Ebern

Finstere Gesellen, echte Ritter und neuer Graf belagern Ebern

Die Uhren ticken in Ebern mitunter nicht nur langsamer oder anders, sondern wurden für zwei Tage um Jahrhunderte zurückgedreht.
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Foto: Barbara Herbst
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Zurückgedreht in Zeiten, da sich die Bürgerstadt eigentlich dem Fürstbischof verschrieben hatte und sich gegen die Reichsritterschaft ringsum zur Wehr setzte und der Eberner Haufen auch schon mal auszog, um die Herrensitze zu brandschatzen.

Allerlei honorige Edelmänner, aber auch Gesindel tummelten sich am Wochenende zwischen Gänse- und Diebsturm beim fünften Mittelaltermarkt entlang der Stadtmauer.

Ritter, Wahrsager, Marketenderinnen, Musici, gar wüste Gesellen darunter. Aber allesamt freundlich und friedfertig, wie sie Türmer Armin Dominka begrüßte.

Er stieß damit mit Bürgermeister Jürgen Hennemann ins gleiche Horn, der mit seinem Magistrat die Ratsfrauen in schöne Tücher gewandet fand.

Er begrüßte die ehrbaren Besucher wie auch das Gesindel zum Feuer wie vor einigen hundert Jahren zwischen den Türmern und hinter den Mauern unserer Stadt und empfahl: "Haut Euch den Wamst voll." Auch mit frischen Pilzen und nicht nur den giftigen. Als Qualitätsmerkmal gelobte er, dass "alle von der Obrigkeit geprüft worden sei.

Der Magistrats-Herr selbst schlupfte ins Bettlergewand und bat um Spenden, damit das Stadtsäckel nicht allzu sehr belastet werde, da hieraus auch noch all die Vasallen entlohnt werden müssten, die daheim hungrige Mäuler zu stopfen hätten. Des Bürgermeisters Bitte: "Lasset den ein oder anderen Gulden springen."

Die historischen Gruppen, die ihr Lager im Wolz'n-Garten wie auch an der Stadtmauer aufgeschlagen hatten, kamen aus Bamberg, Bayreuth, Altenstein, Ebelsbach, Rothenburg und Fürth und Westheim, die am Samstagabend ein Mitglied auch noch in den Grafenstand erhoben. Und auch der Eberner Lützel wurde befördert.

Der Mittelaltermarkt, mitunter auch schon als kleines Altstadtfest für Einheimische betitelt, nahm am Samstag einen zähen Auftakt. Bei früheren Veranstaltungen waren schon weit mehr Besucher gezählt worden, weswegen die Stände zumeist schon ab 20 Uhr geschlossen waren.

Was die Musiker des Terziums Laszivums, ein Name, bei dem der Bürgermeister an die Grenzen seiner Latein-Kenntnisse stieß, nicht davon abhielt, im Freigang für mächtig Stimmung zu sorgen und die die Knoblauch-Schwaden zu vertreiben.

Ob des schöneren Wetters war der Zulauf des einfaches Volkes und sämtlicher Untertanen aber weit größer, wobei keiner vor dem Tor der Stadt, dem Grauturm darben musste, da die Gastfreundschaft gar mit Abgesandten aus Feindesland gepflegt wurde.

Und da schon unmittelbar neben zwei früheren Verliesen gefeiert wurde, offenbarte die Stadt auch einen Blick in ihre Unterwelt - in die weit verzweigten Kelleranlagen unter dem Marktplatz.

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