Ebern
Verabschiedung

Eberns Abiturienten zeigen sich zum Abschluss kritisch

Am Eberner Friedrich-Rückert-Gymnasiums traten erstmals über 100 Abiturienten zu den Abschlussprüfungen an. Deswegen fand die Entlassfeier in der Dreifachturnhalle statt. Im nächsten Jahr werden es schon wieder weniger Absolventen sein, blickte der Schulleiter voraus.
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Symbol der Freiheit: Ballons mit ihren Wünschen ließen Eberns Abiturienten aufsteigen. Ein mit Problemen behafteter Versuch. Fotos: Ralf Kesel
Symbol der Freiheit: Ballons mit ihren Wünschen ließen Eberns Abiturienten aufsteigen. Ein mit Problemen behafteter Versuch. Fotos: Ralf Kesel
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Hoffentlich ist dies kein böses Omen: Verpasste Aufstiegs-Chancen kennzeichneten den Massenstart der Luftballons, den 99 von 102 Abiturienten des Friedrich-Rückert-Gymnasiums mit ihren Wünschen gen Himmel schicken wollten. Vielen Ballons ging schnell die Puste aus.

Startschwierigkeiten? Das soll für die Absolventen nicht gelten, rieten ihnen die Festredner bei der Verabschiedung, die erstmals in der Dreifachturnhalle stattfand, da ein Rekordjahrgang die Schule verließ. Für die Mithilfe bei der Umgestaltung der Turn- in eine Festhalle stellte Oberstudiendirektor Klauspeter Schmidt den Abiturienten Bestnoten aus. Sie hatten wahrlich Klimmzüge beim Verlegen des Bodens und dem Aufbau der Bühne vollbracht.

Bestmarken setzten einige auch bei den Abschlussprüfungen: Als Schulbeste wurde Anna Nestmann (Durchschnittsnote 1,2) aus Mürsbach geehrt. Ihr folgten Sophie Will (1,3) aus Rudendorf und Lisa Dürr (1,4) aus Rentweinsdorf.

Kritik aus Reihen der Schüler

Nicht so freizügig bei der Vergabe guter Noten waren die beiden Schülersprechinnen Luisa Beland und Annafried Schmitt. Sie verbanden mit der Turnhalle unangenehme Erinnerung. "Wir wurden mit der Trillerpfeife den Treppe hochgejagt."

Auch beklagten sie die teils "exotischen Vorstellungen aus dem Ministerium in München" und die Baumängel an den Decken vieler Klassenzimmer. "Freier Blick bis zum Himmel, unsere Schule geht bei starkem Regen buchstäblich den Bach hinunter."

Und auch der Schulleiter bekam schlechte Zensuren, weil er die Zierfische Mustafa, Yannik und Ironhead aus einem Zimmer verbannen ließ. "Lieber Herr Schmidt, vielleicht hätten Sie ausnahmsweise auch mal nach unserer Meinung fragen sollen." Gute Zensuren indes erhielt Oberstufen-Koordinatorin Christine Bördlein, die sich im Verlauf der Monate zur "Kollegstufen-Mami" mauserte.

Auch Elternbeiratsvorsitzender Franz Schaller geizte nicht mit kritischen Anmerkungen, die er mit einem Witz verband. So beim vorgeschriebenen Mathe-Abitur, da der Lehrer drohte: "40 Prozent fallen in Mathe durch" - und ein Schüler antwortete: "Herr Lehrer, so viele sind wir doch gar nicht."

Anforderungen zu hoch

Aber im Ernst: Schaller fand, dass die G8-Absolventen zu wenig aufs Mathe-Abitur vorbereitet wurden. Überhaupt seien die fünf Abi-Fächer in der G8-Version zu viel, da vorher nur vier Fächer absolviert werden mussten.

Über die Jahre mussten die Schüler zwölf Fächer büffeln, und deswegen bat Schaller, dass Lehrer nicht nur auf ihre Fachschaft schauen sollten, sondern über den Tellerrand hinaus.

Zum Zustand des Hauses sagte Schaller zu Landrat Wilhelm Schneider (CSU): "Die angekündigten 20 Millionen benötigen wir dringend und schnell."

Die sagte der Angesprochene zwar nicht direkt zu, sprach aber von Meilensteinen. Die hätten die Abiturienten mit dem Erhalt des Reifezeugnisses fürs eigene Leben gesetzt, meint Landrat Schneider, um dabei auf eigentliche Befindlichkeiten zu verweisen: "Ich weiß, wie Ihr Euch fühlt, denn vor 37 Jahren habe ich hier mein Abitur geschafft und kann mich noch ganz genau daran erinnern."

Aus eigener Erfahrung schob Schneider weitere Aspekte nach: "Wir brauchen Eure Talente, Euer Wissen und Eure Kreativität, Eure anderen Sichtweisen, um neue Wege zu beschreiten."

Und das sollten sie nach des Landrats Willen in der Region tun. "Auch bei uns gibt es gute Zukunftsperspektiven", warb er um Heimatverbundenheit.

Solche Töne schlug auch Eberns Zweiter Bürgermeister Harald Pascher (FPD) an. "Es wäre schön, wenn wir Euch nicht nur zu Weihnachten und beim Altstadtfest wiedersehen würden. Behaltet Euren Lebensmittelpunkt hier, denn das weit billiger als in den Ballungszentren."

Trotz der Kritik am Mathe-Abitur wagte sich Schulleiter Klauspeter Schmidt an Zahlenspielereien. Zwischen Eins und 17 000 lägen die Zukunftsperspektiven. "Bislang gab es ein gemeinsames Ziel: der gemeinsame Abschluss, der eine Bildungskarriere verfolgt." Dieser Abschluss eröffne aber allein 17 000 Studiengänge für akademische Laufbahnen, wie sie in Deutschland möglich seien. "Willkommen in der Komplexität des Lebens."

Etliche schwanken noch

Einige der Absolventen hätten die Entscheidung bezüglich des Berufsweges bereits getroffen. "Die Mehrzahl schwankt da noch, zuweilen erheblich."

Sicherlich ergäben sich Entscheidungsprobleme, aber unentschlossenes Lavieren führe zu nix. "Ab jetzt haften Sie selbst. Die Zeit der Unschuld und Unwissenheit ist vorbei und wird durch Erfahrung - hoffentlich - schrittweise abgelöst."
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