Haßfurt
Gericht

Ein letztes Mal Bewährungsstrafe

Schnaps macht aus einem 19-Jährigen einen Schläger. Deshalb musste er sich vor dem Jugenschöffengericht verantworten.
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Justitia meinte es noch einmal gut mit einem 19-Mechatroniker. Beim nächsten Delikt droht ihm eine Haftstrafe. Foto: Arne Dedert, dpa
Justitia meinte es noch einmal gut mit einem 19-Mechatroniker. Beim nächsten Delikt droht ihm eine Haftstrafe. Foto: Arne Dedert, dpa
Wortkarg zeigte sich ein 19-jähriger Mechatroniker aus dem nördlichen Landkreis, der wegen Körperverletzung vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Haßfurt stand. Er hat, wie die Hauptverhandlung ergab, sich offensichtlich unter Einfluss von Alkohol nicht unter Kontrolle. So kam es dazu, dass er im Januar in und später vor einer Diskothek im Landkreis Bamberg einem anderen unvermittelt ins Gesicht schlug. Für die neuerliche Tat bekam er eine Jugendstrafe von neun Monaten, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Laut Anklageschrift von Staatsanwältin Kathrin Thal hat er erst in einer Disco einen jungen Mann ins Gesicht geschlagen und später draußen noch einmal. "Strafantrag wurde gestellt, außerdem bejaht die Staatsanwaltschaft auch öffentliches Interesse", erklärte Thal. Dem Angeklagten musste dann fast alles aus der Nase gezogen werden. Erinnern konnte er sich an nichts mehr.
Der Grund? Er hatte eine Menge "Jack Daniels" intus. Seine Erinnerungslücken hatte er aber offensichtlich nur vor Gericht. Nach den Ermittlungen der Polizei Bamberg hatte er nämlich nach dem Vorfall mit einer Bekannten gesprochen. Ihr gegenüber sagte er, er habe den anderen geschlagen, weil er gesehen habe, dass dieser ihr K.O.-Tropfen ins Glas gegeben hat. Wirklich? Ein Anhalt dafür konnte in der Hauptverhandlung nicht gefunden und von der Zeugin auch nicht bestätigt werden. Sowohl der Angeklagte als auch das Opfer sagten aus, dass sie sich vor dem Vorfall nicht gekannt hatten.


Taxifahrer ums Fahrgeld geprellt

Nach Aussage eines Polizeibeamten aus Bamberg war der 19-Jährige nach der Tat nicht mehr vor der Disco anzutreffen. Allerdings hatte ein Zeuge gesehen, dass er mit weiteren Personen in ein Taxi gestiegen war, von dem er sich das Kennzeichen merkte. Über die Taxizentrale wurde ermittelt, dass die Endstation der Fahrt in Ebern war. Außerdem, so berichtete der Polizeibeamte, sei der Taxifahrer zur Polizei in Bamberg gekommen, weil er um sein Fahrgeld geprellt wurde. Der Fahrgast sei in Ebern ausgestiegen, um sich in einer Bank von einem Automaten Geld zu holen und dann zu zahlen. Allerdings erschien er nicht mehr, weshalb der Taxifahrer dann die Polizei ansteuerte. Über eine Kamera in der Bank konnte der Täter mit Hilfe der Bankangestellten ermittelt werden. "Alles passt zeitlich zusammen", sagte Richter Martin Kober. Vor allem auch eine 18-jährige Zeugin aus dem Bereich Ebern sagte aus, dass der junge Mann ihr gegenüber die Tat zugeben habe. Er selbst leugnete das auch nicht.

Für den Geschädigten, einen 21-jährigen Student, hatten sich die Ereignisse so abgespielt: Er war nach einem Toilettenbesuch mit einer jungen Frau zusammengestoßen. Danach habe er von dem Täter einen Faustschlag erhalten, berichtete er: "Ich denke, der war eventuell eifersüchtig." Ein weiterer Student, Bekannter des 21-Jährigen, hatte dann vor der Disco mitbekommen, wie sein Kommilitone erneut geschlagen wurde. Allerdings konnten weder er noch der Geschädigte mit Sicherheit sagen, ob es sich bei dem Angeklagten um den Schläger handelte. Nach Aussage der 18-Jährigen stand allerdings der Angeklagte, der ohne Rechtsbeistand erschienen war, als Täter fest. Und das leugnete er auch nicht, hielt vielmehr den Kopf gesenkt. Die Zeugin bekräftigte: "Er sagte mir, dass er es gemacht hat." Sie selber hatte von den Schlägen nichts mitbekommen, obwohl sie sich direkt neben dem Opfer befand. Auf den zweifelnden Blick des Richters hin erklärte sie: "Ich hatte ziemlich viel Jägermeister getrunken." Wie viele, das interessierte die Staatsanwältin. "Keine Ahnung. Viele. Ich weiß nur, dass ich an diesem Abend 150 Euro gebraucht habe."


Drei Einträge im Bundeszentralregister

Im Bundeszentralregister ist der Angeklagte bereits drei Mal eingetragen: Trunkenheit im Verkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Gefährdung des Straßenverkehrs. Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe sah beim Angeklagten Alkoholprobleme als Ursache. Neun Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung und Auferlegung der Kosten, beantragte Thal. "Was heißt neun Monate?", wollte der Angeklagte zuletzt wissen, was ihm Richter Kober erläuterte.

Mit dem Urteil folgte das Schöffengericht dem Antrag der Staatsanwältin und brummte ihm zudem 500 Euro Geldbuße auf, die er an den Kreisjugendring Haßfurt zahlen muss. "Bekommen Sie Ihr Alkoholproblem in den Griff, der Weg ins Gefängnis naht, wenn wieder was dazu kommt", gab Kober dem jungen Mann mit auf den Weg. Dieser nahm das Urteil an.

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