Holzhausen in Bayern
Silvester

Feuerwerk ist garantiert

In Holzhausen bei Familie Wagner wird ausgerechnet heute geheiratet. Schon die Oma des Bräutigams hat sich am letzten Tag des Jahres getraut.
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Gertud Wagner zeigt ihr Hochzeitsfoto, das Sylvester 1949 aufgenommen wurde. Ihr Enkel Wolf und seine Braut Kathrin machen es ihr nach und treten heute vor den Traualtar. Foto: privat
Gertud Wagner zeigt ihr Hochzeitsfoto, das Sylvester 1949 aufgenommen wurde. Ihr Enkel Wolf und seine Braut Kathrin machen es ihr nach und treten heute vor den Traualtar. Foto: privat
Wer seine Hochzeit an Silvester feiert, braucht sich um eines schon mal nicht zu kümmern: das Feuerwerk. Trotzdem ist dieses Datum als Heiratstag eher selten. Bei Familie Wagner aus Holzhausen ist das etwas anders. Einst schritt die heute 86-jährige Gertrud Wagner an diesem besonderen Tag vor den Traualtar. Und heute tritt ihr Enkel Wolf mit seiner Braut Kathrin in die Fußspuren der Großmutter. Die Oma erinnert sich gerne an früher und die beiden jungen Brautleute verraten uns, warum sie sich ausgerechnet diesen Tag ausgesucht haben.

21 Jahre alt war Gertrud damals, als sie am 31. Dezember 1949 ihrem Walter, der neun Jahre älter war, das Ja-Wort gab. Für das Hochzeitskleid wurde Meterware beim Stoffladen Russ in Haßfurt gekauft. Und dann schneiderte eine Frau aus dem Dorf nach allen Regeln der Kunst das schneeweiße Hochzeitskleid.
Bezahlt wurde alles mit Schinken, Fett, Mehl und Eiern - was man auf einem Bauernhof eben so hatte, erzählt die heute vierfache Urgroßmutter leutselig.

Damals, plaudert sie weiter, war es nicht selbstverständlich, in Weiß zu heiraten. Bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts traten die Bräute in Holzhausen in Schwarz vor den Altar. Und auch später legten diejenigen, die bereits ein Kind hatten oder sichtbar schwanger waren, ein schwarzes Hochzeitskleid an. Für die Feier selber nutzten die Hochzeiter die gute Stube, vorher wurde eine Sau geschlachtet und traditionell gab es als Hochzeitsessen Rindfleisch mit "Merch". Eingeladen war erst mal nur die Verwandtschaft, die Freundinnen kamen am nächsten Tag zum Kaffeetrinken.

Kurz nach der Hochzeit zog dann die junge Gertrud zu ihrem Walter - genau in das übernächste Haus. Damit hatte sich wieder mal der alte Spruch bewahrheitet: "Heierst übern Mist, so weißt du, wen du kriegst!" Aber warum wählten sie damals den letzten Tag im Jahr, den man noch "Altjahrsabend" nannte? Die Antwort auf diese Frage erschließt sich beim Blick auf die Wochentage.

Hochzeitstag wird nie vergessen

Es war zu dieser Zeit üblich, an einem Samstag zu heiraten. Und der Silvestertag des Jahres 1949, man ahnt es - war ein Sonnabend. An diesem Hochzeitstag, erinnert sich Gertrud, habe ihr angetrauter Mann zu ihr gesagt: "Wenn wir mal goldene Hochzeit feiern, ist Jahrtausendwende." Tatsächlich wurde dieser Blick in eine ferne Zukunft Wirklichkeit und die beiden feierten in guter Verfassung ihr 50-jähriges Ehe-Jubiläum.

Gerne führen der Enkel Wolf und seine aus Eschenau stammende Kathrin diese kleine Familientradition fort. "Für uns", betonen beide, "ist das einfach ein schönes Datum." Seit ihrem gemeinsamen Abitur vor sechs Jahren sind die beiden ein Paar und haben sich im Laufe dieses Sommers ganz offiziell verlobt. Und da sie in diesem Jahr unbedingt heiraten wollen und an Silvester üblicherweise sowieso mit Freunden feiern, waren sich die jungen Leute schnell einig. Vorteilhaft, fügt schmunzelnd der Bräutigam hinzu, sei sicher, dass man seinen Hochzeitstag garantiert nicht vergesse.

Denjenigen, die sich vielleicht im kommenden Jahr mit ähnlichen Gedanken tragen, geben sie einige Tipps. Vor allem, sagen sie, muss man rechtzeitig, und das heißt frühzeitig, anfangen zu planen.

Nachdem Mitte des Jahres die Entscheidung getroffen war, haben sie bei verschiedenen Standesämtern angefragt - und etliche Absagen kassiert. Spontan zugesagt hat dann der neue Riedbacher Bürgermeister Bernd Fischer. Deshalb wird die standesamtliche Trauung vormittags in Mechenried über die Bühne gehen.

Baum pflanzen, Haus bauen ...

Unmittelbar daran anschließend geht es um 13 Uhr in die Heilig-Kreuz-Kirche in Holzhausen. Die Gäste erwartet hier eine weitere Besonderheit. Weil Kathrin evangelische Theologie in Erlangen und Neuendettelsau studiert, bringt sie ihre eigene Pfarrerin mit. Mit ihrer Mentorin Bianca Schnupp verbindet sie ein inniges Verhältnis.
Nachgefragt, ob sie - wie einst der Opa von Wolf - auch einen Ausblick in die Zukunft wagen, zögern beide erst mal. Aber dann nimmt sich Kathrin ein Herz und sagt, dass sie als Pfarrerin gerne auf dem Land im Fränkischen bleiben würde. Und auch nichts gegen zwei bis drei Kinder hätte. Ihrem Wolf dagegen sitzt der Schalk im Nacken, als er sagt: "Einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, einen Sohn zeugen!"



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