Haßfurt
Rote Zahlen

Gehen für die Haßberg-Kliniken die Lichter aus?

Das Millionendefizit der Haßberg-Kliniken belastet den Landkreis und indirekt alle 26 Städte und Gemeinden im Landkreis. Die Angst geht um.
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Beim Rückblick auf das Jahr 2016 gibt es ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Monate zieht: die Zukunft der Haßberg-Kliniken. Und dieses Thema wird auch das Jahr 2017 prägen.


Schon vor Jahren Handlungsbedarf?

Ein Bürgermeister aus dem Landkreis formuliert es knallhart: Der Landkreis hätte schon vor Jahren einen Schnitt machen und sich von seinen Kliniken oder zumindest von Teilen davon trennen müssen. Dann hätte er jetzt die Probleme nicht, die den Landkreis und alle 26 Städte und Gemeinden im Landkreis belasten.

Das Problem ist das Defizit, das für die drei Häuser Haßfurt, Ebern und Hofheim jährlich aufläuft. Bis einschließlich 2014 lagen die roten Zahlen zusammen bei 3,6 Millionen Euro. 2015 kamen weitere drei Millionen Euro Verlust hinzu, und 2016 wird ebenfalls ein Jahr mit einem Minus von drei Millionen Euro. Auf Dauer ist eine solche Last für den Kreis mit seinem Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken nicht zu schultern - und auch nicht für die 26 Kommunen, die über die Kreisumlage, die sie jährlich an den Landkreis abführen müssen, das Defizit tragen.


Wieder auf Kurs?

Vor einigen Monaten wurden Maßnahmen bekannt, mit deren Hilfe das Kommunalunternehmen seine drei Kliniken wieder auf Kurs bringen will. Das Ende für das Haus in Hofheim wurde ebenso zur Diskussion gestellt wie die Schließung der Geburtshilfe-Station im Haus Haßfurt.

Gegen die Pläne, die Gynäkologie in Haßfurt aufzugeben, liefen vor allem die Hebammen Sturm. Sie betonen die familiäre Atmosphäre der Geburtshilfe in Haßfurt - ein Vorteil gegenüber anderen, größeren Häusern.

Der Protest zeigte Wirkung. Die Schließung der Gynäkologie wurde erst einmal vertagt. 2016 sollte auf keinen Fall mehr eine Entscheidung getroffen werden. Der Station wurde der Wunsch mit auf den Weg gegeben, dass eine Steigerung der Geburtenzahlen in Haßfurt die Station vielleicht retten könnte. In der Tat: Die Zahl der Neugeborenen kletterte. Erstmals seit 15 Jahren gibt es im Jahr 2016 weit über 400 Geburten.

Ob das hilft? Wünschenswert wären 500 Geburten (eine Zahl, die nicht zu erreichen ist). Noch besser wären 600 Geburten: Ab dieser Marke, so heißt es, könnte eine Geburtshilfe wirtschaftlich betrieben werden. Aber diese Zahl ist utopisch. Im kommenden Jahr fällt möglicherweise eine Entscheidung, wie es mit der Geburtshilfe-Station in Haßfurt weitergeht - oder auch nicht?

Als weiterer Vorschlag, der die drei Kliniken retten soll, wurde eine Spezialisierung für die Häuser in die Diskussion gebracht. Jedes Haus sollte sich auf eine besondere Aufgabe konzentrieren. Die Frage bleibt, wie es dann um die Grundversorgung stehen würde (Innere Medizin und Chirurgie) und ob eine Spezialisierung wirklich hilft. Die gibt es nämlich zum Teil schon, eben mit der Geburtshilfe sowie mit der Akutgeriatrie (Haßfurt).

Der eingangs erwähnte Bürgermeister meint, auf Dauer ist ein ländlicher Landkreis wie der Kreis Haßberge mit drei Krankenhäusern nicht realistisch.


Das neue Tierheim wächst

Ein weiteres Thema hat das Jahr 2016 beherrscht: Der Bau und der Betrieb eines neuen Tierheims für den Landkreis haben die Städte und Gemeinden sowie den Landkreis Haßberge selbst in den vergangenen Jahren erheblich gefordert.

