Ebern
Satire

Ex-Eberner präsentieren eine Weihnachtssong-Alternative

Das mit der Botschaft von Weihnachten ist gar nicht so einfach. Das mit dem Ertragen der Songs zu Weihnachten auch nicht. So sieht das zumindest "Kaktus Klub" - eine Band, die ihre Wurzeln in Unterfranken hat.
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Ein Bild aus alten Zeiten: Johannes Lorentzen (hinten), Helmut Lang (links), Matthias Kaufmann (rechts) im Jahr 1996. Foto: Christian Hunger
Ein Bild aus alten Zeiten: Johannes Lorentzen (hinten), Helmut Lang (links), Matthias Kaufmann (rechts) im Jahr 1996. Foto: Christian Hunger

Glockengeläut, Schellen und Kinderchor: Dann, ja dann hat ein weiterer Weihnachtssong wichtige Merkmale erfüllt, um sich auf dem glitzernden Weihnachts-Musikmarkt bei den Pop-Kitsch-Klassikern einzureihen. Stereotyp traurig, fällt Matthias Kaufmann außerdem noch als typisches Charakteristika ein.
 

Matthias Kaufmann ist Online-Journalist, Familienvater und Musiker. Seit 13 Jahren lebt er in Hamburg. In Unterfranken sind er und die beiden Band-Mitglieder Johannes Lorentzen und Helmut Lang dennoch ein Begriff. Gemeinsam sind sie Ende der 90er-Jahre als "Comedian Rhythmists" aufgetreten: 1997 zum Beispiel beim Eberner Altstadtfest. Mittlerweile zählt auch Andreas Voigt zum Team.

Zu viert - verteilt in ganz Deutschland - haben sie in diesen Tagen ein Ziel: Satire statt Kitsch, "Wonderful X-Mas Time" statt "Jingle Bells", witzig statt traurig oder "auf Gedeih und Verderben harmonisch", wie Kaufmann Standard-Weihnachtsklänge umschreibt.

 


"Alles schon gekauft"

"Unser Anliegen ist es nicht, mehr Leute in die Kirche zu bringen", erklärt er. Diese Entscheidung sei jedem selbst überlassen. Der Ausgangspunkt - die Motivation - einen etwas anderen Weihnachtstitel zu interpretieren, war weniger kulturkritisch, sondern vor allem dieser: "Last Christmas" ging den Herren auf die Nerven. Und das bereits vor 20 Jahren. Am Anfang stand also wie so oft eine Idee, die Umsetzung war wiederum eine andere Geschichte, erzählt der Ex-Eberner.

Vor gut einem Jahr hat sich Kaufmann an die Komposition gemacht, passende Samples zusammengesucht und einen Song vorproduziert. Schließlich sind die Entfernungen der Band-Mitglieder nicht gerade günstig für wöchentliche Proben, sagt der Hobby-Sänger.

Entstanden ist - im Mai und Oktober dieses Jahres bei gemeinschaftlichen Aufnahmesessions in Unterfranken - ein "sehr konsumkritisches Lied", das gar nicht zu sehr den Zeigefinger erheben, sondern vor allem einen Schmunzler auslösen soll. Als Nebenwirkung fungiert das Stück außerdem noch als Denkanstoß. Bei "Wonderful X-Mas Time" gibt es neben den Kinderstimmen vier Minuten und neun Sekunden Außergewöhnliches für die Ohren: "Du kriegst 'en Jahr den Weltfrieden - den hab ich schon gekauft".


Im Geschenkerausch

Während "Last Christmas" in Kaufmanns Augen nur von einer enttäuschten Liebe handelt - geschehen zufällig rund um das Weihnachtsfest - geht es bei dem Stück von "Kaktus Klub" um Weihnachts-Stöckelschuhe, Weihnachtsbier und rote Schleifen - um den ultimativen Geschenkerausch.

Auf dem Weg zum Endergebnis, das über Internet-Musikportale heruntergeladen werden kann, gab es bestimmt 100 Zwischenversionen, die ihn noch nicht zufrieden gestimmt haben, erinnert sich Kaufmann. Jetzt ist er es. Des Geldes wegen musizieren die Herren - damals wie heute - nicht. Es geht um Spaß mit Kumpels und ein bisschen um den Jugendtraum von eigenen Studioaufnahmen, die man nicht nur Freunden, sondern auch wildfremden Menschen anbietet. Eben dieser Jugendtraum erfüllt sich jetzt mit Anfang, Mitte 40.

Auch zu "Comedian Rhythmists"-Zeiten war ihnen klar, dass jeder seinen eigenen Berufsweg verfolgen wird. Den Versuch, sich neben Wham! und Mariah Carey in die Weihnachtscharts einzureihen, wollten sie sich wohl dennoch einfach nicht nehmen lassen.


Mehr Informationen zu den Künstlern

Comedian Rhythmists Unter diesem Band-Namen traten Johannes Lorentzen, Matthias Kaufmann und Helmut Lang Ende der 90er-Jahre in Ebern und Umgebung auf. Sie spielten damals vor allem a Cappella.

Kaktus Klub Wie zu Zeiten der Comedian Rhythmists spielt die Band noch Stilparodien. Informationen und Links zur Band sowie dem Link zur Hörprobe des Weihnachtssongs gibt es unter kaktus-klub.de. red

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