LKR Haßberge
Geburtenshilfe

Familienglück hausgemacht in Haßfurt

Für Familie Marek aus Bundorf wäre eine Schließung der Geburtshilfestation in Haßfurt unfassbar. Alle vier Kinder der Familie sind dort geboren.
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Familie_Marek ist eine von vielen, die sich in der Geburtsstation in Haßfurt richtig wohl gefühlt hat: Miriam Marek (rechts) aus Bundorf mit Mann Bernd und den Kindern Ronja, Lilli, Hanna und Fabian - alle in Haßfurt geboren. Würde die Geburtshilfe geschlossen werden, wäre die vierfache Mutter erschüttert.  Foto: Johanna Eckert
Familie_Marek ist eine von vielen, die sich in der Geburtsstation in Haßfurt richtig wohl gefühlt hat: Miriam Marek (rechts) aus Bundorf mit Mann Bernd und den Kindern Ronja, Lilli, Hanna und Fabian - alle in Haßfurt geboren. Würde die Geburtshilfe geschlossen werden, wäre die vierfache Mutter erschüttert. Foto: Johanna Eckert
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Kreis HaßbergeDie Geburtshilfe der Haßberg-Klinik steht scheinbar kurz vor dem Aus. Miriam Marek aus Bundorf ist begeistert. Natürlich nicht von den Schließungsplänen des Verwaltungsrates. Die 32-Jährige durfte in Haßfurt ihre vier Kinder zur Welt bringen - drei Mädchen und den kleinen Fabian. "Echt genial", so ihr Fazit zu dem, was ihr die Hebammen und Schwestern der Geburtsstation geboten haben.

Sollten die ausgebildeten Hebammen künftig als Pflegekräfte eingesetzt und der Ankunftsstation der haßbergischen Erdenbürger aufgrund roter Zahlen für immer der Riegel vor die Tür geschoben werden, wäre die mehrfache Mutter "absolut erschüttert".


In den letzten Jahren renoviert

Erst im Jahr 2011 wurde der Kreißsaal in der Geburtshilfe renoviert.
Anfang des Jahres 2016 konnte das Kinderzimmer, in dem gewickelt, gestillt und gebadet wird, nach der Renovierung eröffnet werden. "Ich frage mich schon, warum man ewig viel Geld reinsteckt und dann so etwas wieder schließen will", so Miriam Marek. "Das muss man doch vorher wissen. Das wäre jetzt rausgeschmissenes Geld", kommentiert sie die Sachlage.

Im Jahr 2014 konnte sie ihren Sohn Fabian im modernen Kreißsaal in Haßfurt zur Welt bringen. Ergänzt wird das Angebot der Geburtsstation durch eine Gebärwanne, große und verstellbare Betten sowie die Möglichkeit, in verschiedensten Positionen zu gebären. "Haßfurt ist spitze!", ist Miriam Marek überzeugt. Sie schätzte die Privatsphäre während der Geburt genauso wie das gemeinsame Frühstückbuffet mit anderen Wöchnerinnen auf der Station.

Und: Weil sie nicht aufgefordert wurde, das Krankenhaus wenige Tage nach der Geburt wieder zu verlassen, saß sie mit dem Milcheinschuss nicht hilflos in den eigenen vier Wänden.

Als die Nachricht der geplanten Schließung die Haßfurter Hebammen ereilte, waren sie gerade dabei, Bilder und Wandtattoos auszusuchen, um das neue Kinderzimmer gemütlich einzurichten. "Um die Räume, die derzeit frisch renoviert und auf dem neuesten Stand sind, in Zukunft anderweitig zu nutzen, müssten diese wiederum komplett umgebaut werden", sagt Petra Schor aus Ebern, eine der zehn betroffenen Hebammen.


Intensive Betreuung

Wenn sie im Dienst und gerade mal keine Frau zur Geburt im Kreißsaal ist, betreut sie intensiv Schwangere und Wöchnerinnen. Beratung, Akupunktur und CTG-Kontrollen bekommen die mit Baby im Bauch; Betreuung beim Stillen und der Säuglingspflege die mit Baby im Arm. "Vor allem im Nachtdienst unterstützen wir auch die Schwestern auf der Station. Wir haben eine gute Zusammenarbeit", erklärt Petra Schor ihren Arbeitsalltag, bei dem gezielt viel Zeit bei den Müttern hängen bleibt.

"Alle Hebammen sind freundlich und hilfsbereit. Es ist faszinierend, sie müssen ja so viel wissen", empfindet Miriam Marek, "kein Beruf, sondern eine Berufung, das passt zu jeder einzelnen."


Risiko für Mutter und Kind

Wenn die Geburtshilfe in Haßfurt geschlossen werden würde, würde man aus manchen Gebieten im Landkreis Haßberge keinen Kreißsaal in weniger als 30 Minuten Fahrzeit erreichen. Das birgt ein Risiko für Kind und Mutter. "Wäre Haßfurt nicht gewesen, hätte ich eines meiner Mädchen im Auto gebären müssen. Manchmal geht das ja dann doch sehr schnell", erinnert sich Miriam Marek aus Bundorf. Nach Schweinfurt ist sie fast eine dreiviertel Stunde unterwegs. Coburg und Bamberg sind auch nicht näher.

Dort übrigens leiden die Kliniken jetzt schon an Überlastung. Laut dem bayerischen Hebammenverband haben viele Häuser einen enormen Geburtenanstieg zu verzeichnen und die räumlichen als auch personellen Belastungsgrenzen erreicht. Mit einem Aus für Haßfurt würden sich die jährlich 360 Geburten auf diese überlasteten Häuser in Schweinfurt, Bamberg und Coburg aufteilen. Für Miriam Marek unverantwortlich: "Es entsteht Stress. Die Atmosphäre passt nicht. Es passieren Fehler", befürchtet sie.
"Auf dem Land wird alles dicht gemacht. Die großen Häuser werden gefördert, in welchem man kaum einen Platz bekommt. Es geht hier nur um Profit und nicht um das Wohl der Menschen."
Ist erst mal die Geburtshilfe aus Haßfurt verschwunden, werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Hebammen zurückziehen. Damit geht es der Nachsorge der Mütter im Landkreis an den Kragen. "Hebammen, die in Haßfurt angestellt sind, kommen teilweise aus dem Bamberger Raum und unterstützen die ortsansässigen Kolleginnen bei der Betreuung der Mütter vor Ort", erklärt Petra Schor, "wenn diese nicht mehr in Haßfurt sind, dann ist die flächendeckende Versorgung durch Hebammen zur Unterstützung junger Familien im Landkreis Haßberge sicherlich nicht mehr gewährleistet."



 
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