Eltmann
Integration

Fußball ist die einfachste Sprache

Die SG Eltmann hat für fünf Flüchtlinge Spielerpässe beim DFB beantragt. In der neuen Saison unterstützen sie die erste und zweite Mannschaft. Das einzige Problem: die Verständigung. Doch auf dem Platz regelt sich das fast von allein.
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Die SG Eltmann hat für fünf Flüchtlinge Spielerpässe beantragt. Ab nächster Saison unterstützen sie die erste und zweite Mannschaft auf dem Platz.  Fotos: Lisa Kieslinger
Die SG Eltmann hat für fünf Flüchtlinge Spielerpässe beantragt. Ab nächster Saison unterstützen sie die erste und zweite Mannschaft auf dem Platz. Fotos: Lisa Kieslinger
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Fußballplatz der SG Eltmann, regnerisch, 26 Grad: Der 18-jährige Liban kommt mit dicker Jacke zum Training. Die Ärmel über die Hände gezogen. Die Jacke bis zum Kinn zugemacht. "Ist kalt", sagt der 18 Jährige in gebrochenem Deutsch. Liban ist noch nicht lange in Deutschland. Er ist aus Somalia geflohen. Ganz alleine. Ohne Eltern, ohne Freunde. Von dort ist er ganz andere Temperaturen gewohnt.

Bereits seit einigen Wochen trainiert Liban gemeinsam mit Ion, Madoun, Fillimon und Mahoun, vier weiteren Flüchtlingen, bei der ersten und zweiten Mannschaft der SG Eltmann mit. Untergebracht ist die bunte Truppe aus Somalia, dem Senegal, Eritrea, Kosovo und Syrien in verschiedenen Unterkünften in Eltmann. Entweder bei der Kinder- und Jugendhilfe St. Josef, in der Pension Maintal oder am Birkenbach. So verschieden die 18- bis 21-Jährigen sind, mindestens drei Dinge haben sie gemeinsam: Sie mussten ihre Heimat verlassen, ihre Familie und Freunde zurücklassen - und dann gibt es da noch die Liebe zum Fußball.

Gemeinsam mit den Eltmanner Spielern umkurven sie beim Training Hütchen, Rennen mit Bällen unter den Armen einen Parcours ab, machen Kraftübungen. Sie gehören schon fest zur Mannschaft dazu. In der neuen Saison, ab 2. August, dürfen sie dann richtig mitspielen. Voraussetzung: Die SG Eltmann musste für die fünf Spielerpässe beim DFB (Deutscher Fußball Bund) beantragen. "Die Jungs freuen sich, wenn sie richtig im Verband spielen dürfen und den Wettkampfcharakter spüren", meint der Leiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Josef in Eltmann, Martin Gehring.

Nicht nur für die Flüchtlinge ist diese Chance eine Bereicherung: "Viele Vereine beklagen einen sehr kleinen Kader. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen kann hier eine Linderung des Problems geschaffen werden", erklärt Gerald Makowski, stellvertretender Kreisvorsitzender des BLSV (Bayerischer Landessportverband). Und das bestätigt auch Günther Preissner: "In der Breite haben wir dadurch mehr Spieler. Und zwei von ihnen sind richtig gut, die könnte man sogar in der ersten Mannschaft einsetzen."

Am Ball sind die fünf absolut fit. Richtige Talente. "Sie bringen eine ganz andere Spielkultur in die Mannschaft. Und können am Ball teilweise mehr als so manch einer von uns", scherzt Maximilian Haus, Spieler der zweiten Mannschaft. Das Spielen in der Mannschaft müssen sie jedoch noch lernen. Und das könnte für den neuen Trainer Robert Tiako-Wirth und die Mannschaftskollegen mühsam werden, denn die Verständigung ist nicht immer einfach. "Das ist teilweise wirklich problematisch, besonders wenn es um Taktiken oder Spielzüge geht", sagt Preissner.

Bei den Aufwärmübungen schauen sich die Flüchtlinge viel von ihren Mannschaftskollegen ab: Ball in die Hand, runter auf den Boden, mit dem Kopf auf den Ball tippen und wieder nach oben springen. Und das immer wieder bis der Trainer ein Zeichen gibt. Das haben sie schnell verstanden. "Fußball hängt nicht von der Sprache ab.
Fußball kann jeder", meint Andreas Schröck, Kreisvorsitzender des BLSV. Deswegen können laut Schröck Flüchtlinge in diesem Sport besonders schnell integriert werden. Nach Angaben von Makowski haben neben der SG Eltmann auch der 1. FC Haßfurt sowie der TSV Wülflingen Flüchtlinge als Spieler aufgenommen.

Einige der Flüchtlinge haben in ihrer Heimat bereits Fußball in der Mannschaft gespielt, erzählt Gehring. "Auch wenn sie noch kein Deutsch sprechen, klappt die Kommunikation beim Fußball perfekt."

Bald kein Problem mehr

In ein paar Wochen ist die Sprachbarriere kein Problem mehr, ist sich Preissner sicher. "Die Jungs sind unheimlich ehrgeizig. Jede Woche merkt man, wie sich die Sprache verbessert", sagt der Eltmanner.

Vereinsarbeit, wie bei der SG Eltmann, und ein soziales Umfeld sind für Patrick Möhler, Asylsozialberater bei der Caritas in Haßfurt, für die Integration unabdingbar. "Wenn sie sich in einem Umfeld bewegen, das Deutsch spricht, dann lernen sie das viel schneller." Die Spielerpässe der SG Eltmann hält er für eine sehr gelungene Integrationsbemühung.
Gerade auf dem Land funktioniere die Integration am besten über Hobbys und Interessen. Gerald Makowski vom BLSV sieht Sport als eine gute Möglichkeit, Flüchtlinge zu integrieren. "Sport bietet mitunter die besten Chancen, unsere Weltoffenheit zu zeigen."

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