spielbetrieb. Dazu gebe es 16 Nachwuchsteams. Dank seiner hervorragenden Jugendarbeit betreue der FC Sand nicht nur Jugendliche aus der Gemeinde, sondern aus weiten Teilen des Kreises Haßberge.

"Unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten liegt es im Interesse der Allgemeinheit, dass der Fußballbetrieb beim FC Sand weitergeführt werden kann und die Betreuung der Jugendlichen sowie das Freizeitangebot für Erwachsene weiter aufrecht erhalten bleibt", so Bürgermeister Ruß, der weiter festhielt: "Die Förderung von Jugend und Gesundheit gehört zu den gesetzlichen Aufgaben der Gemeinde. Durch den FC wurde die Gemeinde Sand in der Vergangenheit wirkungsvoll unterstützt". Bernhard Ruß machte deutlich, dass ein Baukostenzuschuss eine freiwillige Leistung sei.


Die Diskussion

In der ausführlichen Debatte erklärte Gemeinderat Heinrich Schmitt (FSB): "Ein Baukostenzuschuss ist nur akzeptabel, wenn er einmalig bleibt. An den jährlichen Unterhaltungskosten der Sportanlagen durch den FC kann sich die Gemeinde nicht beteiligen."
Klaus Ullrich (CSU) fragte nach einem potenziellen Partner, der dem FC Sand weiterhelfen könnte. Es sei im Moment keiner da, wurde ihm geantwortet. Er merkte an, dass er dem Antrag zustimme, weil es darum gehe, Schaden für die Gemeinde abzuwenden.
Zweiter Bürgermeister Gerhard Zösch (CSU) führte an, dass der FC einen konkreten Finanzplan vorgelegt habe. Bestätigt wurde dies von Bastian Hümmer (SPD), der anmerkte, dass der Finanzplan von einem Kreditinstitut geprüft wurde. Zusätzlich warf Bastian Hümmer die eigentliche Frage auf: "Um was geht es? Versuchen wir, dem FC Sand zu helfen, oder lassen wir ihn fallen?"
Hart ins Gericht mit dem Verein ging Gemeinderat Robert Wagner (CSU), der eine ganze Breitseite an Vorwürfen gegen die FC-Vorstandsmitglieder abschoss. Ihr unrechtmäßiges Handeln sollte von der Gemeinde nicht unterstützt werden, forderte er. Des Weiteren führte Wagner an, dass der Gemeinde kommunale Pflichtaufgaben wie weitere Kinderkrippe-Einrichtung und Kreisel-Neubau an der Staatsstraße Richtung Knetzgau bevorstehen und der Haushaltsplan der Gemeinde nicht so gut aussieht, als dass man sich einen nachträglichen Baukostenzuschuss an den FC Sand leisten könne. Wagner stimmte später ebenso wie Antonie Bergmann (CSU) gegen den Zuschuss.
Gerhard Zösch, der früher schon einmal an der Spitze des FC stand, stellte heraus, dass die CSU-Fraktion bei der Abstimmung keinem Fraktionszwang unterliegt. Er für seinen Teil hielt es für schlimm, wenn die FC-Sportanlagen an die Gemeinde zurückfallen würden, weil wieder Unterhaltungskosten auf die Gemeinde zurückschlagen würden und dadurch größerer Schaden verursacht würde. Auch hielt er es nicht für gut, wenn in Sand kein Fußball mehr gespielt wird. "100 000 Euro sind viel Geld. Aber wenn wir nicht helfen, muss jedem klar sein, dass die gute Jugendarbeit des FC kaputt ist", mahnte Gerhard Zösch.
"Wir müssen Schaden an der Gemeinde, vom Verein und vom gesellschaftlichen Leben in unserer Gemeinde abwenden", führte der Dritte Bürgermeister Paul Hümmer (SPD) an. Die Gemeinde sei in der Lage, den Baukostenzuschuss zu geben.
Bei der Abstimmung folgten die Sander Gemeinderäte mit 12:2 Stimmen dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Dieser sagt: Die Gemeinde gewährt einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro für die vom FC Sand in der Vergangenheit auf gemeindlichen Grundstücken geschaffenen Werte. Die Gemeinde behält sich indes vor, bei künftigem widerrechtlichen Handeln des Vereins diesen Zuschuss zurückzufordern.
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