Eltmann
Benefizkonzert

Fast 6000 Euro aus den Haßbergen für die Philippinen

In einer gebündelten Aktion spendeten junge Menschen, die Stadt und die Pfarrei Eltmann sowie die Schülermitverwaltung des Eberner Friedrich-Rückert-Gymnasiums sowie "I have a dream" aus Kirchlauter.
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Die "Dynamic Soxxs" aus Schweinfurt legten einen flotten HipHop auf die Bühne in Eltmann.  Fotos: Günther Geiling
Die "Dynamic Soxxs" aus Schweinfurt legten einen flotten HipHop auf die Bühne in Eltmann. Fotos: Günther Geiling
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"Franken for Philippines" - Es war ein spontaner Gedanke für ein Benefizkonzert, und fiel die Bilanz ordentlich aus. Die Stadt Eltmann und engagierte Gruppierungen aus dem Landkreis leisten Hilfe auf den vom Taifun verwüsteten Philippinen: Es kamen nahezu 6000 Euro zusammen.

Für Verwandte und Landsleute

Mit einer Benefizveranstaltung wollten junge Philippinos aus dem Haßberg-Kreis Verwandte und Landsleute im Pazifik unterstützen, die durch den Taifun Haiyan ihr Hab und Gut und manche ihre Familie verloren. Junge Künstler aus der Region - auch ein Künstler aus München - traten ohne Gage auf.

Ein Film über den "Supertaifun" wühlte eingangs die Gefühle der Besucher in der alten Turnhalle auf der Mainhalbinsel auf. Es war der stärkste Sturm bislang, es gab 5260 Todesopfer. Mit 380 Stundenkilometern brauste der Wind über die Region. Doch wie die Palmen und die Natur sind auch die Menschen dort letztlich unzerstörbar, die Botschaft des Films lautet: "Am Ende ist Wind und Wasser nicht das Ende der Geschichte."

Etliche Philippinos im Landkreis Haßberge kommen aus dem weniger betroffenen Norden des Landes. An diesem Abend zu Gast in Eltmann war Liza aus Kerbfeld. Sie kommt aus dem Süden, wie sie unserer Zeitung erzählte , wo der Taifun hauste. Seit 15 Jahren lebt Liza hier, es kostete sie viel Kraft und Mut über sich und ihre Familie zu erzählen. Sieben Geschwister waren sie. Auf den Philippinen leben noch ein Bruder und drei Schwestern:

Wochen der Ungewissheit

"Unser Haus stand direkt neben dem Wasser am Meer in Tacloban, wo der Taifun mit den größten Schaden anrichtete. Ich habe erst vor eineinhalb Wochen das erste Mal mit meiner Familie Kontakt gehabt und lebte hier im Ungewissen, ob überhaupt meine Mutter und meine Geschwister noch leben."

Vor wenigen Tagen erst hat sie dann noch einmal über das Handy zwei bis drei Minuten Kontakt gehabt. Noch immer weiß sie nicht wirklich, was ihrer Familie am 8. November widerfuhr. "Wir hatten dort eines der Holzhäuser, und meine Geschwister harrten dort aus, bis das Wasser schon über die Knie ging. Dann konnten sie zum Glück noch flüchten und wohnen seitdem in einem kleinen Reihenhaus aus Stein, in das sie evakuiert wurden. Von unserem Haus am Meer ist nichts mehr übrig geblieben. Gott sei Dank leben noch alle."

Bislang ist der Kontakt zur Mutter sehr schwierig, fast unmöglich, weil die Stromversorgung fehlt, wie sie berichtet, und man alleine zehn Minuten laufen muss, um für kurze Zeit sein Handy aufladen zu können.
Die Hilfsbereitschaft der Besucher und Gäste war offenbar. Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) meinte, dass ihm nach solchen Bildern die Worte fehlten.

Er fand es stark, dass Philippinos hier eine Benefizveranstaltung planten und damit ihre Verbundenheit zu ihren Verwandten und Freunden auf den Insel zeigten. "Inzwischen sind Philippinos auch ein Teil von Eltmann, lebten hier, laden zu vielen Veranstaltungen ein, und deswegen spendet auch die Stadt für diese Aktion 1000 Euro. Natürlich ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir danken euch für dieses Engagement und lasst in eurem Bemühen nicht nach. Es gibt keine ,Dritte Welt‘, sondern nur eine Welt, auf der wir leben dürfen."

Weitere Spender

Klaus Förtsch von der Kolpingsfamilie reihte sich in den Reigen der Spender ein und übergab ebenfalls 1000 Euro. Das Geld kommt aus den Altkleider-Sammelaktionen von Kolping Eltmann im Frühjahr und Herbst. Die "IHADG"-Group ("I have a Dream"), Kirchlauter, übergab 500 Euro. Ihr Leiter Dominik Baum erinnerte an ihr Vorbild Martin Luther-King. Die sozialpolitisch interessierte Jugendgruppe spendete in den letzten beiden Jahren schon über 5000 Euro, sie hat ein Patenkind in Afrika und unterstützt ein SOS-Kinderdorf.

Johanna Kaiser aus Eltmann, deren Mutter Teresa Philippina ist wie die Mitorganisatorinnen Karin und Diana Hornung, arbeitet in dieser Gruppe aktiv mit. Das Geld stammt aus dem Verkauf bei den Weihnachtsmärkten in Rabelsdorf und Kirchlauter.

Aus Ebern fanden sich Mitglieder der Schülermitverantwortung des Friedrich-Rückert-Gymnasiums ein. Ihre Nikolausaktion brachte 600 Euro. Jan Batzner, Nele Thomann und Lukas Mittelstaedt überreichten für ihre Mitschüler diese Spende.

Überhaupt nahm vor allem die Jugend großen Anteil an diesem Benefizabend und auch die Akteure auf der Bühne stellten sich in den Dienst der guten Sache. So zeigte die Hip-Hop-Formation "Dynamic Soxxs" der Tanzschule Pelzer aus Schweinfurt ihre neuesten Tanzkreationen. Die Süddeutschen Meister der vergangenen Jahre hoffen 2014 auf einen Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft.

Aus Haßfurt waren die "Maintales" auf der Bühne. Sie haben sich mit kritischen Texten, etwa über Alkohol, einen Namen gemacht als Deutsch-Rapper. Ebenso begeisterte "Dopewalka" aus München - Geheimtipp in der Reggae-Szene.

Die beiden Familien, Diana Hornung mit ihrer Tochter Karin aus Eschenbach und Teresa Kaiser mit ihrer Tochter Johanna, die auch als Moderatorin durch das Programm führte, zeigten sich glücklich über die Unterstützung der Sponsoren und Gäste beim Benefizkonzert. Teresa Kaiser versicherte, dass jeder Euro ohne Verwaltungsgebühren bei Betroffenen ankomme.

Einen Teil des Geldes wolle man einigen Familien direkt über eine Bank in Cebu zukommen lassen, und den anderen Teil soll ein Pfarrer bekommen, der schon hier in Eltmann bei Gottesdiensten mitwirkte und dort in seiner Pfarrei die Not am besten beurteilen könnte.

Natürlich gab es für die Gäste auch philippinische Spezialitäten wie die leckeren Frühlingsrollen und Nudelgerichte sowie philippinisches Bier.


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