Jetzt ist ein Ziel in Sicht: 2017 soll das Haus, das derzeit auf freiem Gelände zwischen Knetzgau und Zell direkt an der Autobahn errichtet wird, fertig und eröffnet werden. 2016 hatte der Bau begonnen.

Im April wurde der erste Spatenstich vollzogen. Dann tat sich erst einmal wenig auf der Baustelle, aber jetzt gewinnt das 1,7 Millionen Euro teure Bauwerk an Höhe. Das Dach ist mittlerweile auf dem Tierheim, das im wesentlichen aus zwei Baukörpern und einem Zwischenbau besteht.

Die Organisation des Baus und des späteren Betriebs ist allerdings alles andere als einfach. Die Rechtslage ist so: Die Fundtierbetreuung ist eine Aufgabe der Städte und Gemeinden. Weil im Landkreis nicht jede der 26 Kommunen ein Tierheim betreiben kann, einigten sich die Gemeinden und Städte mit dem Landkreis darauf, dass es der Kreis macht. Auch den Tierheimbau realisiert er. Der Kreis erklärte sich bereit, eine Million Euro für den Tierheimbau beizusteuern, die restliche Summe müssen sich die 26 Kommunen teilen. So läuft es jetzt.
Aber den Betrieb kann der Landkreis nicht übernehmen. Das müssen die Kommunen in eigener Regie tun. Dazu haben sie einen Zweckverband gebildet, der in den Dezembertagen gegründet wurde.


Kommunen zahlen Umlage

Dieser neue Zweckverband organisiert die Fundtierbetreuung. Betrieben wird das Tierheim zukünftig von der Tierschutzinitiative Haßberge, die ihren Sitz in Oberschwappach hat. Die Städte und Gemeinden im Landkreis zahlen jährlich eine Umlage von 1,20 Euro je Einwohner. Damit werden die Verwaltung des Zweckverbandes, die die Stadtverwaltung in Haßfurt übernimmt, und der Betrieb des Tierheims finanziert.


Im Landkreis wurde und wird eifrig gebaut

Baustellen gab es im vergangenen Jahr im Kreis Haßberge jede Menge. Zahlreiche Straßen und Wege wurden saniert und wieder freigegeben. Es ging auch in die Höhe: Gebäude wurden und werden teilweise noch errichtet. Millionen flossen in die vielen Projekte.

Einer der längsten und aufwendigsten Radwege wurde im Juli seiner Bestimmung übergeben: die über acht Kilometer lange Trasse zwischen Eichels-dorf und Ermershausen. Rund 4,7 Millionen Euro kostete der Radweg, der eine überregionale Bedeutung hat (Verbindung aus dem Maintal in die Rhön).

Die Arbeiterwohlfahrt eröffnete in Knetzgau ihr neues Seniorenheim. Es ist auf dem Gelände der Schule entstanden und verfolgt ein neues Konzept: Die Senioren leben in eigenen Hausgemeinschaften innerhalb des Gebäudes.

Das Stadtwerk Haßfurt nahm mit Greenpeace Energy eG die Power-to-Gas-Anlage im Haßfurter Hafen in Betrieb. Mit der Hilfe von Strom, der aus der Windenergie gewonnen wird, wird über die Elektrolyse der neue Energieträger Wasserstoff erzeugt.

Abgeschlossen wurden die Erweiterung und Sanierung der Realschule in Eltmann. 6,67 Millionen Euro flossen in vier Jahren in eine moderne Ausstattung und neue Räume.

Übergeben wurde der vierte Bauabschnitt im Zuge der Sanierung des Haßfurter Schulzentrums. Auf Jahre ist die Erneuerung des Komplexes angelegt.

Die Stadt Hofheim eröffnete ihr umgebautes und modernisiertes Freibad. In die Höhe wächst das neue Gebäude für das Amtsgericht in Haßfurt. 2016 war Richtfest, und im kommenden Jahr soll es fertig sein. ks


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