Limbach
Wirtschaft

Furnier aus Eltmann für die ganze Welt

Der Handel mit Furnier begann für die Firma Bühl 1975 in Limbach, von dort aus wuchs das internationale Geschäft.
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Vater und Sohn: Hans und Frank Bühl (von links) in den Räumen der ehemaligen Diskothek auf ihrem Firmengrundstück. Heute wird der Platz als Lager für Furnier genutzt. Fotos: Andreas Lösch
Vater und Sohn: Hans und Frank Bühl (von links) in den Räumen der ehemaligen Diskothek auf ihrem Firmengrundstück. Heute wird der Platz als Lager für Furnier genutzt. Fotos: Andreas Lösch
Wer sich über 40 Jahre lang im Geschäft halten kann, der schafft es auch die nächsten 40 Jahre. Oder? Von wegen. "Wir müssen uns ständig neu erfinden", sagt Hans Bühl. Dem Chef der "Bühl GmbH Furniere und Hölzer" wird aber trotzdem nicht bang.

Zu oft schon musste er beweisen, dass er genau das gut kann: Erkennen, was der Markt (noch oder als nächstes) hergibt, ungewöhnliche Geschäftsfelder erschließen, die so gar nichts mit dem Kerngeschäft Holz zu tun haben, und den Überblick behalten. Klein anfangen, groß rauskommen, dran bleiben. So lässt sich grob der Werdegang des 64-Jährigen und seiner Firma zusammenfassen, die er im Dezember 1975 in Limbach gegründet und die heute 16 Mitarbeiter hat.

Die Geschäftsidee umgesetzt, kam auch gleich die Familienplanung dran.
Im darauf folgenden Mai wird sein ältester Sohn Frank geboren, und der mischt mittlerweile selbst mit: Geschäftstüchtig, umtriebig, und mit dem Gespür für Markttrends, wie Hans Bühl festgestellt hat. Heuer feiert der Sohn sein 25. Arbeitsjubiläum im Familienunternehmen. Vom Lehrling (Außenhandelskaufmann) ist er über die Jahre bis in die Geschäftsführung aufgestiegen, wie auch seine beiden jüngeren Geschwister. Der 40-Jährige wusste früh, dass er im eigenen Betrieb gut aufgehoben ist: "Ich kann sagen, ich habe mein ganzes Leben schon mit Furnier zu tun."

Das hilft dann nämlich schon dabei, sich in in einem nicht ganz einfachen Geschäftsfeld zurechtzufinden, nachdem der Furnierboom der ersten zwei Dekaden abgeflacht war. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 und im Zuge dessen wegfallende Kunden etwa in Spanien, Portugal und Griechenland taten ihr Übriges.


Große Lager: Gut fürs Geschäft

Geht es der Firma Bühl deswegen schlecht? Nein, man müsse sich halt zu helfen wissen, erklärt Frank Bühl. Wenn man heutzutage Furnier verkaufen wolle, müsse man wissen, was die Kunden morgen wollen, aber es schon seit gestern auf Lager haben. Das sagt er und lacht, dabei ist es gar kein Scherz: Gerade mit üppiger Lagerhaltung und der damit verbundenen schnellen Verfügbarkeit der Produkte punktet der Furnierhändler bei den Kunden. Was nicht leicht ist, denn einlagern für die Großindustrie heißt: Man braucht viel Platz.

Den hat das Unternehmen, seit es in den 1980er Jahren wegen seines großen Wirtschaftswachstums schrittweise in das Industriegebiet nach Eltmann umgezogen ist. 30 000 Quadratmeter stehen zur Verfügung, 10 000 davon nehmen überdachte Lagerplätze ein. Jeden Tag kommen rund 40 Lastwagen, liefern an oder holen ab.
Und dabei geht es längst nicht mehr nur um millimeterdünn geschnittenes Holz, sprich Furnier. Denn andere, große und stetig gewachsene Unternehmen kennen das Platz- und Lagerproblem. So knüpften die Bühls Kontakte zu anderen Firmen in der Region und boten ihnen Lagerplatz an. Coca Cola in Knetzgau etwa hat in Eltmann Getränkechargen stehen, die von dort aus an Supermärkte gehen. Die Lagerlogistik dazu hält federführend Frank Bühl in den Händen. Auch die Fränkischen Rohrwerke aus Königsberg nutzten die Bühlschen Kapazitäten im Eltmanner Industriegebiet bereits.

Firmenjubilar Frank Bühl sagt, dass er sich früh daran gewöhnt habe, nicht nur in eine Richtung zu denken. So war er zum Beispiel schon mal Geschäftsführer einer Diskothek. Die hatte sein Vater damals auf dem Firmengelände bauen lassen. Das sei dem außergewöhnlichen Baustil des Hauptgebäudes geschuldet gewesen, das als Octagon angelegt ist: Es waren noch einige Räume frei.


Zum Tanzen ins Industriegebiet

Laute Musik im unbewohnten Industriegebiet, das verträgt sich doch gut? Ganz genau, und so wurde dann auch der Tanzschuppen weitläufig als Octagon bekannt, in den 1990er bis in die 2000er Jahre hinein eine angesagte Adresse, erinnert sich Frank Bühl. Er zog sich jedoch aus dem Disco-Geschäft zurück und übergab den Laden einem Pächter. Lange ging das nicht gut. Das Octagon musste seine Pforten schließen. Die Einrichtung der Großraum-Disco ist heute noch vorhanden, mittlerweile aber lagert tonnenweise Furnier in den Räumen, wo vor Jahren zu lauter Musik getanzt wurde.

Die Wände sind bunt bemalt, der Ausschank funktioniert (technisch) noch, aber das hauchdünn geschnittene und schichtweise aufgestapelte amerikanische Eichen-Furnier liegt davon unbeeindruckt einfach so da. Wieder lacht Frank Bühl. Es juckt ihn offenbar ein wenig in den Fingern wegen der Diskothek: "Vielleicht mache ich sie noch einmal auf", sagt er. Wer gestern schon weiß, was Kunden morgen wollen, dem geht so ein Satz leichter über die Lippen.
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