Schritt für Schritt, Stufe für Stufe, Stein für Stein - wer die Winzertreppe in den Weinbergen bei Steinbach erklimmt, muss einiges leisten. Der schmale Pfad kostet Kraft. "Ein bisschen anstrengend" war es schon, gesteht Hannelore Baumann.

Die Gaustadterin hat die Winzertreppe gemeistert. Die Gruppe, in der sie lief, wurde immer langsamer. "Dann ging's", sagt sie, und "zwischendrin sind wir in einen Stau geraten". Der hat auch geholfen, neuen Atem zu schöpfen. Jetzt kann sich Hannelore Baumann gut vorstellen, wie schwer die Arbeit der Winzer ist - und vor allem in früheren Zeiten war. "Wenn man das mehrfach am Tag laufen muss."

So wie Hannelore Baumann haben alle anderen aus der großen Gruppe, die am Samstag in den Weinbergen zwischen Zeil und Steinbach unterwegs war, die Winzertreppe geschafft. Die Gruppe waren etwa 120 Leser des Fränkischen Tages aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Zeitungsgruppe. Sie absolvierten eine etwa zehn Kilometer lange Tour, die am Weingut Bauerschmitt in Ziegelanger startete, durch die Weinberge in Richtung Steinbach und über die Winzertreppe auf die Höhenzüge hoch über dem Maintal führte. Weiter ging es zur Ruine Schmachtenburg und zum Zeiler Käppele, ehe mit einer Stadtführung (in drei Gruppen) in Zeil und einem guten Schoppen im Weingut Bauerschmitt in Ziegelanger die Tour endete.

Die Teilnehmer bewegten sich nicht nur in herrlicher Landschaft. Sie lernten auch einiges über den Wein und die Tätigkeit der Winzer kennen. Martin Bauerschmitt, diplomierter Weinbau-Ingenieur aus Ziegelanger, führte die Tour und erzählte den Wanderern Wissenwertes über den Weinbau im östlichsten Anbaugebiet Frankens.

Das tat der 29-Jährige in guter Laune, und er hat auch allen Grund dazu. Er erwartet nämlich einen "perfekten Jahrgang" 2012. An den Trauben gebe es so gut wie keine Fäule und fast keinen Wespenfraß. In diesen Tagen Ende September beginnt er in seinem Betrieb mit der Lese. Die hat in den Weinbergen zwischen Zeil und Steinbach allerdings schon begonnen, wie die Wanderer sehen konnten. Immer wieder kamen sie an Gruppen von Helfern vorbei, die die Trauben von den Rebstöcken schnitten.

Martin Bauerschmitt staunte über einen vollgeladenen Erntewagen, der am Fuße der Weinberge stand. Die Quantität passt. Dass auch die Qualität stimmt, führte er mit einem Refraktometer vor. Damit lassen sich die Öchsle-Grade bestimmen. 81 Öchsle maß er an einer Traube der Sorte Müller-Thurgau. "Es wird ein Kabinett-Wein", beschrieb er der Wandergruppe.

Viele der Teilnehmer kannten Martin Bauerschmitt bereits. Aus der Zeitung. Der Ziegelangerer bewirtschaftet nämlich den neu angelegten Weinberg am Michaelsberg in Bamberg. Das sei eine große Herausforderung für ihn gewesen, schilderte er unserem Portal, die er gerne angenommen habe. Irritiert hatte ihn anfangs der Streit, ob dort ein Weinberg entstehen oder die Obstbäume stehen bleiben sollen. Das hinderte ihn aber nicht, das Wagnis anzugehen. Es wurde ein Erfolg. Nach seiner Ansicht ist der "Bamberger Wein", ein Silvaner, gelungen. Mittlerweile ist der gesamte Wein aus der ersten Ernte 2011 verkauft.