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Kottendorf
Zweckverband

Erfolgsmodell aus den Haßbergen

Die Arbeit der Veitensteingruppe für sauberes Trinkwasser gilt bayernweit als vorbildlich. Die Wasserqualität hat sich deutlich verbessert.
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Geschäftsführer Rupert Göller (rechts) und der zukünftige Geschäftsführer Daniel Stürmer bei der Überprüfung der Brunnen und des Grundwasserstandes, mit dem sie sehr zufrieden sind. Foto: Günther Geiling
Geschäftsführer Rupert Göller (rechts) und der zukünftige Geschäftsführer Daniel Stürmer bei der Überprüfung der Brunnen und des Grundwasserstandes, mit dem sie sehr zufrieden sind. Foto: Günther Geiling
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Ohne sensibilisierte Landwirte, die sich freiwillig für den Grundwasserschutz einsetzen, wird sich die Situation nur schwer verbessern lassen - so lautete das Fazit beim Wasserforum der Regierung von Unterfranken im letzten Jahr. Der Trinkwasserzweckverband der Veitensteingruppe hatte mit seiner Zusammenarbeit mit den Landwirten in den letzten 20 Jahren aber großen Erfolg und deswegen ist sein Geschäftsführer Rupert Göller zum elften Wasserforum am 17. März nach Würzburg eingeladen, um den Wasserversorgern von Unterfranken das erfolgreiche Modell "Veitenstein" vorzustellen.

Dass aus Wasserhähnen sauberes, gesundes Nass sprudelt, scheint für viele selbstverständlich. In Unterfranken gibt es ca. 230 Wasserversorger mit 960 Quellen und Brunnen.
Nach der Trockenphase im letzten Jahr waren die Grundwasserstände in Mainfranken einerseits teilweise extrem niedrig, andererseits aber überschreiten 14 Prozent des geförderten Grundwassers den europaweit gültigen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter.


Nitratwerte sind gesunken

Mit steigenden Nitratwerten hatte auch der "Zweckverband zur Wasserversorgung der Veitensteingruppe" bis vor 20 Jahren zu kämpfen, denn beim Altbrunnen lagen die Werte mit 52 mg/l schon über der Grenze und selbst die beiden neuen Brunnen I und II waren kurz vor der 50mg/l-Grenze. Seit 1998 verzeichnet der Trinkwasserzweckverband aber stets rückläufige Nitratwerte und liegt derzeit bei knapp über 35 mg/l bei den beiden neuen Brunnen. Auch sind die PSM-Werte (Pflanzenschutzrückstände) stark zurückgegangen.

Nun hatte der Zweckverband die Landwirte aus seinen Wasserschutzgebieten wieder eingeladen, um mit ihnen das abgelaufenen Jahr und die entnommenen Bodenproben zu besprechen. Auf freiwilliger Basis kooperiert das Wasserversorgungsunternehmen seit vielen Jahren mit den Landwirten, um für die Wasserabnehmer beste Qualität zu bieten. Stolz verwiesen deswegen Verbandsvorsitzende Gertrud Bühl und Geschäftsführer Rupert Göller auf einen Brief aus dem Umweltministerium in München, das Information über dieses "Erfolgsmodell" aus den Haßbergen anforderte. Ganz konkret fragte man nach der Entwicklung der Nitratwerte, den Eigentumsverhältnissen im Wasserschutzgebiet und den Prämien für die Landwirte.


Einladung nach Würzburg

Nun kam auch noch eine Bitte von der Regierung von Unterfranken an den Zweckverband "Veitenstein", beim Wasserforum der Regierung von Unterfranken den Wasserversorgern diesen Grundwasserschutz vorzustellen.
Wie Bühl erkärte, wird auch im Landkreis geschätzt, was der Zweckverband leistet. So sei man erst vor kurzem in der Gemeinde Maroldsweisach eingeladen gewesen. Im Gegensatz zur Veitensteingruppe habe man es dort versäumt, im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Flächen in der Schutzzone zu reservieren oder aufzukaufen und habe deswegen nun Probleme.

