Die Wurzeln der jüdischen Familie Löbl, die heute auf der britischen Insel beheimatet ist reichen bis in die Marktgemeinde Maroldsweisach. Nachfahren der Familie von Luis Schloss besuchten jetzt Maroldsweisach, wo ihr Stammhaus stand, das ehemalige Sparkassengebäude.
George Löbl, seine Frau Eve, Tochter Monica Stern und Schwiegersohn Gerald Stern befinden sich einige Wochen in Deutschland auf einer Forschungsreise, um die Spuren ihrer Vorfahren zu finden. Am Wochenende will auch Sohn Peter mit Familie nachkommen.
Bürgermeister Wilhelm Schneider (CSU) stellte den Gästen aus Newcastle in England, die von der Judenforscherin Cordula Kappner begleitet wurden, historisches Material aus dem Besitz der Gemeinde zur Verfügung.

Bamberger Großfamilie


Die Vorfahren des heute 85-jährigen George Löbl stammen alle aus dem Hause Schloss. Löbl berichtete über die Geschichte seiner Großfamilie, die bis 1939 in Bamberg wohnte und die damals bekannte Firma Löbl betrieben. Bis zur Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 dachte laut George Löbl niemand in der Familie daran, dass man einmal derart unter Hitlerdeutschland zu leiden hätte. Löbl erzählte, dass drei seiner Onkels im Ersten Weltkrieg sogar mit dem Verdienstkreuz EK I ausgezeichnet wurden und sich als Deutsche fühlten.
In der Nacht, als die Synagoge in Bamberg brannte, wurde es allen Juden bewusst, in welcher Gefahr sie lebten. Die drei Söhne von Familie Löbl, Willi, Rudolf und Günter (heute George) waren bereits in Amerika und England in Sicherheit gebracht. Nun mussten auch die Eltern ihre Heimat verlassen, wollten sie nicht in die Hände der Schergen gelangen und umkommen.
Die beiden Großmütter Karoline Löbl und Betty Fried wurden damals im Konzentrationslager Theresienstadt umgebracht. Auch weitere Familienmitglieder überlebten die Hitlerherrschaft nicht. Nach einem halben Jahr in Angst und Furcht gelang es Vater Fritz mit seiner Frau Elsa, am 7. März 1939 nach England zu fliehen.
Nach dem Krieg wurde George Löbl in London Diplomingenieur und übernahm 1953 mit Bruder Rudolf das Familienunternehmen. Aus London brachte er auch seine Frau Eve mit nach Newcastle, als Souvenir", wie Löbl scherzhaft sagte.

Die Domstadt gerettet


George Löbl erzählte abschließend noch eine besondere Begebenheit. Bruder William, früher hieß er Willi, war 1945, als sie Bamberg, seine alte Heimat, einnahmen, Frontsoldat der Amerikaner. Als die Armee von Hallstadt kommend in Bamberg einrückten, schrie eine Frau aus einem Fenster, "Dös ist doch unser Willi". Das ehemalige Dienstmädchen von Familie Löbl, Kuni Lieb hatte William Löbl wieder erkannt.
William fand trotz allem Bösen, das seiner Familie widerfahren ist, seine Heimatstadt viel zu schön, als dass sie bei Angriffen hätte zerstört werden dürfen. Da er deutsch konnte, schaltete er sich in die Verhandlungen ein, damit Bamberg ohne Blutvergießen Bamberg eingenommen werden konnte.