Mürsbach
Kirche

Eine Stele für Kaplan Häfner

Mürsbach gedenkt des inzwischen seliggesprochenen Geistlichen, der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Pfarrei wirkte.
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Die Plakette, die in Mürsbach gesegnet wird, ähnelt der, die seit 2012 am Würzburger Priesterseminar angebracht ist.  Foto: Markus Hauck/pow
Die Plakette, die in Mürsbach gesegnet wird, ähnelt der, die seit 2012 am Würzburger Priesterseminar angebracht ist. Foto: Markus Hauck/pow
Eine Stele mit einem Bronzerelief des seligen Georg Häfner segnet am Sonntag, 28. August, Domdekan Prälat Günter Putz beim Gottesdienst um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche von Mürsbach. Putz war diözesaner Postulator im Seligsprechungsverfahren für Pfarrer Häfner. Der Bildhauer Kurt Grimm aus Kleinrinderfeld schuf die Plakette.

Häfner war von 1925 bis 1928 Kaplan in Mürsbach. Er starb am 20. August 1942 im Konzentrationslager Dachau. Papst Benedikt XVI. erkannte den Priester 2009 als Märtyrer an. Am 15. Mai 2011 wurde Häfner im Würzburger Kiliansdom seliggesprochen.

Georg Häfner wurde am 19. Oktober 1900 als Sohn des städtischen Arbeiters Valentin Häfner und seiner Ehefrau Barbara, geb. Ulsamer, geboren. Er studierte er von 1919 bis 1924 Philosophie und Theologie an der Universität Würzburg.
Im Januar 1920 trat er in den "Dritten Orden vom Berge Karmel" ein und erhielt den Ordensnamen Aloysius vom heiligsten Sakrament. Erzbischof Johannes Jacobus von Hauck (Bamberg), der damalige Administrator des Bistums Würzburg, weihte Georg Häfner am 13. April 1924 in der St. Michaelskirche (Würzburg) zum Priester.

Häfner kam dann 1925 als Kaplan nach Mürsbach, wo er bis 1928 wirkte. Als überzeugter katholischer Geistlicher nahm er seine pastoralen Aufgaben sehr ernst. Es folgte die Tätigkeit in Altglashütten, bevor er 1934 Pfarrer in Oberschwarzach wurde.


Religionsunterricht verboten

In Predigten hielt sich Pfarrer Häfner zurück, doch seine Ablehnung des nationalsozialistischen Gedankengutes blieb in seiner Pfarrgemeinde nicht verborgen. Die Verweigerung des Hitlergrußes, der Umbau eines Turmzimmers der Kirche von Oberschwarzach und Äußerungen in der Christenlehre im Januar 1941 über eine nächtliche Ruhestörung in Oberschwarzach führten u. a. dazu, dass Pfarrer Häfner in der Schule keinen Religionsunterricht erteilen durfte und zu polizeilichen Vernehmungen vorgeladen wurde. Die systematische Verfolgung des Geistlichen spitzte sich im Jahre 1941 zu.

Der unmittelbare Anlass für das Vorgehen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war folgender: Pfarrer Georg Häfner hatte durch seinen Kaplan Hans Haun einem schwer erkrankten NSDAP-Mitglied eine Erklärung vorlegen lassen, nach der dieser seine standesamtlich geschlossene Ehe vor Gott und seinem Gewissen für ungültig halte; die öffentliche Verkündigung des wesentlichen Inhalts dieser Erklärung nach dem Tod des Mannes war für den Pfarrer Voraussetzung für ein kirchliches Begräbnis. Daraufhin verfasste der zuständige NSDAP-Ortsgruppenleiter ein denunzierendes Schreiben über das Verhalten von Häfner, am 31. Oktober 1941 wurde er verhaftet.
Bei seiner Verhaftung durch die Gestapo begründete Häfner sein Verhalten: "Für mich war maßgebend, dass sich der Tote mit der Kirche ausgesöhnt hatte und nunmehr kirchlich beerdigt werden konnte." Aus der Haft schrieb Häfner an seine Eltern: "Es ist vom Herrgott bestimmt, dass ich den Kreuzweg weiter gehe. ... Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein."


Schläge und Hunger

Am 12. Dezember 1941 wurde Häfner als Gefangener im Konzentrationslager Dachau untergebracht. "Als Pfarrer Häfner in Dachau ankam, fielen zwei Posten über ihn her, und schlugen ihn ins Gesicht, dass er aus dem Mund blutete. Häfner hat nie geklagt. Im Lager fühlte sich Häfner dauernd von starkem Hunger geplagt, schon im Winter 1941/42", berichtet Pfarrer August Eisenmann.
Schließlich starb Georg Häfner am 20. August 1942.

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