Augsfeld

FC Augsfeld schließt das Kapitel Landesliga mit Stolz

Das war bitter: Der 1. FC Augsfeld hat seine Erste Mannschaft aus der Landesliga Nordwest zurückziehen müssen, weil sich fast alle Stammspieler ab- oder umgemeldet haben. Die Vereinsführung hält sich aber tapfer, wie sich bei der Jahresversammlung am Wochenende zeigte. Es herrscht doch der Stolz auf die beiden Jahre in der Landesliga vor; jetzt gilt das Prinzip Hoffnung. Und so stellte sich auch die Mitgliederversammlung am Samstag im Sportheim fast vollzählig hinter den Vorstand.
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Der 1. FC Augsfeld, der seine Mannschaft während der Saison aus der Landesliga Nordwest zurückziehen musste, schaut jetzt nach vorne. Der Vorsitzende Alexander Dürbeck (rechts) und der Protokollführer Dieter Dorsch erklärten in einem Pressegespräch, dass sich die Mitgliederversammlung hinter die Vereinsführung gestellt habe. Foto: Ulrike Langer
Der 1. FC Augsfeld, der seine Mannschaft während der Saison aus der Landesliga Nordwest zurückziehen musste, schaut jetzt nach vorne. Der Vorsitzende Alexander Dürbeck (rechts) und der Protokollführer Dieter Dorsch erklärten in einem Pressegespräch, dass sich die Mitgliederversammlung hinter die Vereinsführung gestellt habe. Foto: Ulrike Langer
Der Vorsitzende Alexander Dürbeck wollte den Mitgliedern die Gelegenheit geben, offen über die Situation des Vereins diskutieren zu können, deswegen blieb bei der Versammlung am Samstagabend die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Doch am Sonntagmorgen stellten sich Dürbeck, Kassier Gerald Viernekes sowie Protokollführer Dieter Dorsch bei einem Gespräch mit unserer Zeitung den Fragen. Dürbeck erläuterte, wie es dazu kommen konnte, dass der 1. FC Augsfeld die Saison nicht wie geplant bis zu Ende spielt.

Sportlich spitze, finanziell aber fast am Ende

"Als wir 2012 in die Landesliga Nordwest aufgestiegen waren, hatte sich gezeigt, dass der Verein finanziell fast am Ende war", begann der Vorsitzende.
"Weil unser damaliger Vorsitzender Norbert Bendel schwer krank war, wurde eine Lenkungsgruppe gebildet, der neben mir zehn weitere Personen angehörten." Mit verschiedenen Maßnahmen - die Mitglieder zahlten sogar einen zusätzlichen Beitrag - ließ sich der Verein stabilisieren. Allerdings fand man keine neuen Sponsoren.

Und so "war damals schon klar, dass wir uns mit unseren knapp 200 Mitgliedern die Landesliga nicht leisten können", fügte Dieter Dorsch an. Anfang 2013 seien Alexander Dürbeck zum Vorsitzenden, Udo Heilmann zum Zweiten Vorsitzender, Gerald Viernekes zum Kassier und Dieter Dorsch zum Protokollführer gewählt worden.
"Wir hatten schon damals eine relativ dünne Spielerdecke, weil uns in der Mitte der Saison 2012/13 und zu Beginn der Saison 2013/14 einige Spieler verlassen hatten", erläuterte Dieter Dorsch. "Auch wenn der Start 2012 etwas holprig verlief, hat die Mannschaft dennoch Moral gezeigt und alles gegeben, was wir sehr zu schätzen wissen", betonte er. "Alle haben auf und neben dem Spielfeld Überdurchschnittliches geleistet!"

Extrem hoher Aufwand für den kleinen Verein

Dennoch machten sich Vorstand und Ausschuss Gedanken darüber, ob die wenigen Mitglieder den ihrer Meinung nach extrem hohen Aufwand für die Landesliga auf Dauer leisten könnten.

"Im November 2013 haben wir eine Spielerbefragung durchgeführt und erfahren, dass fünf Spieler vorhatten, die Mannschaft zu verlassen", erläuterte Gerald Viernekes. "Diese Spieler hätten wir aber nicht ersetzen können." Natürlich habe sich Trainer Dieter Schlereth eine konkurrenzfähige Mannschaft gewünscht; doch dies habe der Verein finanziell nicht stemmen können.

