Ebern
Porträt

Erich Heß ist ein Radler aus Leidenschaft

Erich Heß ist ein passionierter Fahrradfahrer. Weder Wind noch Regen halten den rüstigen 79-Jährigen von seinen Touren ab, die er mit einem seiner selbst gebauten Rädern absolviert.
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Mit Regenbekleidung, Schutzhelm und einem seinem neusten Fahrrad mit Hilfsmotor, startet Erich Heß trotz Regen und Wind zu einer 25 Kilometer langen Radtour in den Baunachgrund. Foto: Helmut Will
Mit Regenbekleidung, Schutzhelm und einem seinem neusten Fahrrad mit Hilfsmotor, startet Erich Heß trotz Regen und Wind zu einer 25 Kilometer langen Radtour in den Baunachgrund. Foto: Helmut Will
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Erich Heß sitzt mit seiner Ehefrau Eleonore am Frühstückstisch. Noch während seine Frau den Tisch abräumt, befällt den 79-jährigen ihn ein leichtes Kribbeln. Es zieht ihn hinaus zu seiner Garage. Dort stehen seine Fahrräder. Eines davon, seine letzte Errungenschaft, holt er heraus. Er macht es startklar. Der Regen prasselt vom Himmel. Das hält den rüstigen Rentner aber nicht von seiner morgendlichen Fahrradtour ab.

Touren zwischen 15 und 25 Kilometern

An diesem Dienstagmorgen hat sich Erich Heß eine etwas kleinere Tour vorgenommen. Über Eyrichshof, Kraisdorf, Bramberg und von dort zurück nach Ebern soll es gehen. "Das sind etwa 25 Kilometer", sagt Erich, der diese Strecke häufiger fährt. Bis vor zwei Jahren, so erzählt Erich Heß, sei seine Frau Eleonore häufig mit von der Partie gewesen.
"Seit sie etwas Probleme mit Knie und Hüfte hat, geht das eher nur noch selten." Solche Touren, zwischen 15 und 25 Kilometer, bei denen Erich Heß auch häufiger von seinem 53-jährigen Sohn Jürgen begleitet wird, sind bei ihm fast an der Tagesordnung. Dass er nicht übertreibt, kann man daran sehen, da er sehr häufig in der Umgebung von Ebern mit einem seiner Fahrräder anzutreffen ist. Er gehört schon quasi zum gewohnten Bild in der Landschaft des Baunachgrundes.

Der 79-jährige Erich Heß, geboren in Schweinfurt, lebt seit 1979 in Ebern. Seine Frau Eleonore stammt aus Gemeinfeld. Auch sie ist 79 Jahre alt. Beide verbindet die Freude zum Radfahren. "Schon in meiner Jugendzeit war ich ein leidenschaftlicher Radfahrer", sagt Erich Heß. Seit er mit 57 Jahren als Werksmeister bei der Firma Kugelfischer in Ebern in Rente gegangen ist, hat er für sein Hobby mehr Zeit. Und diese nutzt er reichlich. Auch seine Ehefrau Eleonore begeisterte sich seit 1989 immer mehr für das Hobby ihres Mannes. Auch sie hat die "Sucht" Fahrradfahren erfasst, solange, bis ihr die Gesundheit einen Riegel vorschob. "Das Wetter ist mir ziemlich egal. Wenn ich mich zu einer Tour entschieden habe, geht's raus", sagt Erich Heß, so auch an diesem Dienstagmorgen, als er sich gegen zehn Uhr mit Regenbekleidung und Schutzhelm auf sein Fahrrad schwingt und bei leichtem Regen und böigem Wind startet. Für die Nachbarn von Erich Heß in der Georg-Schäfer-Straße, ein gewohntes Bild. "Der Wind", so Erich Heß, "ist viel schlimmer als Steigungen, diese sind absehbar, der Wind nicht".

