Ebelsbach

Gegen Geschäftsmacherei

Das kommunale Gremium in Ebelsbach sah sich einer ominösen Voranfrage auf Nutzungsänderung in ein Asylbewerberheim gegenübergestellt. Dem Antragsteller gehört das Gebäude gar nicht, der Besitzer wusste von nichts.
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Asylbewerber werden hier nicht untergebracht. Eine Nutzungsänderung wird es für das ehemalige Gasthaus Neeb nicht geben. Mit einer kuriosen Voranfrage hatte sich der Ebelsbacher Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch zu befassen. Die neue Besitzerin will in Steinbach den Gastronomiebetrieb, den ihr verstorbener Vater kaufte, Schritt für Schritt aufbauen.  Foto: Günther Geiling
Asylbewerber werden hier nicht untergebracht. Eine Nutzungsänderung wird es für das ehemalige Gasthaus Neeb nicht geben. Mit einer kuriosen Voranfrage hatte sich der Ebelsbacher Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch zu befassen. Die neue Besitzerin will in Steinbach den Gastronomiebetrieb, den ihr verstorbener Vater kaufte, Schritt für Schritt aufbauen. Foto: Günther Geiling
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Einen "kuriosen Antrag" stellte Bürgermeister Walter Ziegler (BNL) dem Ebelsbacher Gemeinderat bei seiner Sitzung am Mittwochabend in der öffentlichen Sitzung vor. Es ging um die Nutzungsänderung eines Gasthauses mit Metzgerei in Steinbach zu einem Asylbewerber-Wohnheim.

Der Knackpunkt bei der Sache: Der Antragsteller ist ganz offenbar nicht im Besitz des Grundstückes - der Eigentümer nicht gewillt, den Besitz zu verkaufen. Der Gemeinderat sprach sich nach eingehender Diskussion einstimmig dagegen aus, diesem Ansinnen das Einvernehmen zu erteilen.

Die Ankündigung der Tagesordnung für den Gemeinderat hatte schon im Vorfeld zu Gesprächen in der Bevölkerung geführt, weshalb die Geschichte auch öffentlich behandelt wurde. Die neue Besitzerin des Gasthauses war völlig überrascht worden, weil sie von dieser Voranfrage gar nichts gewusst hatte.
Wie sie auf Anfrage mitteilte, habe sie überhaupt nicht vor, das Gasthaus (ehemals Neeb) zu verkaufen. Im Gegenteil sei sie gerade dabei, wie sie sagte, das Gasthaus aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken.

Hintergründe

In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch informierte Mathias Strätz von der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebelsbach, dass der Antrag vorliege und auf Wunsch des Antragstellers behandelt werden müsse. Strätz sprach mit dem Antragsteller, der nicht im Landkreis Haßberge wohnt, und gab seinen Eindruck wieder: Möglicherweise geht es um das Erkunden der Atmosphäre in der Gemeinde für solch eine Nutzung.

Auch Strätz hatte bald herausgefunden, dass der eigentliche Eigentümer des Anwesens gar nichts von dem Antrag wusste.

Bürgermeister Walter Ziegler berichtete von seinem Hintergrundgespräch mit dem Landratsamt Haßberge. Laut Sachgebietsleiter Dieter Sauer gibt es nach dessen Kenntnis keinen Bedarf für ein Asylbewerber-Wohnheim, für genauere Informationen verwies Sauer an die Regierung von Unterfranken.

Auch dort wurde bestätigt, dass es im Moment keinen Bedarf gibt. Zudem komme Steinbach als Standort schon von der Größe her nicht in Frage, wie es hieß. Und Ziegler berichtete auch von seinem Gespräch mit der vollkommen überraschten Gasthaus-Besitzerin.

Einstimmig dagegen

Der Ebelsbacher Bürgermeister bilanzierte: "Ich verurteile es, wenn einer mit Asylbewerbern sein Geschäft machen will, etwas günstig kaufen und dies dann über Mieteinahmen schnell refinanzieren will. Deshalb schlage ich vor, dass wir diesen Vorbescheid ablehnen."

Der Steinbacher Gemeinderat Reinhold Strätz (BNL) berichtete noch von seinem Gespräch mit der Besitzerin. "Sie war den Tränen nahe, als ich ihr gesagt habe, was im Augenblick vorgeht. Sie versucht gerade, das Lokal wieder aufzubauen, will sich dabei nicht übernehmen und will Schritt für Schritt wieder das Landhotel den Gästen präsentieren. Auch ich habe nichts gegen Asylbewerber. Wenn aber einer kommt, der mit diesen nur ein Geschäft machen will, dann soll man das verhindern."

Ihr Unverständnis über solch einen Antrag formulierten ebenso Hedi Kraft und Christian Zehendner (beide CSU). Zehend ner, selbst Gastwirt und Winzer, empörte sich über solche, seiner Meinung nach, Rufschädigung. Bürgermeister Walter Ziegler erinnerte, dass Ebelsbach bereit war, das Schloss Gleisenau vorübergehend mit 40 Plätzen anzubieten. Dieses Angebot wurde nur für einen Notfallplan aufgenommen.

Wie das Bauamt im Landratsamt Haßberge auf Anfrage klarstellte, wird bei solch einem Antrag alleine das Baurecht geprüft und ob eine Umnutzung möglich ist - nicht, wer den Antrag stellt. Dies ist auch in der Bauordnung nirgendwo explizit festgelegt.
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