So beschlossen Vorstand und Ausschuss im Dezember 2013, den Verein zum Ende der Saison 2013/14 aus der Landesliga zurückzuziehen und den Trainer am 17. Januar zu informieren.

Kündigung kommt überraschend

Damit kam die Sache ins Rollen: "Dass er am nächsten Tag seine Kündigung überreicht hat, hat uns alle natürlich geschockt", berichtete Alexander Dürbeck, den die ganze Angelegenheit doch sehr mitgenommen hat. "Weil sein Schritt über verschiedene Medien publiziert wurde, konnten wir unser Vorhaben den Spielern bei der Versammlung am 22. Januar natürlich nur sehr schwer vermitteln. Gleichzeitig sank bei den Spielern die Motivation, bis zum Ende bei uns zu spielen."

So habe sich am selben Abend herauskristallisiert, dass nur fünf Spieler beim Verein bleiben wollten, zwei Spieler sich noch nicht entschieden hatten und der Rest sich sofort ab- oder ummelden wollte. "Das war sehr ernüchternd", beschrieb Dieter Dorsch. "Doch trotz eines zweiten Treffens, bei dem wir die Spieler motivieren wollten, bei uns zu bleiben, haben uns schließlich 13 Spieler, also alle Stammspieler bis auf den Torwart Sebastian Stober, verlassen. Da wir keine spielfähige Mannschaft mehr hatten, mussten wir am 28. Januar die Mannschaft vorzeitig zurückziehen."

Einiges kam auf den Tisch am Wochenende

In der Mitgliederversammlung nutzten die 65 Anwesenden laut Dürbeck die Gelegenheit, das Thema zu diskutieren. "Es gab zwar auch Emotionen, doch insgesamt verlief die Aussprache sehr sachlich", schilderte Gerald Viernekes. Er freute sich, dass auch viele Spieler, die den Verein verlassen, sowie der Trainer gekommen waren. Natürlich habe es auch Kritik an Fehlern in der früheren Vergangenheit, am Trainer und an der Vereinsführung gegeben.

So mancher, der vorher schon vor dem Aufstieg in die Landesliga gewarnt hatte, fühlte sich nun bestärkt. Andere meinten, darunter auch Spieler, dass die Vereinsverantwortlichen ihre Entscheidung, sich aus der Landesliga zurückziehen zu wollen, lieber erst kurz vor Saisonende hätten bekannt geben sollen. "Doch wir hatten uns Offenheit und Ehrlichkeit auf die Fahnen geschrieben", betonten Dürbeck und Dorsch. Aus ihrer Sicht hatten sich, wie die beiden berichteten, die Mitglieder hinter die Vereinsführung gestellt.

Dass sie vor schwierigen Zeiten stehen, ist allen bewusst. Die Finanzen des Vereins sind zwar geordnet, aber die sportliche "Baustelle" muss angegangen werden. "Ich bin der Meinung, dass es Hoffnung gibt, dass unsere Reservemannschaft, die jetzt durch Ersatzspieler und den Torwart der Ersten Mannschaft unterstützt wird, in der Kreisliga Schweinfurt Gruppe 2 bleiben kann und dort in der nächsten Saison als Erste Mannschaft spielen wird", erklärte Dieter Dorsch.

Offen bleiben die Fragen, welche Spieler dem FC Augsfeld erhalten bleiben und wie viele neu gewonnen werden müssen, wie man eine neue Reservemannschaft aufbauen kann und woher der neue Trainer kommt. "Erst dann können wir ein Konzept aufstellen", meinte Alexander Dürbeck. Er gab bekannt gab, dass Daniel Viernekes in der Mitgliederversammlung zum neuen sportlichen Leiter gewählt wurde. Da noch kein neuer Wirtschaftsvorstand gefunden werden konnte, wird es in vier Wochen eine neue Mitgliederversammlung geben.

Bei aller Enttäuschung über das Kapitel "Landesliga Nordwest" unterstrichen Dieter Dorsch und Alexander Dürbeck, sie seien stolz darauf, dort gespielt zu haben. "Jetzt schauen wir getrost nach vorne", sagte Dürbeck. Dem Trainer und den Spielern machen Dorsch udn Dürbeck definitiv keine Vorwürfe; Dorsch bilanzierte: "Wir sind froh, dass sie bei uns waren."

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