Sand am Main
Kultur

Eine nächtliche "Reise ins Ich"

Bei den Frauenlesenächten in Sand stellten Frauen zum Teil selbst geschriebene Texte und Lieder vor. Die 16-jährige Lea Sidon überzeugte mit einem Gedicht.
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Erst 16 Jahre alt ist Lea Sidon aus Sylbach, die heuer zum ersten Mal bei einer Frauenlesenacht einen eigenen Text vorstellte und viel Applaus erhielt. Fotos: Ulrike Langer
Erst 16 Jahre alt ist Lea Sidon aus Sylbach, die heuer zum ersten Mal bei einer Frauenlesenacht einen eigenen Text vorstellte und viel Applaus erhielt. Fotos: Ulrike Langer
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Die Begeisterung für die Frauenlesenächte der Theaterwerkstatt Haßfurt ist auch nach 15 Jahren ungebrochen. Die beiden diesjährigen Veranstaltungen in der Weinscheune vom Weingut A+E Rippstein in Sand am Main, bei der zwölf Frauen Texte und Lieder zum Thema "Die Reise ins Ich" vortrugen, wurden von rund 200 Frauen jeden Alters besucht.

Zur Ruhe kommen, die Stille aushalten, den Worten und Tönen lauschen, den Humor pflegen, Weisheiten anhören, neue Erkenntnisse mitnehmen, ungezwungen in Kontakt treten sowie gemeinsam essen und trinken: das macht den Reiz der Frauenlesenächte aus.

Zehn Frauen wählten Texte aus

Die Veranstaltungsreihe wurde 1999 von der Regisseurin der Theaterwerkstatt Haßfurt, Nina Lorenz, und der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Monika Strätz-Stopfer ins Leben gerufen.
Andrea Tiessen-Lehmann von der Theaterwerkstatt, die die Organisation 2008 übernahm, hatte für dieses Jahr das Thema "Die Reise ins Ich" gewählt. Zehn Frauen hatten Texte verschiedener Autorinnen für ihre Vorträge ausgesucht oder eigene Geschichten und Gedichte verfasst. Petra Schlosser (Gesang, Klavier, Querflöte) und Gabriele Marquardt (Gesang) von der Theaterwerkstatt Haßfurt wiederum hatten passende Lieder einstudiert.

"Die Reise ins Ich ist ein Abenteuer. Einmal begonnen, ist sie nicht mehr aufzuhalten", erklärte Andrea Tiessen-Lehmann zu Beginn. "Doch wann und warum tritt man diese Reise an? Habe ich überhaupt den Mut, mich meinem Inneren zu stellen und warum endet solch eine Reise manchmal ganz anders als gedacht?"
Antworten auf diese Fragen gaben Gaby Schmitt aus Kirchlauter, Monika Schraut aus Zeil, Petra Wagner aus Schweinfurt und Roswitha Fliege aus Obertheres mit Auszügen aus Werken von Sylvia Deuse, Elli Michler, Mascha Kaleko, Andrea Kossmann und Teresa von Avila. Im Zentrum standen das Bewusstsein, das Unterbewusstsein, der Verstand und das Gefühl, die "sieben Wohnungen der Seele" und viele Gedanken der Autorinnen zur eigenen Identität.

Doch die Frauenlesenächte leben auch durch die von einzelnen Vorleserinnen selbst geschriebenen Geschichten und Gedichte. So hatte sich Andrea Tiessen-Lehmann aus Eltmann zu Sketch mit dem Titel "Die Reise ins Ich" inspirieren lassen, den sie mit Annerose Simon aus Knetzgau im Dialog zum Besten gab. Außerdem erfreute die Autorin das Publikum mit der humorvollen Kurzgeschichte "Zur inneren Einkehr".

Gedicht "Morgen"

Mit ihren 16 Jahren nahm die Gymnasiastin Lea Sidon aus Sylbach erstmals an einer Frauenlesenacht teil und rief mit ihrem Gedicht "Morgen" Bewunderung hervor. Elke Helene Meyer aus Hafenpreppach ließ die Zuhörerschar mit ihrem zweiteiligen Werk "Eine Reise für mich" an ihren Gedanken von der Geburt bis zum Tod teilhaben. Dass Frauen manchmal einen Anstoß benötigen, darüber nachzudenken, was sie eigentlich wollen, schilderte Silke Kasamas aus dem hessischen Babenhausen in ihrer tiefgründigen wie humorvollen Kurzgeschichte; "Was willst Du?". Die Letzte im Reigen der Autorinnen war Irmgard Hetterich aus Zeil, die ihre Gedichte "Stimmungen" und "Glück" vortrug.

Schreiben, lesen und Spaß haben

"Für mich gibt es viele Gründe, die Frauenlesenächte der Theaterwerkstatt Haßfurt zu besuchen", erzählte Lisa Langkafel aus Eltmann bei den Lesenächten in Sand. "Zum einen finde ich die Beiträge immer sehr gut, zum anderen gibt es immer leckeres Essen, zum dritten bin ich Mitglied des Fördervereins Freunde der Theaterwerkstatt Haßfurt und zum vierten ist die Organisatorin Andrea Tiessen-Lehmann meine Nachbarin." Ihr Fazit: "Die Texte waren mir aus der Seele gesprochen und wurden nicht nur vorgelesen, sondern mit innerer Überzeugung vorgetragen."

Auch Gylsen Schorn aus Schweinfurt, die zum zweiten Mal eine Frauenlesenacht besuchte, war sehr angetan: "Die Abende sind immer sehr gehaltvoll, denn hier wird literarisches mit musischem und kulinarischem verbunden", sagte sie.
Lea Sidon aus Sylbach war zum ersten Mal aktiv bei der Frauenlesenacht dabei. "Ich habe schon einiges geschrieben, was auch meiner Lehrerin Diana Giessegi gefallen hat und sie hat mich animiert, hier einmal mitzumachen", erzählte sie.
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