Wie Göller den Landwirten sagte, hatte man auch im Trockenjahr 2015 werde mit dem Grundwasserspiegel noch mit den Brunnen I und II Probleme. Selbst der höher gelegene Altbrunnen sei das ganze Jahr übergelaufen. "Trotz des trockenen Jahres gab es für uns Null Probleme. Wir hatten das ganze Jahr über keine gravierenden Grundwasserabsenkungen, was auch auf unsere Brunnentiefe von 42 m zurückzuführen ist. Aber auch unsere Nitratmessungen bewegen sich auf sehr niedrigem Niveau. Wir konnten also unsere 32 Ortschaften und Weiler mit sehr gutem Trinkwasser versorgen."

Andere Gemeinden in Unterfranken hätten da ganz andere Schwierigkeiten gehabt und in manchen Orten sei sogar das Wasser ganz weggeblieben. Ohne Anschluss an die Veitensteingruppe hätten bei einer solchen Trockenheit auch Orte wie Breitbrunn, Neubrunn, Salmsdorf oder Dörflis mit ihren früheren Quellen Probleme bekommen, meinte der Geschäftsführer.


Abhängig von der Witterung

Bemerkenswert seien aber auch die seit 1998 rückläufigen Nitratwerte. Der Geschäftsführer führte dies auf die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten zurück, die auf freiwilliger Basis erfolge. Er stellte den Landwirten das Ergebnis der Bodenproben durch Ludwig Bock vor, das Grundlage für die Auszahlung von Prämien sei. Die Nitratwerte seien weiter sehr gut, aber die Trockenheit habe natürlich Auswirkungen auf das Ergebnis der Bodenproben, das für die Landwirte diesmal nicht so günstig ausfalle - wofür diese aber nichts könnten. Vielmehr sei man abhängig von der Witterung. Da es wenig geregnet habe, steckten Nitrate noch im Boden.

Aus diesem Grunde gab es auch neue Düngeempfehlungen für die Landwirte und den Hinweis, bei der ersten Gabe weniger anzusetzen und pflanzenbedarfsgerecht zu düngen. Bock sprach dem Zweckverband ein Kompliment aus "ihr sei auf dem richtigen Weg mit diesen Bodenuntersuchungen und der Zusammenarbeit mit den Landwirten. Vertrauen ist gut, aber Kontrolle natürlich noch besser". "Aber darauf wollen wir uns auch nicht ausruhen", ergänzte Göller.

Er wies in diesem Zusammenhang wies er auf den glücklichen Umstand hin, dass der Zweckverband die Flächen im Wasserschutzgebiet II in seinen Besitz gebracht habe und diese Flächen von einigen Landwirten nun ohne Düngung und Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet und auch gemäht würden.


Verbot für einzelne Geräte

Über die neue "Düngeverordnung", die möglicherweise Ende 2016 oder erst 2017 in Kraft trete, informierte dann Pflanzenbauberater Helmut Grell. Auf die Landwirte kämen auf jeden Fall mehr Auflagen zu, aber in Bezug auf die Umwelt müsse dies auch positiv gesehen werden. Manches sei auch schon angewandt worden, etwa die Erstellung des Düngebedarfs vor Aufbringung der Nährstoffmengen. Nun solle aber der Düngebedarf auch für jeden einzelnen Schlag ermittelt und die Düngeplanung im Betrieb schriftlich erstellt werden. Dabei könne man für diese Düngebedarfsermittlung natürlich auch EDV-Programme nutzen. Aber auch die Geräte müssten ab 2015 schon Vorgaben an die Verteil- und Dosiergenauigkeit erfüllen. Ab dem Jahr 2020 müsste man über eine Grenzstreueinrichtung verfügen.

Zudem gebe es auch Geräte, die seit dem 1. Januar 2016 nicht mehr eingesetzt würden dürften. Dies gelte für Festmist-Streuer ohne gesteuerte Mistzufuhr zum Verteilen, Gülle- und Jauchewägen mit freiem Auslauf auf den Verteiler oder zentrale Prallverteiler, die nach oben abstrahlen. Ab 2020 müsse die bodennahe Gülleausbringung angewandt werden. Für den Landwirt bedeute das auch mehr Lagerraum, mehr Güllesilos und einen verstärkten Anbau von Zwischenfrucht oder die Umstellung der Fruchtfolge.

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