Der eine hat seine Probleme mit Cyber-Mobbing, die andere mit ihrem fränkischen Dialekt. In der Pausenhalle wird geschubst, gedrängelt. Wer ergattert sich den besten Platz, neben seinem Lieblingsfreund oder der Hübschesten aus der Klasse? Um unterschiedliche Formen der Ausgrenzung ging es am Dienstag in der Aula des Friedrich-Rückert-Gymnasiums (FRG). Besser: Es ging darum, jegliche Formen von Diskriminierung schon im Vorfeld abzuwenden. Diesem hehren Ziel hat sich die Schülermitverwaltung seit Monaten verschrieben. Zum Ausdruck kam dies mit der Verleihung des Labels "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

"Wir haben zwar keine Rassismus-Probleme in unserer Schule, wollen aber dennoch mehr Toleranz fördern", erzählte Schülersprecherin Laura Blum, die Initiatorin der Aktion, die die breit angelegte Aktion in der Feierstunde vorstellte: Spendenlauf für Afrika, der 12.000 Euro einbrachte, Aktionstag der Klassensprecher unter dem Motto "Mobben stoppen", Tanzabend mit Austauschschüler aus Frankreich und Tschechien, Workshops und Vorträge zu Themen wie Homosexualität oder Diskriminierung gehörten zum Programm in den zurückliegenden Monaten. Letztlich hätten 95 Prozent aller Gymnasiasten eine Erklärung unterschrieben, um so "ihre Stimme für mehr Zivilcourage zu erheben". Gegen jegliche Form von Ausgrenzung, wie Schulleiter Klauspeter Schmidt ergänzte.

Was die Unterschrift der Schüler bedeutet, rief vor großem Auditorium die Regionalkoordinatorin für Nordbayern, Zehranur Aksu aus Würzburg in Erinnerung: "Ihr habt drei Versprechen gegeben: Ich schau' hin - im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof; ich mach' auch was. Und: Ihr wollt' mit mindestens einem Projekt im Jahr, um an Euer Versprechen zu erinnern." Das ließ einige der Zuhörer doch nachdenklich werden.
Seit 1995 gibt es die Aktion "Schule ohne Rassismus", erzählte die Koordinatorin aus der Würzburger Jugendbildungsstätte. Das Friedrich-Rückert-Gymnasium sei die 142. Schule in Bayern, die mitmacht. 1028 sind es bundesweit.

Wo liegen die Probleme?


Wie sehen die Probleme am FRG aus? "Unser Ausländeranteil ist gering", sagt Schulleiter Schmidt. Rechnet man die Kinder von Aussiedlern hinzu, liegt er bei zwei bis drei Prozent. Aber es geht auch nicht nur um Ausländerfeindlichkeit, sondern "um jeden menschenverachtenden Ansatz", so Schmidt.

Dazu zählt sein Stellvertreter Wolfgang Grübert beispielsweise das Cyber-Mobbing (fränkisch: Hänseln übers Internet). Solche Fälle seien schon aufgetreten. "Durch Elterngespräche und in Zusammenarbeit mit unserer Sozialpädagogin haben sich die Probleme alle innerhalb der Schule lösen lassen und mussten nicht an andere Stellen abgegeben werden", berichtet Grübert. Es habe aber schon Fälle gegeben, da Sozialstunden verhängt wurden. Positiv findet Grübert die Initiative beim Blick auf die vielen Auslandskontakte der Unesco-Schule: "Die Akzeptanz anderer Lebensformen und Kulturen wird gefördert."

Eine aktuelle Form der Diskriminierung ist der Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU) widerfahren, wie sie als Patin der Aktion bei der Übergabe des Labels erzählte. "Ich war am Sonntag in Berlin in einer Fernseh-Talkshow und bekam am nächsten Tag jede Menge E-mails. Darin haben sich viele nicht mit den Inhalten auseinander gesetzt, sondern "es gab wüste Beschimpfungen wegen meines fränkischen Dialektes", schlüpfte die Politikerin in die Opferrolle. "So ein fränkisch gerolltes R gehöre nicht ins Fernsehen", meinte einer.