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Theres
Bürgerversammlung

Energiewandel stößt auf großes Interesse

Die Informationsversammlung zur Energiewende in Theres fand großen Anklang. Schon heute wird über die Hälfte des Stroms im Landkreis durch erneuerbare Energien erzeugt.
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Großes Interesse. Die Bürgerversammlung der GUT Haßberge zur Energiewende von unten fand großen Anklang. Kleine Arbeitskreise wollen nun die Energienutzungspläne mit Leben erfüllen. Foto: privat
Großes Interesse. Die Bürgerversammlung der GUT Haßberge zur Energiewende von unten fand großen Anklang. Kleine Arbeitskreise wollen nun die Energienutzungspläne mit Leben erfüllen. Foto: privat
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Eine Zahl, die viele überrascht: Schon heute werden im Haßbergkreis 54 Prozent des Stroms von erneuerbaren Energien, also von Sonne, Wind, Biomasse und Wasserkraft, erzeugt. Damit hat der Kreis eine Vorreiterrolle in Sachen Energiewende. Und die soll weiter ausgebaut werden, betonte der ehemalige Landrat Rudolf Handwerker bei der gutbesuchten Bürgerversammlung in Obertheres, wie die GUT informiert. Über 80 Bürger aus den Kommunen Haßfurt, Königsberg, Gemeinden Gädheim, Theres und Wonfurt beteiligten sich.

Prägnant stellte Handwerker eingangs fest, dass das Thema Energieversorgung mit der politischen Energiewende nach Fukushima "nach unten delegiert" worden sei. Während früher fast ausschließlich die Konzerne das Sagen hatten, sind heute die Gemeinden und die Bevölkerung gefragt.
Um diese Aufgabe kompetent und koordiniert anzugehen, wurde die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte, kurz GUT genannt, ins Leben gerufen.

In dieser GUT, erinnerte der Ex-Kreischef, sind außer dem Landkreis sämtliche Städte und Gemeinden vertreten. Dazu kommen noch die Städtischen Betriebe Haßfurt und der Bauernverband. Dabei versteht sich die GUT als Ideenschmiede, und nicht als direkter "Umsetzer" der Projekte. In diesem Kontext habe sich die GUT der Herausforderung gestellt, für den Kreis und für alle einzelnen Gemeinden Energienutzungspläne zu erstellen.


Die Bürger "mit ins Boot holen"

Zu diesem Zweck kooperiert man mit dem Institut für Energietechnik (IfE) an der Hochschule Amberg-Weiden. Dabei, betonten die anwesenden Bürgermeister Günther Werner (Haßfurt), Claus Bittenbrünn (Königsberg), Matthias Schneider (Theres), Holger Baunacher (Wonfurt) und Peter Kraus (Gädheim), sei es unabdingbar, die Bürger "mit ins Boot zu nehmen." Ziel sei, realistische Energieprojekte zur Einsparung und zum Ausbau der "Erneuerbaren" zu entwickeln und umzusetzen.

Vom IfE-Mitarbeiter Simon Achhammer erfuhren die Zuhörer erste Ergebnisse der bisherigen Erhebungen. Erfreulich sei, dass der elektrische Energiebedarf landkreisweit in den letzten Jahren sank. Der Grund liege unter anderem in Energieeinsparungen durch bessere Wärmedämmungen, energetischen Sanierungen, LED-Leuchttechnik und dem Einbau von Solaranlagen. Während 2010 noch über 444 000 Megawattstunden (Mwh) jährlich verbraucht wurden, waren es zwei Jahre später nur noch knapp 426 000.

Und der anfangs erwähnte große Stromanteil aus erneuerbaren Energien im Kreis setzt sich folgendermaßen zusammen: Am meisten steuert die Photovoltaik mit 23 Prozent bei. Die Wasserkraft folgt mit 18 Prozent, dahinter die Biomasse (11 Prozent) und schließlich die Windkraft mit zwei Prozent. Mit Inbetriebnahme des Bürgerwindparks Sailershausen, ergänzte Gunter Häckner, wird sich der Anteil der regenerativen Energien am Stromverbrauch nochmals deutlich auf über 60 Prozent erhöhen.


Photovoltaik eine Erfolgsgeschichte

Häckner brach anschließend eine Lanze für die seiner Meinung nach öffentlich zu Unrecht gescholtene Photovoltaik. Für ihn ist das Anzapfen der Sonnenenergie eine Erfolgsgeschichte. Durch veränderte politische Rahmenbedingungen, sprich durch die drastisch verkürzten Einspeisevergütungen, sei die Sonnennutzung nur fürs Stromnetz wirtschaftlich kaum noch interessant. Lukrativ sei dagegen bei den heutigen Strompreisen die eigene Nutzung des selbst erzeugten Stroms.

Um das möglichst vielen Menschen auf einem einfachen Weg näherzubringen, ist die GUT dabei, einen "Solar-Schnellcheck" zu entwickeln. Unter Zugrundelegung des bisherigen Stromverbrauchs, der Größe des Haushalte sowie der Himmelsrichtung und des Neigungswinkels vom Dach soll ein unverbindliches Photovoltaik-Angebot mit Angabe von prognostizierten Einsparungen erstellt.

Wie sich in der Diskussion herauskristallisierte, gibt es in den Gemeinden bereits vielfältige Initiativen von Bürgern, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen. So meldeten sich Einwohner von Buch, Gädheim, Junkersdorf, Wonfurt und Obertheres zu Wort. Etliche von ihnen trugen sich in die vorbereiteten Listen ein, mit denen Energie-Arbeitskreise auf Gemeindeebene ins Leben gerufen werden sollen.

Nach dem offiziellen Teil der Versammlung outete sich im Gespräch mit unserem Reporter der Zweite Bürgermeister von Königsberg, Alexander Krauser, als Freund der Windenergie. Er freut sich, dass eines der Windräder des Sailershäuser Windparks auf dem Grund des Königsberger Stadtwaldes in der Gemarkung seines Heimatdorfes Holzhausen steht. Und dass damit die Pachteinnahmen der arg gebeutelten Stadtkasse zugute kommen.
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