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Burgpreppach
Gastronomie

Exotisch und würzig aus Ibind

Zufällig haben sich Corinna Schwarz aus Ibind und ihr Mann Farru aus Indien beim Moped fahren kennengelernt. Jetzt eröffneten die beiden ein indisches Restaurant in Bamberg - mit einem Koch
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Neue Gastronomen in Bamberg: Corinna Schwarz und ihr Mann Farru haben ihr indisches Restaurant eröffnet. Foto: Johanna Eckert
Neue Gastronomen in Bamberg: Corinna Schwarz und ihr Mann Farru haben ihr indisches Restaurant eröffnet. Foto: Johanna Eckert
Corinna Schwarz hat ihren Sari angelegt, kramt nach dem Goldschmuck und das Bindi, der rote Punkt auf der Stirn zwischen den Augenbrauen, fehlt obendrein noch. Dieser Punkt ist mittlerweile beliebter denn je. Der Tradition nach zeigt das Bindi an, ob eine Frau verheiratet ist oder nicht. Mittlerweile ist es nicht nur in Indien, sondern auch im Westen zu einer Modeerscheinung geworden.

Corinna Schwarz malt aber des Brauchtums wegen. Denn die junge Frau aus Ibind bei Burgpreppach ist mit Farru aus Indien verheiratet.

Einfach war es nicht, auch auf dem Papier ihre beiden Herzen zusammenzufügen. Aber die Wirtschaftswissenschaftlerin aus den Haßbergen und der Verkäufer aus Khajuraho, einer Stadt im Norden Indiens, haben einen Berg an Papierkram auf sich genommen, um den Lebensweg gemeinsam zu gehen. Mit diesem Behördenwissen im Hinterkopf war es für die beiden fast ein Kinderspiel, nun ihr indisches Restaurant in Bamberg zu eröffnen. Obwohl Corinna Schwarz selbst zugibt: "Ein Händchen fürs Kochen habe ich nicht."


Berufsziel Lehrerin

Die 28-Jährige ist im 200-Seelen-Dorf Ibind aufgewachsen. Sie wollte Lehrerin werden. Ihre Schulzeit am Gymnasium in Ebern hat sie mit Bravour absolviert und ihr Faible damals hatte nichts mit indischen Gewürzmischungen und bunten Farben zu tun: "Ich wollte Philosophie studieren." Nach dem Abitur landete sie bei einem Technologiekonzern in Erlangen und studierte dort Betriebswissenschaften. Nebenbei schrieb sie sich noch mit Kulturwissenschaften ein. Wenn sie gerade mal etwas Zeit hatte, machte sich Corinna Schwarz auf in die weite Welt.

"Nach Indien wollte ich immer schon mal", erinnert sie sich zurück, "aber damals war es für mich noch nicht der richtige Zeitpunkt. Meine Freundin konnte mich überreden, trotzdem mitzukommen." So machte sie sich im Jahr 2011 auf den Weg in das Land der duftenden Currys. Ganz spontan und ohne Reiseplan. Die beiden deutschen Frauen wollten die 20 000-Einwohnerstadt Khajuraho mit dem Moped erkunden. Da trat Farru in das Leben von Corinna Schwarz und zeigte ihr das Moped fahren durch eine indische Stadt. "Vom restlichen Indien habe ich dann nicht mehr viel gesehen", schmunzelt Corinna Schwarz heute noch, "aber nach sechs gemeinsamen Wochen war klar, dass wir zusammen sind."

Dann war Corinna wieder mitten in Deutschland, Farru weit weg in Indien. "Sechs Monate haben wir uns nicht gesehen", erzählt er, "danach haben wir drei Monate zusammen in Indien verbracht." Gang und gebe ist es dort nicht, dass eine fremde Frau einfach im Haus übernachtet. Aber die Familie von Farru hat Corinna Schwarz das Gästezimmer angeboten und sie ohne Wenn und Aber integriert. Die Sprache Hindi konnte sie lernen und grüßt auch heute gerne noch mit einem "Namaste".

Keine Erfahrung als Gastronomen

Und wie war das mit der Heirat? "Ganz schleichend wurde aus dem Spaß dann Ernst", meint Corinna mit einem Augenzwinkern, "in Indien haben wir noch nicht geheiratet. Das würde ja eine Woche dauern."

Dazu haben die beiden in den nächsten Monaten auch überhaupt keine Zeit, denn seit 13. Januar betreibt das binationale Ehepaar das "Café Zafran" in Bamberg. Von Gastronomie hatten die beide davor keine Ahnung. Die Wirtschaftswissenschaftlerin aus Ibind liebte ihre Zahlen im Projektcontrolling, aber: "Ich kann mir sehr viele Dinge vorstellen, die ich in meinem Leben machen kann." Sie wollten sich etwas gemeinsam aufbauen und schauten deshalb schon länger nach einer geeigneten Immobilie. Farru wäre vielleicht kein richtiger Inder, wäre er diesen Schritt nicht gegangen wäre. Denn ein indisches Sprichwort sagt: "Wenn ich ins Ausland gehe, nehme ich meine Küche mit."

Nicht nur das, sondern auch die komplette Inneneinrichtung des Restaurants und der Koch sind ganz authentisch und extra aus Indien, dem Land, dem die vielfältigste Küche der Welt nachgesagt wird, eingeflogen. "Ich wollte meinen ganz eigenen Stil", begründet Farru. Dieser ist bunt indisch und trotzdem sehr einfach.

Sein Traum ist es, in einigen Jahren mal eine Restaurant-Kette zu besitzen und trotzdem bodenständig zu bleiben: "Auch dann werde ich arbeiten, wie alle anderen." Denn er findet Gefallen an der "deutschen Arbeitsweise" und der Konzentration, die die Menschen dabei aufbringen.

Wenn ihn doch mal Anflüge von Heimweh kränken, baut Farru seine Rikscha auf, und bummelt durch die Bamberger Straßen. Dort fühlt er sich von seinem ersten Tag an sehr wohl.

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