Baut Fahrräder selbst

Viele seiner Fahrräder, er hat zehn verschiedene im "Stall", sind Marke Eigenbau. "Meine Frau sagt manchmal, schmeiß' die Dinger weg, weil es in unserer Garage sehr eng zu geht. Aber das bringe ich nicht fertig, weil ich viel Herzblut in den Bau oder Umbau meiner Fahrräder investiert habe", sagt Erich. Seine Doppelgarage platzt aus allen Nähten, da die Fahrradflotte schon einiges an Platz benötigt. "Das Abstellen der Räder in der Garage muss durchdacht sein, will man sicherstellen, dass man einigermaßen an jedes Rad kommt, wenn eines herausgeholt werden soll", sagt Erich Heß. Als ehemaliger Werksmeister hat er die praktischen und technischen Fertigkeiten, um sich seine "Wunschdrahtesel" zusammen zu bauen.

Diese haben allerdings nichts mehr zu tun mit der "Laufmaschine", die Freiherr von Drais im Jahr 1817 erfunden hat und bei dem es sich um das erste von Menschen angetriebene Fahrrad handelt. Die meisten Räder haben auch nichts mit einem Fahrrad im herkömmlichen Sinn gemeinsam. Die Technik der von Erich Heß nach eigenen Vorstellungen geschaffener Fahrräder ist individuell, ist mitunter so kompliziert, dass es für einen technisch Unbegabten schon einiger Erklärungen bedarf, um zu begreifen, wie die Übersetzungen oder Schaltungen funktionieren. Ein Wirrwarr an Ketten und Kabeln an den Radnaben und Rahmen der Räder, stiften ordentlich Verwirrung. Eines haben die herkömmlichen Fahrräder und die Unikate von Erich Heß trotzdem gemeinsam: Sie werden genau wie früher noch durch Muskelkraft betrieben und die Kraft wird über die Pedale auf einen Zahnkranz übertragen und von dort auf die Nabe eines Hinter- oder Vorderrades.

Von normal bis Liegerad

Normale- und Klappräder, ein Dreiradliegerad für zwei und eines für eine Person, ein Liegerad mit Hilfsmotor und zwei normale Räder mit Hilfsmotoren, um einige zu nennen, zählen zum "Fuhrpark" des 79-jährigen Rentners. Auch die Sitz- oder Liegepositionen auf einigen Fahrrädern von Erich Heß, ziehen Blicke auf sich. Einen nennenswerten Unfall oder größere Karambolagen gab es bisher nicht, freut sich Erich Heß. Viel mehr Probleme hatte Erich Heß bei der ersten Fahrt mit seinem Liegerad. "Bei Pfarrweisach wäre ich am Anfang beinahe in einen Straßengraben gefahren, weil das Lenken mit diesem Rad gekonnt sein will". Die Lenkung des Liegerades funktioniert ganz anders als bei herkömmlichen Fahrrädern. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, lässt es sich Erich Heß nicht nehmen, seinem Hobby möglichst oft zu frönen. "Mit meinen kleinen Touren, die ich rund um Ebern mache, habe ich es einmal in drei Jahren auf 60 000 Kilometer gebracht", sagt der passionierte Fahrradfahrer stolz. Jetzt tritt er etwas kürzer. Seine derzeitige Jahresleistung liegt bei etwa bei 8000 Kilometern. Längere Touren, über Tage oder gar Wochen, sind nicht Sache von Erich Heß. "Mir sind Tagestouren am Liebsten, weil ich Abends gerne wieder in meinen vier Wänden bin", sagt er.

Exoten als Fotoobjekt

Hat er Probleme mit anderen Verkehrsteilnehmern, mit Autofahrern, Motorradfahrern oder Fußgängern? Das ist nicht der Fall, sagt Erich Heß. Überall wo er, vor allem mit den "Exoten" unter seinen Fahrrädern auftaucht, zieht er neugierige Blicke auf sich. "Da kommt es schon öfters vor, dass ich als Fotoobjekt herhalten muss". Was ihm auch viel bedeutet, sind Begegnungen mit ehemaligen Arbeitskollegen, wenn sich die Wege auf einer Fahrradtour zufällig kreuzen. Für einen kleinen Plausch unterbricht er dann auch gerne seine Tour. "Selten", sagt der Rentner, "kehren ich unterwegs ein". Nach einer Pause ist man aus dem Rhythmus gekommen und nach einer Rast sind die Beine schwer, sodass man einige Zeit braucht, um wieder in die Gänge zu kommen. Deshalb ist das Motto des Hobbyradfahrers Erich Heß: "Wenn ich fahre, dann fahre ich und davon lasse ich mich nur äußerst selten durch jemanden abhalten".

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