Gleusdorf

Erst Lust- dann Wasserschloss, jetzt Residenz

In der Seniorenresidenz in Gleusdorf läuft die energetische Sanierung des früheren Adelssitzes, der seit 1990 als Pflegeeinrichtung genutzt wird.
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Mitunter mehrfach im Jahr wird das Denkmal an der Itz zum Wasserschloss, wie heuer im Februar (im Bild noch ohne Aufdach). Schlimm war es 2003, als "wir kurz vor einer Evakuierung standen, da das Wasser den Heizungsraum zu überschwemmen drohte und wir die Sandsäcke nur so schleppten", erinnert sich Peter Uhlig. Deutlich zu erkennen sind die Anbauten und der später an gelegte Park für alle Heimbewohner, wo Strandkörbe im Sommer einen Hinweis auf die Eigentümer geben. Sie stammen aus Bremen.  L...
Mitunter mehrfach im Jahr wird das Denkmal an der Itz zum Wasserschloss, wie heuer im Februar (im Bild noch ohne Aufdach). Schlimm war es 2003, als "wir kurz vor einer Evakuierung standen, da das Wasser den Heizungsraum zu überschwemmen drohte und wir die Sandsäcke nur so schleppten", erinnert sich Peter Uhlig. Deutlich zu erkennen sind die Anbauten und der später an gelegte Park für alle Heimbewohner, wo Strandkörbe im Sommer einen Hinweis auf die Eigentümer geben. Sie stammen aus Bremen. Luftaufnahme: Andreas Köhler
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Der kleine Ortsteil am südlichen Zipfel des Untermerzbacher Gemeindegebietes verblüfft immer wieder: Nicht nur, dass zwei Friseurläden die Hauptstraße säumen. Auch der Blick in die Chronik löst Erstaunen aus: So verzeichnete das Dorf einstmals eine vergleichsweise große jüdische Gemeinde samt eigener Synagoge, die zum Teil noch erhalten ist. Der Ort mit dem kleinen Kirchlein hoch über dem Tal, das im Volksmund auch Itzgrund-Dom genannt wird und zur oberfränkischen Pfarrei Mürsbach gehört, war auch Sitz des Landgerichts, ehe dieses nach Baunach verlegt wurde. Der Richter residierte und verurteilte im Schloss Gleusdorf, der östlichsten Bastion Unterfrankens.


Vom Lustschloss zum Pflegeheim

Doch als Trutzburg hat der Prachtbau nie gedient. Das Denkmal, das wegen seiner Nähe zur Itz mitunter mehrfach im Jahr zum Wasserschloss wird, diente nach Überzeugung des jetzigen Hausherrn vielmehr als "Lustschloss eines Abtes aus Kloster Banz", meint zumindest Peter Uhlig, der mit Corinna Zentay als Geschäftsführer die Seniorenresidenz leitet. Seit 1990 fungiert das Denkmal im Itzgrund als Pflegeeinrichtung, die derzeit mit einem Millionenaufwand modernen Standards angepasst wird.

1151 erstmals als Schenkung eines "Eribert de Chlubisdorf" an den Weiler "Liuzileber" (Lützelebern) erwähnt, gehörte das Schloss Gleusdorf im Hochmittelalter zum Kloster Banz und war als Lehen an klösterliche Dienstmannen vergeben. Vom 14. bis 16. Jahrhundert saßen die Herren von Fulbach auf dem Schloss (bis 1582). Nach dem Aussterben dieses Geschlechts fiel es ans Kloster zurück und diente fürderhin als Vogteiamt.

Der Bau in der heutigen Form (ohne die An- und Verbindungsbauten aus dem Jahr 1998) wurde gegen 1770 vollendet. 1804 fiel der Adelssitz im Zuge der Säkularisation ans Land Bayern, das für einige Jahre das bayerische Landgericht dort unterbrachte, ehe es 1808 nach Baunach verlegt wurde.


Neue Nutzung seit 1990

Danach wurde das Schloss von mehreren Privatleuten genutzt, ehe es 1990 von einer Familie aus Bischberg zur Pflegeeinrichtung um- und ausgebaut wurde.

70 Bewohner werden aktuell von 48 Pflegekräften sowie Küchen- und Hauswirtschaftspersonal betreut. "Wir sind seit Jahren voll belegt", sagte Peter Uhlig, was die Entscheidung zur großen Baumaßnahme sicherlich erleichterte. "Unsere Bewohner kommen alle aus dem benachbarten Ober- und Unterfranken", verrät der Schlossherr über die Klientel im Heim, das an der Grenze von vier Landkreisen (Bamberg, Haßberge, Lichtenfels und Coburg) und zwei Regierungsbezirken liegt.

Seit 2014 laufen die Vorbereitungen zur energetischen Sanierung. Gutachter, Statiker, Denkmalpfleger und Architekt gaben sich die Klinke in die Hand. Letztlich präsentierte Architekt Stefan Moncken aus Rattelsdorf ein Konzept, das etwa auch den Einbau eines Blockheizkraftwerkes sowie eine Dachsanierung vorsieht. "Am Dach musste etwas passieren", erzählt Peter Uhlig. "Ich habe rumgefragt, keiner kann sich daran erinnern, dass da oben seit dem Zweiten Weltkrieg etwas passiert ist. Wahrscheinlich sogar seit dem Ersten Weltkrieg nicht."

Dennoch gab es im Verlauf der Jahrhunderte viele Veränderungen. "Da wurde viel rumgebaut und rumgemurkst. Keinerlei Unterlagen gibt es, wann die Erker aufgesetzt wurden."


Vemessung auf Computer

So stand eine parimetrische Vermessung des Dachstuhls und des gesamten Hauses ganz am Anfang. Schnell wurde klar, dass die Arbeiten am Dach eine Herausforderung darstellen, weswegen ein zweiter Dachstuhl mit einer Schutzplane darüber gezogen wurde, um darunter problemlos, trocken und kontinuierlich arbeiten zu können. "Viele Balken müssen ausgetauscht werden, weil sie durchgemorscht sind, andere werden verstärkt", erklärt Uhlig zusammen mit dem Chef der Kulmbacher Zimmermänner. "Die Denkmalpfleger legen großen Wert darauf, dass möglichst viele Originalbalken erhalten bleiben", wissen die Handwerker vom Besuch der Fachleute am Tag zuvor.

Bis November, so hoffen die Schlossherren, ist das Dachgebälk restauriert, die Dämmung angebracht und mit neuen Biberschwanz-Ziegeln gedeckt. Damit wäre ein weiteres Kapitel in der Geschichte dieses Prunkbaues geschrieben, das auch sorgfältig dokumentiert wird, während sich aus der grauen Vorzeit des dreistöckiges Hauses noch manche Lücken auftun.

750 000 Euro kostet die Dachsanierung und -dämmung des Schlosses nach den bisherigen Schätzungen;

230 000 Euro wurden für das Blockheizkraftwerk bezahlt, das seit der Inbetriebnahme zwischen 20 und 21 Stunden am Tag läuft und auch den benötigten Strom liefert.

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