Haßfurt
Strafverfahren

Ganz schön viel Haschisch

Das Amtsgericht Haßfurt verhängte Freizeitarreste gegen einen 18-Jährigen wegen eines Drogendelikts.
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Foto: Andreas Gebert/dpa
Foto: Andreas Gebert/dpa
Zufrieden kann ein 18-jähriger Mann sein, der wegen eines Verstoßes nach dem Betäubungsmittelgesetz vor Gericht in Haßfurt stand. Unter Vorsitz von Richter Martin Kober wurde er von einem Schöffengericht zu zwei Freizeitarresten verurteilt. 73,6 Gramm Haschisch hatte die Polizei im August 2014 bei einer Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten gefunden.

Auf dem Balkon

Rechtsanwalt Jochen Kaller sagte, sein Mandant räume ein, dass das aufgefundene Haschisch ihm gehöre und er es zum Eigengebrauch verwenden wollte. Allerdings habe er mit Cannabispflanzen, die bei der Durchsuchung auf dem Balkon der Wohnung seiner Mutter gefunden wurden, nichts zu tun. Dazu wolle sich sein Mandat, da auch seine Mutter im Fokus der Ermittlungen stehe, nicht weiter äußern.

Der Kriminalhauptkommissar der Kripo Schweinfurt, der die Ermittlungen führte, erläuterte als Zeuge beim Prozess vor dem Amtsgericht Haßfurt, dass die Durchsuchung von Beamten der Polizei Haßfurt vorgenommen wurde. Auf Vorhalt des Verteidigers erklärte der Ermittler, dass dem Angeklagten die Hanfpflanzen auf dem Balkon nicht zugeordnet werden könnten. "Wer diese noch nicht reifen Cannabispflanzen angebaut hat, Mutter oder Sohn, kann ich nicht sagen", sagte der Rauschgiftfahnder dem Gericht.
Das Bundeszentralregister wies für den 18-jährigen Angeklagten nach den Worten des Richters zwei Einträge auf: wegen Unterschlagung und wegen eines Drogendelikts vom Juni 2014, wofür eine Geldauflage verhängt worden war.
Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe sagte, dass der Angeklagte von Seiten der Eltern (der Vater hatte Alkohol- und die Mutter Betäubungsmittelprobleme) hinsichtlich seines Drogenkonsums keine Hilfe oder vielleicht auch Kritik erfahren habe. Er könne erkennen, dass sich der Angeklagte beruflich stabilisiere und auch sinnvollen Freizeitaktivitäten nachgehe. "Schädliche Neigungen kann ich bei ihm nicht erkennen", sagte Franz Heinrich. Die Strafe nach Jugendrecht sollte mehr einen pädagogischen Ansatz habe, regte er an. Eine Betreuung hielt er eventuell neben zwei Freizeitarresten oder einem Kurzarrest für sinnvoll. Zu denken sei auch an ein Drogenscreening, mit dem der Angeklagte nachweist, dass er clean ist.

Die Plädoyers

Staatsanwalt Arno Ponnath folgte dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe im Wesentlichen. Ein Jahr Betreuungsanordnung forderte er in seinem Plädoyer; der Angeklagte solle auch seine Drogenabstinenz nachweisen. Er hielt zwei Freizeitarreste für angebracht. "Dem Angeklagten muss vor Augen geführt werden, wo sein Weg hinführt und dass er bei Anwendung von Erwachsenenstrafrecht mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu rechnen hätte", sagte der Staatsanwalt.
Der Verteidiger des Angeklagten hielt einen Freizeitarrest für angemessen. Die Kosten für einen eventuellen Drogenscreen sollte man ihm nicht auferlegen, und die Betreuungszeit wäre mit sechs Monaten ausreichend.
"Ich hoffe, dass sich das Urteil nicht nachhaltig auf meine Arbeit auswirkt", sagte der junge Mann in seinem letzten Wort.
Das Schöffengericht verurteilte den 18-Jährigen wegen Besitzes von Rauschgift in nicht geringer Menge zu zwei Freizeitarresten, sah aber von weiteren Auflagen ab. "Wir sind den moderaten Ausführungen von Staatsanwalt und Verteidiger gefolgt", sagte Richter Kober. Er vertrat die Meinung, dass der Verurteilte sein Leben in eigener Verantwortung in den Griff bekommen müsse, weshalb weder Betreuung noch Drogenscrenning angeordnet wurde. Das Urteil ist schon rechtskräftig.
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